19.10.2010 Freiburg
Nachgefragt: Rock Zombies – Untot und hungrig!
![]() Matthias |
Rock Zombies – Untot und hungrig –Ein Interview mit Matthias Ambs von Superguru und Andreas Schardin von Skydive Naked.
Unter dem Motto „Rock Zombies -Untot und hungrig“, organisiert der Freiburger Musiker Verein Multicore ein Konzert mit ausschließlich Bands, die im Schnitt über 35 Jahre sind . „Too old to rock`n`roll, to young to die?“ Wir trafen zwei der Protagonisten zu einem Interview.
James Hetfield Jahrgang 1963, Bono Jahrgang 1960, Madonna Jahrgang 1958, Mick Jagger Jahrgang 1943, Linking Park weit jenseits der 30, Iron Maiden oder auch Accept, die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Der Rock n`Roll ist voll von Protagonisten jenseits der 30, und erst recht wenn man weiter hinter die Kulissen schaut wie alt denn die Entscheidungsträger zum Beispiel in den großen Plattenlabels sind. "Live fast die young"? Der Mythos der 60 und 70 Jahre der auf einem Country Song von Faron Young aus dem Jahre 1955 zurück geht scheint in der Realität nicht wirklich zu funktionieren, ist aber noch immer präsent, da mit diesem Mythos noch immer viel Geld verdient wird vor allem von Menschen jenseits der 30.
RM: Wie kam es zu der Idee zu diesem Thema und dem Konzert?
Matthias: Der Verein Multicore war auf der Suche nach neuen Konzeptideen für seine Konzertreihen. Da der Verein ein gewisses Überalterungsproblem hat, lag es nicht fern das Problem der Rockmusiker jenseits der 30 offensiv an zu sprechen.
RM: Was ist den genau das Konzept für Rockzombies und wer soll damit erreicht werden?
Matthias: Erreicht werden sollen alle Menschen egal welchen Alters. Das Konzept sieht vor ein Konzert oder eine Konzertreihe zu veranstalten die der Entwicklung des Altersstrukturwechsels in unserem Lande Rechnung trägt und diesen Wechsel in der Rockmusik thematisiert. Kurz gesagt es spielen Bands über 35 Jahre, die spielen aber keine Cover und keine alten Songs.
RM: Also keine Nostalgie Veranstaltung?
Matthias: Nein ganz und gar nicht. Es geht darum das Musikern jenseits der 30 das Recht abgesprochen wird ihren eigenen aktuellen Sound zu produzieren. Das Bild des schmerbäuchigen Altrockers der seit 20 Jahren ewig seine Songs aus den 60 oder 70 immer wieder reproduziert herrscht vor in der Öffentlichkeit und genau gegen dieses Image wehren wir uns. Warum soll ich, nur weil ich 48 bin dazu verdammt sein Songs zu covern oder einen alten unzeitgemäßen Sound zu kreieren? Ich komponiere mit meiner Band neue, aktuelle Songs und denke das ich gerade mit meiner Erfahrung nicht schlechter bin als ein Gitarrist um die 20. Es ist unter vielen Mitmusikern zu beobachten das sie ab eines gewissen Alter einen Weg in die innere Emigration antreten, entweder fangen sie an zu covern oder sie ziehen sich angesichts des vorherrschenden Images immer mehr von den Bühnen zurück und das gilt auch für die Zuhörer.
RM: Also hat Rock`n`Roll nichts mit dem Alter zu tun?
Matthias: Nein hat es nicht aber es wird in der Öffentlichkeit so verkauft. In Wahrheit sind alle Entscheidungsträger der Plattenindustrie oder auch die Komponisten jenseits der 30 oder 40 aber in der Öffentlichkeit wird so getan als wäre es ein Vorrecht der Jugend harte Musik zu machen. Wenn ich zuhause sitze und Lieder komponiere kommen eben diese Lieder raus die ich mache und ich möchte mich nicht, wegen meines Alters oder weil andere das von mir erwarten, anfangen zu covern.
Andreas: Mit Sydive Naked spielen nur eigenen Songs und wir erreichen auch mit unserem Sound eher jüngere Leute, als ältere.
Matthias: Irgend wann kommt einem die Erkenntnis das man über die Altersgrenze drüber ist. Ich habe mich irgendwann selbst gefragt warum habe ich bisher Musik gemacht? Ich wollte nie covern sondern ich wollte meine eigenen Songs schreiben und damit etwas ausdrücken. Was wir mit dem ganzen auch oder vor allem, erreichen wollen ist das anstoßen einer öffentlichen Diskussion und einer Debatte über den Alterswandel in der Rockmusik. All die Fragen wie darf man das noch in dem Alter usw.
