Eugen Onegin
Wann: 12.02.2012 - 18:00 Uhr
Wo: Schiller Theater
Oper von Peter I. Tschaikowsky
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Nachdem Tschaikowsky zuvor praktisch nur Misserfolge erzielt hatte, hegte er für seine fünfte Oper besondere Pläne, die aus seiner Sicht nachhaltig innovativ auf das damalig gegenwärtige Musiktheaterschaffen wirken sollten. Er dachte an etwas völlig Neues: Eine Oper ohne äußere Dramatik, ohne Effekte, ohne Gift, Mord, Intrige, ohne schwülstige Liebesschwüre und auch ohne reißerische Koloraturen. In einem Brief vom 18. Mai 1877 an seinen Bruder Modest äußerte er sich darüber detailliert, versehen mit einem Seitenhieb auf Verdi: "Wie froh ich bin, all die äthiopischen Prinzessinnen und Pharaonen mit ihrem unnatürlichen Gehabe loszuwerden". Und in einem Brief an seine lebenslange Vertraute Nadeshda von Meck wies er bereits gezielter auf das Markante der musikalischen Dramaturgie seines neuen Werkes hin, indem er schrieb: "Der Inhalt ist so unraffiniert, bietet gar keine Bühneneffekte, und auch die Musik ist jeglichen Glanzes, jeglicher verblüffender Knalleffekte bar ... Diejenigen also, welche in der Oper auf die Handlung das Hauptgewicht legen, werden unbefriedigt bleiben."
Was dem Komponisten im Eigentlichen also vorschwebte, war eine Opernhandlung, die weniger den äußeren dramatischen Konflikt und stattdessen eine epische Aneinanderreihung einzelner Bilder darstellt. Für diese Idee griff Tschaikowsky auf Alexander Puschkins Roman in Versen (von Belinsky als "Enzyklopädie des russischen Lebens" bezeichnet) zurück und entnahm daraus charakteristische Teile, um diese zu Lyrischen Szenen aneinander zu fügen.
Musikalische Leitung: Pietari Inkinen
Inszenierung / Bühnenbild / Lichtkonzeption: Achim Freyer (2008)
"Die alltägliche Tragik des ,Onegin', zeigt Achim Freyer mit seinen phantasievollen Bildern, liegt eben darin, dass keiner je aus sich heraus kommen kann und wie eine funktionslose Maschine bis zum Erlöschen der Batterie vor sich hin werkelt. Auch dieses nüchterne Fazit verträgt sich bestens mit Barenboims Lakonik am Pult." (SZ)
"Achim Freyer zeigt den Russen-Adel des 19. Jahrhunderts als groteskes Kasperletheater. Fratzen wie im Grand Guignol. Ein Danse Macabre, denn der Tod ist immer dabei. Im Mittelpunkt dieses bizarren Masken-Balls: die derzeit schönste Opern-Stimme Rolando Villazón. Er singt sich mit Belcanto-Schmelz und traurigen Clowns-Augen ins Herz. Ein Weltstar mit Ensemble-Geist, der radikal Freyers Regiekonzept erfüllt". ( B.Z.)
