16.06.2009  BERLIN

Gehört: SOULMADE "Play" EP



SOULMADE

Würmer! Überall Würmer! Ohr-Würmer. Genau das findet sich auf "Play", der Debüt-EP von Soulmade aus Berlin. In Zusammenarbeit mit Rolling Studio und Ben Kühl wurde geschraubt, gerockt und gefuchtelt was das Zeug hält, und am 24. April diesen Jahres schließlich hieß es dann; Release!

Beinahe alle Bandmitglieder haben schon Banderfahrung in anderen Projekten (teils inklusive recording), die aber zu Gunsten von Soulmade aufgegeben wurden, zu vermelden, und auf jeden Fall haben sie schon illustre Einträge im "Referenzen"-PDF auf MySpace. Hört man das "Play" an?

 

Eindeutig; JA. Was man, leider, auch hört, ist der spandauer Hintergrund der Band. Dieser Sound ist unverkennbar und deutlich. Auch zitieren die vier Musiker ganz gern, vielleicht ohne Absicht, und schaffen somit kein wirklich individuelles Klangkonstrukt. Aber langsam und der Reihe nach!

"Play" ist auf Magnetbandkassette getrimmt (zum glück nicht im sound!). Artwork und kleine Passagen zwischen Liedern weisen dieses Feeling auf, was der EP einen gewissen Charme verleiht. Das Artwork ist trotzdem leicht unstimmig, was uns aber nicht davon abhalten soll reinzuhören."The Pros of being alone" und "I condemn you to listen to the next three minutes" wurden bereits einmal auf einem Sampler veröffentlicht, weisen hier aber besseren Sound/Mix auf. Letzteres findet seinen Platz auf der "Anspieltipps"-Liste, neben dem Hidden-Track.

 

Sehr schön ist auch "DamNation", ihres Zeichens Ballade, mit gelungener Atmo und herrlichen Vox. Abstriche macht, dass im Chorus jeweils wieder punkiges Tempo vorgelegt wird. Das passt nur bedingt und nimmt einwenig die Stimmung weg, was schade ist. Von links nach rechts wandernde, geflüsterte, Lyrics reißen dieses Manko wieder raus. Gut gemacht.

Gesamt beurteilt sich "Play" allerdings besser als in Einzelteilen. Eventuell bedingt durch zu un-eigenständigen Sound, der ein latentes Schema-F aufweist. Die männlichen Gesangsparts kommen oft zu gezwungen, kehlig und gewollt, die weiblichen Vox jedoch (ausgeführt von Bassistin Jennifer Schmidt) kennen kaum, bis keine, Minuspunkte. Klar, sicher und warm singt die einzige Frau der Band sich von Song zu Song. Sie kann stimmlich mehr als ihr Kollege.

 

Ein anderes herausstechendes Talent von Soulmade sitzt hintern den Kesseln. Vabian Fincke bedient sein Instrument präzise und kraftvoll. So haben wir das gern. Man lobt den jungen Mann nicht umsonst, das wird hier deutlich klar. Soulmade rockt. Soviel ist sicher. Insgesamt handelt es sich um, guten, Mainstream. Trivia, Ohrwurmpotenzial, leicht verdaulicher Stoff für einen ausgelassenen Partyabend mit Freunden könnte man sagen. Könnte man.

 

Die Lyrics enthalten durchaus nachdenkliches, nur wird das von aller Rockigkeit niedergewalzt. ("DamNation"). Da kann Jenny noch so schön singen und die Atmo wundertollst aufgebaut werden, wenn im Chorus das Tempo drüberackert bleibt davon nicht viel. Leider.

 

Ein anderer Minuspunkt ist der männliche Gesang, wie erwähnt. Zumal sich das "piepsen" verschlimmert sobald männliche und weibliche Vox sich überlagern. Da stimmt einfach was nicht. Bei akustischen Versionen der Lieder (zu hören auf YouTube und MySpace) bleibt diese Störung erstaunlicher Weise aus. Eventuell sollte man also erst ihnen lauschen, und dann "Play" besorgen, bevor man einen falschen Höreindruck bekommt.

Unterm Strich ist das Debüt der vier Jungspunde gelungen. Nicht so eigenständig wie erhofft, dafür aber grundsolide. Soulmade kennen ihr Parkett, und dort wird sie so schnell wohl auch niemand zu Fall bringen.