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19.12.2015  BERLIN

Black Stone Cherry - Kentucky



Cover Kentucky

„Es führt kein Weg zurück“ lautet der Titel eines Romans von Thomas Wolfe. Mit „Kentucky“ beweisen Black Stone Cherry jedoch nicht nur das Gegenteil, sondern veröffentlichen auch ihr bislang vielseitigstes, dynamischstes und spannendstes Werk.

 

2005 nahm das Quartett sein selbstbetiteltes Debüt im Barrick Recording Studio in der Nähe ihrer Heimatstadt Edmonton, Kentucky, auf und zog damit internationale Aufmerksamkeit auf sich. Es verkündete die Ankunft einer lebendigen und pulsierenden neuen Kraft im Southern Rock’n’Roll: eine Band, die mit Feuer spielte, mit Schwefel sang und Courage besaß. Welche anderen jungen Musiker hätten schon den Mut gehabt, einen Kultsong wie „Shapes Of Things“ von den Yardbirds gleich auf ihrem ersten Album zu covern?

 

Neun Jahre später fanden sich Black Stone Cherry, die noch immer in ihrer ursprünglichen Besetzung spielen – die Gitarristen Chris Robertson und Ben Wells, Bassist Jon Lawhon und Schlagzeuger John Freed Young – erneut im Barrick Studio ein. Inzwischen ist es ein paar Straßen weitergezogen und etwas moderner geworden, beherbergt jedoch immer noch die alten analogen Mischpulte aus dem legendären EMI Abbey Road Studio in London. Bei Black Stone Cherry hingegen erinnert nichts mehr an die jungen Rock-Newbies. Im Gegenteil: die Band bereiste fünf Kontinente und legte dabei mehr als hunderttausend Meilen zurück. Sie schrieben zahlreiche Songs und legten sich sogar mit der Musikindustrie an. Obwohl inzwischen Hausbesitzer und Familienväter, sind sie immer noch Rocker bis ins Mark und sich der „wirklichen Welt“ außerhalb des Tourbusses bewusst.

 

Damit legten sie den Grundstein für „Kentucky“, die erste Veröffentlichung bei der Mascot Label Group. Sie sind erfahrener, ausgebuffter, fokussierter und bereit, wieder nach Hause zu kommen. Alles, was sie auf dieser Reise gelernt haben, stecken sie in ihre neue, ambitionierte und furchtlose Musik.

 

„Auf „Kentucky“ hatten wir jede Menge Freiheiten, weil wir es wie unser Debüt selbst produzierten. Und die Leute schwärmen noch immer von diesem Album“, sagt Robertson. „Jetzt, zehn Jahre später, sind wir nicht nur weiser und erwachsener geworden, sondern auch bessere Musiker und Songschreiber. Nichtsdestotrotz haben wir ein Stück unserer Jugend in uns bewahrt, dem wir einfach nicht entfliehen können. Es ist das interessanteste Album, das wir bisher aufgenommen haben.“

 

Schlagzeuger Young ergänzt: „Es war einfach perfekt! Wir konnten nicht nur ein Album zuhause aufnehmen und dadurch unsere Familien jeden Tag sehen. Wir konnten auch wieder mit David Barrick zusammenarbeiten und all die einmalige Ausrüstung nutzen, die er besitzt. Du kannst zwar nicht zurück ins Studio kommen und sagen ‚Oh, ich bin wieder 17 und weiß nicht, wie man eine Gitarre stimmt oder den perfekten Drumlick schlägt.‘ Doch du kannst einen Teil dieser Naivität in Dein jetziges Ich einfließen lassen. Wir hatten einen Mordsspaß und hielten uns mit nichts zurück.“

 

Für Zurückhaltung ist die Band auch mitnichten bekannt. Ein jeder, der eine ihrer Liveshows und das Feuer, mit dem sie spielen, gesehen hat, kann das bestätigen.

 

Die Geschichte von Black Stone Cherry beginnt am 04. Juni 2001 in Edmonton, als Robertson und Young, befreundete Musiker seit Teenagerjahren, Zuwachs von Wells und dem aus Florida stammenden Lawhon bekommen. Ermutigt durch Youngs musikalische Verwandte (sein Vater und Onkel sind beide Mitglieder der Kentucky HeadHunters), sammelt die gerade flügge werdende junge Gruppe erste Erfahrungen in einem alten Bungalow aus den 1940er Jahren, der auf einem abgelegenen Grundstück von Youngs Großeltern liegt. Dieser diente bereits den HeadHunters als Proberaum und ist bis heute mit Postern, Konzerttickets und anderen Fanartikeln verziert. „Wir saßen dort herum, rauchten Zigaretten und jammten zu Nirvana, AC/DC, Skynyrd und Pantera. Aber eigentlich versuchten wir, Songs von Led Zeppelin zu lernen.“, lacht Young. „Es war grandios: der nächste Nachbar wohnte mehr als eine Meile entfernt, also konnten wir so viel Krach machen wann und wieviel wir wollten. Es war eine großartige Möglichkeit, zu einer Band zu werden.“

 

Nachdem sie ihr erstes Demo veröffentlicht hatten, eilte ihnen ihr Ruf voraus und sie ergatterten ihren ersten Labeldeal. Dem Debütalbum „Black Stone Cherry“ folgten „Folklore And Superstition“, Between The Devil & The Deep Blue Sea“ sowie „Magic Mountain“, das Rockradiolieblinge wie „Lonely Train“, „Blind Man“, „White Trash Millionaire“ und „Me And Mary Jane“ enthielt.