"Es ist seltsam, ja irritierend, Achim Freyers tanztheaterhafte Choreographien auf dieses Stück losgelassen zu sehen. Aber können wir uns denn so sicher sein, wie Leidenschaft auszusehen hat? Existiert sie nur dort, wo Sänger ineinander verschlungen über die Bretter rollen? Ein zweiter, gelassener Blick auf Freyers Inszenierung könnte mehr Qualitäten enthüllen, als das Premierenpublikum wahrhaben wollte." (FAZ)
"EUGEN ONEGIN ist ein konstruierter Roman unechter Gefühle und verpasster Liebschaften. Freyer hat daran gar nichts zu kritisieren, nur ersetzt er die Erzählung der Ereignisse durch ihre Struktur, die er von Anfang bis Ende als simultane Konfiguration von Spielfiguren ins Bild bringt. Grotesk leichenhaft geschminkt sind sämtliche Personen ständig zu sehen, trippeln in Weiß beschmierten Anzügen hin und her, lassen vor Aufregung Stühle rotieren, vollführen in extremer Slow Motion abgezirkelte Bewegungen. Wunderschöne Abstraktionen einer Geisterwelt sind zu sehen, nichts sonst geschieht". (taz)
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Nachdem Tschaikowsky zuvor praktisch nur Misserfolge erzielt hatte, hegte er für seine fünfte Oper besondere Pläne, die aus seiner Sicht nachhaltig innovativ auf das damalig gegenwärtige Musiktheaterschaffen wirken sollten. Er dachte an etwas völlig Neues: Eine Oper ohne äußere Dramatik, ohne Effekte, ohne Gift, Mord, Intrige, ohne schwülstige Liebesschwüre und auch ohne reißerische Koloraturen. In einem Brief vom 18. Mai 1877 an seinen Bruder Modest äußerte er sich darüber detailliert, versehen mit einem Seitenhieb auf Verdi: "Wie froh ich bin, all die äthiopischen Prinzessinnen und Pharaonen mit ihrem unnatürlichen Gehabe loszuwerden". Und in einem Brief an seine lebenslange Vertraute Nadeshda von Meck wies er bereits gezielter auf das Markante der musikalischen Dramaturgie seines neuen Werkes hin, indem er schrieb: "Der Inhalt ist so unraffiniert, bietet gar keine Bühneneffekte, und auch die Musik ist jeglichen Glanzes, jeglicher verblüffender Knalleffekte bar ... Diejenigen also, welche in der Oper auf die Handlung das Hauptgewicht legen, werden unbefriedigt bleiben."
Was dem Komponisten im Eigentlichen also vorschwebte, war eine Opernhandlung, die weniger den äußeren dramatischen Konflikt und stattdessen eine epische Aneinanderreihung einzelner Bilder darstellt. Für diese Idee griff Tschaikowsky auf Alexander Puschkins Roman in Versen (von Belinsky als "Enzyklopädie des russischen Lebens" bezeichnet) zurück und entnahm daraus charakteristische Teile, um diese zu Lyrischen Szenen aneinander zu fügen.
Musikalische Leitung: Pietari Inkinen
Inszenierung / Bühnenbild / Lichtkonzeption: Achim Freyer (2008)
"Die alltägliche Tragik des ,Onegin', zeigt Achim Freyer mit seinen phantasievollen Bildern, liegt eben darin, dass keiner je aus sich heraus kommen kann und wie eine funktionslose Maschine bis zum Erlöschen der Batterie vor sich hin werkelt. Auch dieses nüchterne Fazit verträgt sich bestens mit Barenboims Lakonik am Pult." (SZ)
"Achim Freyer zeigt den Russen-Adel des 19. Jahrhunderts als groteskes Kasperletheater. Fratzen wie im Grand Guignol. Ein Danse Macabre, denn der Tod ist immer dabei. Im Mittelpunkt dieses bizarren Masken-Balls: die derzeit schönste Opern-Stimme Rolando Villazón. Er singt sich mit Belcanto-Schmelz und traurigen Clowns-Augen ins Herz. Ein Weltstar mit Ensemble-Geist, der radikal Freyers Regiekonzept erfüllt". ( B.Z.)
"Es ist seltsam, ja irritierend, Achim Freyers tanztheaterhafte Choreographien auf dieses Stück losgelassen zu sehen. Aber können wir uns denn so sicher sein, wie Leidenschaft auszusehen hat? Existiert sie nur dort, wo Sänger ineinander verschlungen über die Bretter rollen? Ein zweiter, gelassener Blick auf Freyers Inszenierung könnte mehr Qualitäten enthüllen, als das Premierenpublikum wahrhaben wollte." (FAZ)
"EUGEN ONEGIN ist ein konstruierter Roman unechter Gefühle und verpasster Liebschaften. Freyer hat daran gar nichts zu kritisieren, nur ersetzt er die Erzählung der Ereignisse durch ihre Struktur, die er von Anfang bis Ende als simultane Konfiguration von Spielfiguren ins Bild bringt. Grotesk leichenhaft geschminkt sind sämtliche Personen ständig zu sehen, trippeln in Weiß beschmierten Anzügen hin und her, lassen vor Aufregung Stühle rotieren, vollführen in extremer Slow Motion abgezirkelte Bewegungen. Wunderschöne Abstraktionen einer Geisterwelt sind zu sehen, nichts sonst geschieht". (taz)
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