18.05.2011  Pratteln

Gesehen: Nazareth im Z7 in Pratteln



Nazareth

Rockurgestein im „Z7“ in Pratteln: Am Montag gab sich die schottische Hard Rock Band „Nazareth“ in der Kulturfabrik zum Besten. „Nazareth“ wurde 1968 gegründet und war wie ihre Kollegen der ersten Hard Rock Generation, darunter Led Zeppelin, Uriah Heep, Deep Purple und Black Sabbath, maßgeblich an der Prägung des Hard Rock und des späteren Heavy Metal beteiligt. Mit weltweit knapp 40 Millionen verkauften Alben gehören sie zu den international bekanntesten schottischen Bands.

 

Die Jungs ließen im „Z7“ recht lange auf sich warten. Doch dann war es endlich soweit und mit einem pathetischen Intro schottischer Musik betraten die vier Bandmitglieder die Bühne. Neben den beiden Gründungsmitgliedern, Sänger Dan McCafferty und Bassist Peter Agnew, besteht die Band mittlerweile aus den beiden weiteren Musikern, Gitarrist Jimmy Murrison und Schlagzeuger Lee Agnew. In der Minimalbesetzung brachten „Nazareth“ ihren schweren, langsam schleppenden Metal-Sound zu Gehör, der das Publikum leicht mitwippen ließ. Der erste Hit musste auch nicht lange auf sich warten lassen, den gleich nach den ersten paar Stücken tönte Frontmann Dan McCafferty den Ohrwurm „Dream On“ an. Ist man die entsprechenden Studioaufnahmen der Band gewohnt, wurde man das Gefühl nicht los, dass die Band, das, was ihnen an zusätzlicher Instrumentation im Vergleich zur Studioaufnahme fehlte, durch ihre Lautstärke wettmachen zu versuchte. Ein Unterfangen, das nicht nur bei „Dream On“, sondern auch bei anderen Balladen wie „Love leads to Madness“ und der Zugabe „Love Hurts“ fehlschlug. Durch den minimalistischen und spielerisch gesehen recht unkomplizierten Sound stand eindeutig die Stimme von Sänger Dan McCafferty im Vordergrund, die den Songs auch ihren ganzen Wiedererkennungswert verlieh. Musikalisch gesehen erinnerte die Performance streckenweise eher an eine Schülerband – nur mit einigen Dezibel mehr im Rücken. Da konnte auch das Schlagzeugsolo keine Abhilfe schaffen. Nichtsdestotrotz überzeugten die Rock-Dinos ihre nicht zu knapp erschienenen Anhänger und Fans mit dem teilweise sphärischen und recht ausdrucksstarken Repoertoire von Alben wie „Hair of the Dog“ oder ihrer aktuellen Scheibe „Big Dogz“. Highlight des Abends war zweifelsohne der Einsatz eines Dudelsacks, der von Frontmann Dan McCafferty gespielt, klanglich an eine Talkbox, eigentlich ein Gitarreneffektgerät, das den Klang mit Hilfe des Mundraums verändert, erinnerte. Unerklärlich und absolut beeindruckend war, wie die Band einem Dudelsack derartige Klänge entlockte.

 

 

 



Nazareth

Wesentlich mehr als „Nazareth“ selbst beeindruckte jedoch musikalisch gesehen die Vorband „Tri State Corner“. Die fünf Musiker Markus Berger (Bass), Christoph Tkocz (Gitarre), Lucky Maniatopoulos (Sänger), dessen Bruder Ioannis Maniatopoulos (Gitarre) und Christos Efthimiadis (Schlagzeug) überzeugten auf der ganzen Linie durch einen druckvollen Crossover-Sound mit Metal- und Ethno-Einflüssen und durchwegs progressiven Arrangements. Das Besondere: Durch den Einsatz einer sogenannten Bouzouki, einem griechischen Lauteninstrument, sorgte die Band für ein besonderes klangliches Merkmal, das ihren Songs nicht zuletzt aufgrund der hohen Spielgeschwindigkeit einen besonderen Drive verlieh. Spielerisch gesehen bzw. gehört waren die Musiker aus den drei Nationen Deutschland, Polen und Griechenland ein wahres Hörerlebnis. Zwar uferte der sehr rhythmische Sound gegen Ende stellenweise nahezu in ein Inferno aus Überlagerungen von Gitarrenklängen aus, jedoch ohne dabei seine Struktur zu verlieren. Dem Publikum hat die knappe Stunde mit „Tri State Corner“ sehr gut gefallen, was sie mit ausreichend Applaus signalisierten; die Band hat es verdient.

 

HEIKO TREFZGER

 

 

 



Nazareth












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