 

Der muskulöse Stil und die schichte Attitüde der Band kamen auch sehr gut im Ausland an, wo ihre letzten drei Alben die Nummer 1 der britischen Rockcharts erreichten. „Magic Mountain“ debütierte in den Top 5 der britischen Albumcharts und prädestinierte das Land dafür, als Kulisse für den Livemitschnitt „Thank You Livin‘ Live, Birmingham UK, Oct 30th 2014“ zu dienen.

 

„Dabei haben wir erstmals realisiert, das wir wirklich eine Liveband sind.“, erklärt Wells. „Beim Schreibprozess für „Kentucky“ erinnerten wir uns daran und fragten uns: ‚Wie würden wir das und das auf einem Festival spielen? Wie in einem Club? Was erwarten unsere Fans von uns?‘. Wir kehrten in Gedanken dorthin zurück und sagten uns: ‚Ok, lasst uns die Riffs cool und heavy machen. Lasst es uns einfach tun.‘ “

 

„Kentucky“ legt gleich zu Beginn mit dem gehaltvollen Groove von „The Way Of The Future“ los, gefolgt von schwergewichtigen Kollegen wie „Shakin‘ My Cage“, „Rescue Me“, „Hangman“ und dem metallischen „In Our Dreams“, das von Bob Marlette (Alice Cooper, Rob Zombie, Seether, Saliva) co-geschrieben wurde. „In diesem Song wollten wir den Kampf der Menschen beschreiben, die mit Gefahr und Chaos konfrontiert sind und dennoch ihren persönlichen Frieden finden.“, erörtern die Band den Song. Die Interpretation des Edwin Starr Motown Klassikers „War“, das auf eine unheimliche Art sehr zeitgemäß wirkt, enthält eine volle Bläserattacke von Jonas Butler und Ryan Stiles, während „Soul Machine“ beweist, dass die Band weiß, wie man einen tiefen, funkigen Groove spielt. Komplettiert wird er von den Backingvocals von Sandra und Toynnia Dye. „Long Ride“ ist dagegen ein Zeugnis der absoluten Hingabe und Ergebenheit, dessen hymnischer Refrain auf jedem Konzert der Band die Fäuste fliegen lassen wird.

 

„Die Songs auf dem Album sind rein und ungezwungen.“, führt Lawhon aus. „Viele Bands werden in manchen Dingen sehr politisch und denken ‚Wir brauchen diese Art von Song und jene Menge davon für diesen Teil unseres Publikums.‘ und so weiter. Wir jedoch haben nur geschrieben, was uns in den Sinn kam. Erst als wir der Meinung waren, mit dem Album fertig zu sein, haben wir uns um so etwas wie Marketingstrategien Gedanken gemacht. Die Songs stehen bei uns immer an erster Stelle.“

 

Der emotionale Schmelztiegel des Albums ergießt sich im herzzerreißenden „When Your Heart Breaks Down“, den Black Stone Cherry gemeinsam mit dem früheren Shinedwon-Gitarrist Jasin Todd schrieben. Der Song zieht kritisch Bilanz mit den Kosten, die das von der Band gewählte Leben mit sich bringen, doch auch mit den Annehmlichkeiten, den er ihren Angehörigen bietet. „Der Song handelt von Kummer und davon, ein wahrer rebellischer Geist im Herzen zu bleiben.“, führt Young aus. „Als wir im Studio standen, verlor Chris seinen Großvater und der Moment, als der den Song einsang, war sehr emotional. Es ist ein wundervolles Lied.“

 

Black Stone Cherry sind stolz darauf, „Kentucky“ nicht nur in ihrer Heimat aufgenommen zu haben, sondern auch auf die Gastmusiker, die ihren Stücken eine ganz eigene Magie verliehen haben. So sind Chris Carmichael (Streicher), Paul Hatchett (Orgel) sowie Chad Lockhart, Boone Frogget und Andrea Tanaro (alle Gesang) zu hören. „Dieses Album IST Kentucky.“, glüht Robertson stolz. „Jeder, der darauf zu hören ist, kommt aus Kentucky. Es ist in unser aller Blut und sie haben viel dazu beigetragen.“

 

„Kentucky“ wird Black Stone Cherry natürlich wieder aus ihrer Heimat wegschicken, zurück auf die Straßen und auf Bühnen dieser Welt. Mit einer Menge frischer Songs, „die dazu bestimmt sind, live gespielt zu werden.“, merkt Lawhon an. Doch das Wichtigste ist, dass es sich immer noch um dieselben junge Männer handelt, die damals noch Grün hinter den Ohren waren. Bereit, die Welt zu entdecken.

 

„Es ist cool, dass wir immer noch alle zusammen sind.“, freut sich Wells. „Zu allererst sind wir Freunde und wir waren von Anfang an gleichberechtigt. Das hielt uns zusammen. Wir hängen alle mit drin und sind ein Team. Die Band kann nur von uns vier zusammen, nicht nur von einem geführt werden.“

 

Und Robertson schließt mit dem Credo, das ein jeder aus der Band teilt: „Musik ist Leben. Leben ist Musik, Glaube, Familie. Dafür leben wir alle.“

 








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