06.02.2010 San Francisco
Gehört: OVERDUST "You wont be alive forever"
![]() Overdust |
Der Frühling ist auf dem Weg, steckt aber leider irgentwo auf der A1 im Schnee fest. Wen wundert's? Im schönen Kalifornien ist es dieser Tage sicher einfacher, an das Ende des Winters zu glauben. Und das könnte, vor allem rings um San Francisco, nicht allein am Wetter liegen. Ein plausibler Grund zur Sommerfrischlerei könnten auch Overdust sein, die mit „You wont be alive forever“ ihr Debütalbum vorlegen. Max Gardini (Leadvocals, Rhythmusgitarre), MB (Leadgitarre), Brian King (Drums), und Mark Edwards (Bass), präsentieren nicht nur ein sehr ansehnliches und verschmitztes Coverartwork, sondern auch handfesten Rock, der jetzt schon Lust auf Open Air macht. Mit viel Schwung und Dynamik, aber auch Nachdenklichkeit, kommen Overdust schnell zum Punkt, und gehen mit ihren Melodien direkt in die Beine.
Der Opener „You wont be alive forever“, der namengebend für die gesamte Platte steht, flirtet nicht allein mit Hard Rock, er lebt ihn. Die Gitarren schreddern genüsslich, die Drums freuen sich ihres Lebens, und Max singt so voller Energie,das man einfach mit muss. Jedoch, neben dem folgenden Track zwei, „Maybe Tomorrow“, erscheint der gut gelungene Eröffnungsrock eher blass. Zunächst lehnt das Intro an Linkin Park's „Meteora“ Album, um dann so elegant gekonnt nach HIM zu klingen, daß man verwundert auf das CD Cover linst. Aber, es sind und bleiben Overdust. Da führt nix 'dran vorbei, und das ist auch gut so. Denn; Die Jungs haben's drauf. (nicht daß die Kollegen aus Suomi es nicht hätten! Der Gott des Rock'n Roll bewahre mich vor solcher Rede!)
Schon in „Maybe Tomorrow“ fällt auf, wie nah Max stimmlich am 4LYN Frontmann Ron Cazzato ist. Weitere Vergleiche kommen aber eher nicht auf. Dazu sind Overdust zu sehr sie selbst. „Because Love“ ist ebenfalls guter, solider Rock, so wie das meiste, das man auf „You wont be alive forever“ zu hören bekommt. Der eine oder andere, hohe, lang anhaltende Ton klingt leicht schief, das muss man zugeben. Aber auch diese schiefen Töne gehören hier einfach dazu. Was man sich hätte verkneifen können, sind die Soli, die in jedem Song auftreten. Klassische Songstruktur hin oder her, aber diese immer wiederkehrenden Einlagen nerven auf Dauer ein kleines bisschen. (Zumal ihr Sinn aus musikalischer Sicht zweifelhaft ist. Wozu soll es gut sein in jedem Song ein Solo von wenigen Sekunden immer an der selben Stelle ein zu setzen?)
Der Sound von Overdust ist durchaus radiovertäglich, da unaufgeregt und bodenständig. Keine großen Kapriolen, kein verschnörkelter Schnickschnack. Hier bekommt man ehrliche, handgemachte, Rockmusik zu hören.
Ein Tipp ist definitiv „Watch over Me“. Akustische Gitarre, sanfter Gesang, eine gesamt melancholisch-romantische Atmosphäre. Perfekt um in verschneiten Straßen der Liebsten ein Ständchen zu bringen. Auf 02:16 findet sich zudem eine herrliche Synkope, die von den eingesetzten Streichern vorher und nachher erst noch betont wird. Sehr,sehr cool.
Hitverdächtig geht's auch im folgenden Song weiter. „I should have lied“ ist eine kleine Ode an Schweinenasenrock, und feuert blanke Energie. So launig, so beschwingt, macht die CD noch mehr Spaß als bisher. Allein das „Gespräch“ das auf 02:20 eingespielt ist, ist hart an der Grenze zu „Hätte das wirklich sein müssen?“ Ich sage; Nein. Hand in Hand mit den Soli ist dieser Effekt einfach unnütz, und kratzt an der soliden Erscheinung.
Romantisch wird es ein weiteres Mal in „How long“. Ganz, ganz viel Gefühl. Es kommt die Idee auf, damit den Schnee auf der Fensterbank zum schmelzen zu bringen. Das bisschen Kitsch interessiert gerade niemanden, also los: Let's schmacht! (hier stört das Solo nun aber tatsächlich.)
„How long“ möchte den Bombast atmen,und holt kräftig Luft. Erfolgreich.
Zum Ende der Platte hin ein weiterer Tipp. „Mother's Farewell“.
So schön traurig, so schön Overdust.
Leider, leider hinkt das Soundgewandt zum Ende hin, und wirkt all zu chaotisch. Ein Wermutstropfen.
Unter'm Strich:
Overdust legen mit „You wont be alive forever“ ein solides, bodenständiges, sehr gut hörbares, catchy Debüt vor. Von Ballade bis hin zu Hard Rock Gefilden ist alles dabei. Der Sound ist sauber, die Stimmung mitreißend und wunderbar abgestimmt. Songs wie „How long“, „Maybe Tomorrow“, „Mothers Farewell“, oder „I should have lied“ werden dem Hörer noch lange in den Gehörgängen umher laufen. Soviel ist sicher. Die Abstriche gehen klar auf Kosten der Soli, und teils vorhersehbarer Strukturen. Hier und da hapert's noch in Stilfragen und Arrangements (gedoppelte Vocals passen teils nicht so recht über einander). Trotzdem bleibt nur ein mögliches Fazit, denn das Gelingen ist klar in der Überzahl gegen Stilblüten: Well done!
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