RM: Ist das ein deutsches Problem oder gar ein globales?
Andreas: Es gibt in der Schweiz zum Beispiel eine viel größere Durchmischung der Altersstruktur bei Konzerten als wie bei uns. Ist doch die Frage wieso das so ist. Die Frage ist darüber hinaus wo gehören wir dazu wenn wir eigene Rockmusik machen und über 30 sind?
RM: Es gibt ja den Spruch Music see no colors. Also auch Music see no age?
Andreas: Robert Plant hat mal gesagt er habe keine Lust mehr mit gelangweilte alten Säcken den Stones nach zu ahmen. Es gibt da unterschiedliche Sichtweisen.
RM: Sting meinte nach seiner Trennung von The Police, dass er nicht damit enden will in Las Vegas immer noch Roxanne zu singen.
Matthias: Ja und die Fanta4 wurden zum Beispiel gefragt: Wie seit ihr in der Lage noch guten Rap zu machen in dem Alter? Wenn man sich zum Beispiel die neuen, klassisch angehauchten, Sachen von Sting anhört schwingt im Subtext aller mit, dass man ab einem gewissen Alter keine solche Musik mehr machen darf. Aber das ist in Wirklichkeit Quatsch. Musik bleibt Musik und es gibt genügend Rockmusiker wie Ozzy Osbourne, Accept oder Metalica die in fortgeschrittenem Alter harten und bewegenden Sound machen. Durch das Alter wird der nicht schlechter
RM: Zu Accept oder Iron Maiden Konzerten kommen inzwischen auch 3 verschiedene Genrationen an Zuschauern. Aber alt ist fast ein synonym für schlecht innerhalb des Pop/Rock.
Andreas: Was wir möchten ist diese Denkschemata bei den Leuten ändern und ganz bewusst auch darüber eine Diskussion an zu werfen.
RM: Diese altersspezifischen Unterscheidungen und Regeln nützen also nur dem Musikmarkt? Jung, dynamisch, sexy verkauft sich besser?
Matthias: Ja. Es wir sowieso nichts grundsätzlich neues mehr erfunden in der Musik, dass ist irgendwie alles schon mal da gewesen. Das Problem ist, dass heutzutage die Plattenindustrie den Marktgesetzen gehorcht genau wie jede andere Firma. Ich als Musiker strebe eine gewisse Unabhängigkeit von Produzenten und Labels an, eine eigene Selbstvermarktung. Da sich eine Plattenfirma die jungen raus sucht und ihnen gleich ein Vermarktungskonzept aufstülpt ist die einzige Chance als „alter Musiker“ sich unabhängig davon selber zu produzieren.
Andreas: Die Musikindustrie bewegt sich ja in Richtung Selbstvermarktung und eigen Produktion. Man benötigt heute keine Studios mehr das geht inzwischen an einem Laptop. Es geht auch nicht darum zu sagen früher war alles besser. Die Anforderungen heute sind für junge Bands ganz andere als früher aber vieles wo die Jugendlichen heute drauf stehen kommt eben aus den 80 und 90 Jahren.
RM: Es geht also gewissermaßen um die Zerstörung des 68ger Mythos mit dem die Plattenindustrie noch heute ihr Geld verdient?
Matthias: Ja mit diesem Mythos wird Geld verdient aber das nützt sicher nicht den Musikern und angesichts des Wandels in der Altersstruktur in unserer Gesellschaft wollen wir eine Diskussion darüber anstoßen und auch etwas verändern in der Denke der Menschen ob Jung oder Alt. Es würe uns also freuen wenn wir weitere Stimmenund Meinungen zu dem Thema bekommen könnten.
RM: Vielen Dank für das Gespräch. und viel Erfolg mit dem Konzert.
Das Konzert Rock-Zombies - untot und hungrig findet am 31.10.2010 in der Wodan Halle Freiburg statt.
Es spielen:
Superguru
Skydive Naked
Daddy Dirty
Beginn 20.30, Eintritt 8 Euro.
Die Musiker sind nach dem Konzert zu diesem Thema sicher zu einem Gespräch bereit.
(Anm d. Red. Interview wegen des Umfangs des Themas etwas gekürzt wiedergegeben. )




