08.10.2009  Chemnitz

Gehört: FUTURETRAIL "Breaking New Ground"



Futuretrail

Nach dem 2004er Debüt „Big Sky Horizon“ legen Futuretrail jetzt mit „Breaking New Ground“ ordentlich was nach. Das eine sei gleich zu Anfang gesagt; Ein absoluter Tipp der neuen Scheibe ist das Depeche Mode Cover „Satellite“. Aber dazu später mehr. Los geht's erstmal mit dem stylischen Introtrack „Signals“. Der sät Lust auf mehr, was sich durchaus lohnt beim neuen Baby von Rene Müller, Gunnar Bock und Melanie Güntzschel.

 

Der Titeltrack „Breaking New Ground“ schlägt spitze Töne an, bringt Dynamik und Tanzflächentauglichkeit. Mel's Stimme schmiegt sich dabei seidenweich, und immer von ganz weit weg, in das synthetisch-elektronische Bild. Schnelle, pochende Elemente treffen auf beinahe klassische Klavierharmonie. Und das nicht nur hier! Futuretrail scheinen eine Vorliebe für die Kombination klassischer Instrumente und moderner, entspannter Elektronik zu haben. Auch auf Chöre wird man im späteren Verlauf der 12 Songs starken CD noch stoßen. „Panic“, in Kollaboration mit Dirk Steyer, ist ein kleiner Schreckmoment, nach den ruhigen Tönen seiner Vorgänger, denn der gute Herr Steyer ist im Gegensatz zu Mel nicht sehr zart an den Stimmbändern. Aber auch das ist nur eines von vielen interessanten Elementen und Ideen. Insgesamt ist „Panic“ wohl der düsterste und härteste Track von „Breaking New Ground“.Und das trotz Streichern, die für gute Auflockerungen sorgen. Ein kleiner Abstrich ist die, vorab hochgelobte, Ballade „Players“, die nicht romantisch und nachdenklich, sondern eher schwerstens sediert klingt. Man glaubt der weizenblonden Sängerin ungesehen wenn sie singt „The Silence is mine...“. Nach dem pulsenden „Far Beyond“, folgt einer DER Tipp's des Albums; „Pacific“! Ein Lied weit unter Durchschnittslänge, das man wohl als Vorwort zu „Never Farewell“ verstehen kann. Zunächst hört man nur, sehr fragil und unsicher, ein Kalvier, bald verstärkt durch einen zweiten, dunkleren Gegenpart. Sphärische Stimmen, schließlich ein Chor, sorgen für eine echte Gänsehaut. So geht es auch in „Never Farewell“ weiter. Bald aber schon setzen E-Drums ein, und die Melodie flirtet heftig mit Südseeatmosphäre, um dann in einen Stil zu gleiten, den man schwer einordnen kann. Ein Hingucker! Chöre, lebhafte Melodiebögen, glasklarer Klang. Man weiß nicht recht woran man ist, aber genau das macht den Reiz aus. Eine weitere gute Möglichkeit Futuretrail kennen, und gut möglich auch lieben, zu lernen, ist „Landslide“ (mit Dirk Ivens). Creepy, catchy, geheimnisvoll. Ein düstermärchenhafter Klangteppich, der für den Hörer einen kleinen, und sehr angenehmen, Schockmoment bereithält. Unter dem Strich; Futuretrail sind mit „Breaking New Ground“ nah dran eine Meisterstück ab zu liefern. Sie klingen sicher, klar, warm, verträumt und entrückt. Als liefe man durch die synthetisierte Welt von Alice im Wunderland. Futuretrail nehmen den Hörer mit auf eine Traumreise, in dem sie hoch in den Himmel blicken, wo wetterleuchtende Gewitterwolken den Tackt angeben. Das hagelt Bonuspunkte für die stimmungsvolle Verschönerung eines regnerischen Herbsttages! Das Rad erfinden die drei nicht neu, aber sie zeigen sehr schön was sie können, das sie es können, und das sie Spaß an der Musik haben. Denn das hört man ihnen an.Leider gleiten aber auch sie ab und zu merklich in den Stream-Bereich ab. (das böse M-Wort! Mainstream...) „Breaking New Ground“ ist eine sanfte, tief klingende Scheibe. Besonders lecker für die Ohren ist zweifellos das erwähnte Cover der Altmeister Depeche Mode! So liebevoll wie „Satellite“ interpretiert wurde, und so schlafwandlerisch wie es daher kommt, hat man selten ein Cover erlebt. Dafür zieht der große, weise Rezi den imaginären Hut, und hört noch mal rein. Da können einem dann auch die dunkeln Wolken egal sein.



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