15.01.2010  Western Astoria

Gehört: ASTORIAN STIGMATA "Existential Suicide"


Das Schlusswort, des letzten Songs eines Albums, als Intro für ein Review nutzen zu können, das hat man nicht so oft. Im Falle der Bekanntschaft mit Astorian Stigmata, und ihrem Album „Exestential Suicide“, allerdings, kommt es wunderbar zusammen. „Oh, where have you been..?“

Ja, wo war diese dreiköpfige Band aus Pennsylvania nur so lang, und warum hatte ich sie nicht längst auf dem Schirm? Eine Band die so intelligent, melancholisch, verträumt-konzentriert, und gitarrenverliebt vorgeht, wünscht man sich doch als Rezi von Herzen gern!

 

2009 bereits veröffentlichten die drei Musiker Sean Carey (Bass), Dennis Condusta (Gitarre/Gesang), und Al Martino (Drums) ihr Album „Exestential Suicide“, auf dem sich solche Perlen wie „The Virgin of Verona“ oder „The Seven Hills Over Vandalia“ verstecken. Aber mal der Reihe nach.

Den Auftakt macht „Tragic Magic“, ein Song der ein Ohrwurmpotential verströmt, das schon fast unanständig ist. Die Gitarren, die einen großen Teil der Musik von Astoran Stigmata ausmachen, gehen direkt ins Ohr, und werden dabei von Dennis Condusta's Stimme erstklassig ergänzt. Weite Strecken der „Morgensumdreigrüblerischinderbarsitzenundlyricsschreiben“-Atmosphäre der Band geht auf das kantig, interessante Organ des Gitarristen und Vokalisten zurück. Man fühlt sich beim zuhören, nicht allein in diesem Song, immer ein wenig eingelullt, und doch aufmerksam. Als säße man mit den drei Musikern zusammen, bei diffusem Licht, Zigarettenrauch und weit fliegenden Gedanken. Der erste Tipp der Platte ist auf Tracklistenplatzierung drei zu finden. „Chemical Everything“. Wie in allen Songs von Astorian Stigmata ist auch hier der Text nicht unbedingt leichte Kost. Vielmehr muss man wirklich über das nachdenken was man hört, und tut es sogar gern. Wenn der Inhalt dann auch schwer im Magen liegt, aber man versteht es doch, vollzieht es nach, und erkennt sich eventuell sogar darin. Zimperlich mit der Themenwahl sind die drei Amerikaner jedenfalls nicht. „Chemical Everything“ geht in die Knochen. Gitarrenverliebt, dynamisch, melancholisch. So könnte man es zusammenfassen. Victor Hugo wusste schon; „Melancholie, das ist die Freude an der Traurigkeit.“ Wenn Astorian Stigmata auch eher kritsch sind, denn voller Freude. Gleich nach diesem kleinen Juwel, wenden wir uns „Romanticized Suicide“ zu. Der Beat ist ruhig und einprägsam, die Chöre erinnern an das Debüt von My Uncle The Wolf, speziell deren Machwerk „A Sirens Chorus“. Wunderhübsch gemacht, und es verführt zum „Repeat One“- drücken. Auch um den Text zu hören, der zu den Besten dieses Albums zählt.

Genauso ein „Hinhörer“ ist „Gypsy Love“. Danach aber schon scheint selbst das vergessen, denn „The Virgin Of Verona“ und „The Seven Hills Over Vandalia“ sind an der Reihe. Der erstgenannte punktet flink mit einer einfach nur herrlichen Akustikgitarre. Zwar klingt es hier ein wenig poppiger als bisher, das tut dem typischen Sound der Band aber keinen Abbruch. Im Gegenteil!

Der Song gewinnt langsam an Energie, und bereitet damit auf seinen Nachfolger vor. (Liebe Leser, hört diese beiden Lieder!)

Publikumsgetöse, eine Frau – zweifelnd? Verunsichert? - spricht mit bedachten Worten. Eine Gitarre setzt ein,die einen unweigerlich still werden lässt. Wie man Emotionen ausdrückt, das wissen Astorian Stigmata ganz offensichtlich exzellent. Dieser Song hat Gefühl, hat Tiefe, wie man es allzu oft vermisst. Atemberaubend! Und wieder der Rat, einen Blick auf den MySpace der Band zu werfen, wo sich im Blog sämtliche Texte finden.

Nach diesen beiden Großtaten glaubt man kaum, dass man noch Schmuckstücke wie „Vintage Victorian“ antreffen kann. Aber, da irrt man gewaltig. Auch der „Rest“ von „Existential Suicide“ beweist Können, Intelligenz, und Musikalität.

Es ist ein ruhiges Album. Eine Art von Rockmusik, die keine dröhnenden Verstärker, hoch aufgedrehte Effekte, und Bum-Knall braucht, um unter die Haut zu gehen. Unterm Strich: Ein erstklassiges Rockalbum, das man sich nicht entgehen lassen sollte! Volle Punktzahl!




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