23.03.2009 BERLIN
Gesehen: Tucker und Chuck Norris Experiment in der Jägerklause
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Die Jägerklause liegt im Friedrichshain, dort, wo er eigentlich schon zu Ende ist und die Bananen im Sommer blühen. Entsprechend des eher unstädtischen Charakters der Umgebung, die sich Wald, tiefer Wald oder auch Urwald nennt, gibt es hier diverse Tiere und Untiere, wie Wölfe, Bären, Hirsche, Urkaninchen, Frösche und den gefürchteten Ostberliner Spreebiber (hat drei scharfe Zähne). Die Kollegen in Grün, die mit ihren Gewehren die Moderne vor der tierischen Invasion verteidigen, kehren regelmäßig in die Jägerklause ein, trinken sich dort einen an und geben ihre Geweihe in Zahlung. Werden diese nicht ausgelöst, landen sie an der Wand. Blaskapellen stoßen hier ins Horn und lassen ein geselliges Halali erklingen. Außerdem spielen Punk- und Rockbands ihre fröhlichen Melodien.
Tucker sind eine Band aus vier Männern und einer Frau, die Rock mit leichten Stoneranleihen spielen, den auch die anwesenden Holzfäller (zu erkennen an der Fichte im Haar) und Langzeit-LKW-Fahrer mit Interesse hören. Die Melodien sind gut, der Rhythmus stimmt, aber der Rock sitzt noch nicht so, wie er sitzen kann. Ich habe den Eindruck, dass die Band den eigenen Klang noch nicht gefunden hat und daran ist nicht allein der Tontechniker schuld. Die Band ist zu laut für den kleinen Raum und was sich auf der Bühne noch einigermaßen anhört, ist es vor der Bühne nicht unbedingt. Die Gitarren wildern viel zu sehr in den Frequenzbereichen der Stimme, die dadurch zu sehr untergeht. Frontmädels aller Welt: Das ist eure Band und da muss sich die Band nun mal unterordnen, anders wird es nix! Dazu kommt, dass die Parts, wo ein Einzelner der Musiker herausragt, selten sind. Schlagzeugbecken kann man übrigens abkleben, um das Schallern zu verhindern und damit die Lautstärke zu verringern und die Bässe zum Tragen kommen zu lassen, die dann für den Druck sorgen, den man eigentlich haben will. Ich will hier eigentlich auch nicht rum meckern, so schlecht war das gar nicht, aber wenn man es nun mal hört, muss man es auch schreiben, solange man es für wichtig erachtet, schließlich ist dieser Blog für Musiker und Musikinteressierte und nicht für die Kumpels aus dem Saunaklub. Es sind weniger die Ideen und die Musik, als vielmehr der Sound und die Hierarchie in der Band, die kritisch sind und wenn das besser wird, ist vieles möglich und die Selbstzufriedenheit der Musiker steigt garantiert ebenso. Und besser sind sowieso die wenigsten, Hauptsache, man versucht es wenigstens, zu leben und besser zu werden, meine ich.
Die Chuck Norris Experiment ist eine lustige Musikantencombo aus Schweden im schwarzen Dress, mit schwarzem Lidstrich, rotem Schlips (beim Sänger draußen und beim Rest der Band im Hemd) und rotem Blitz. Dazu haben sie sich Namen gegeben, die mit gefährlichen Menschen oder anderen Gegenständen assoziiert werden können. Sie gehen ab, wie Schmitz‘ Katze, der eigentlich Schroedinger hieß und einen theoretischen Versuch mit einer Katze veranstaltete, die in einem Kasten vom radioaktivem Strahlungstod bedroht war. Ich schäme mich, Gedanken zu haben, die andere Tiere in ihrer Würde verletzen. Haben wir wieder was zitiert! Na jedenfalls, rocken sie ab, wie man das von 5 durchgeknallten Herren mittleren Alters erwarten kann, sie schwitzen den Alkohol der letzten Nacht aus und haben dabei ein paar ganz tolle Melodien im Gepäck. Der Sänger wirkt herrlich publikumsorientiert und fängt seine eigene Spucke mit dem Mund. Das Publikum schwelgt im schrummeligen Gespiel. Den Schlagzeuger kann man die Nacht über für 100 Euro mieten, die Band gibt es für 150 Euro, aber ich habe doch keine Lust und will lieber noch ein wenig lesen nach der Show. Ist ja auch mal schön, so ein friedlicher Abend.
Gunter
The Jägerklause is a bar at the end of Berlin-Friedrichshain. „Jäger“ means „hunter“ and so you find a lot of forgotten skeletons of hunted and killed animals everywhere in the room. Some old people, looking like they‘ve lived half life in the wood, are drinking beer here and talk about the economic crisis in the forestry. From time to time someone takes his gun and shoots wild around and kills some rats or something. And there are always some Rock- or Punkbands playing.
Tucker is a Rockband with four men and one woman and they have some nice melodies and a rhythms. There sound was not so good this evening, but I hope for a better future, because there are some ideas in their music they should point more out.
The Chuck Norris Experiment from Sweden is a funny band that dresses in black, with a red tie and a red flash of lightning on it. They are looking crazy and dangerous and they give themself names that are strongly connected to curious people and other things. However, they rock like hell and the singer catches his own spit with his mouth. The melodies in the music are really good and the band is tight and everything. For all who would like to get more entertainment, the singer offers the drummer of the band for 100 Euro a night. Thats a good price, but you have to do sex with him and I just need someone to repair my bike. So I thougt to myself at the end of the evening, its better to read a little bit, and I didn‘t paid for him.
www.chucknorrisexperiment.com
www.myspace.com/thetuckerlive
www.myspace.com/jaegerklause




