18.04.2010 BERLIN
Gesehen: Pascow, Nihao, Die Heiligen 3 Könige, Spandau und Frau Mansmann beim Bierschinken Festival
![]() Verschwommenes Bild einer verschwommenen Welt... |
„Ich sag‘ „Hallo“ zu einem Fremden/
Werd‘ ihm meinen Namen nennen/
Ich sitz‘ hier rum mit William Borroughs/
Um mal Farbe zu bekennen/
Mit 4 Akkorden geht hier alles/
Niemand muss auf wen verzichten/
Jetzt kommen die Säufer mit dem Willen/
Und den Aspirin-Geschichten.“
Pascow „Toulousi“
Pascow retten die Welt, aber fangen wir von vorne an.
Bierschinken.net ist ein Webzine für Punk und Hardcore, und sie feiern mit einem dreitägigen Festival, dass es sie schon 10 Jahre gibt. Der zweite Tag fand im Tommy-Weissbecker-Haus statt, was über eine rauchige Kneipe mit Ho-Chi-Minh-Straßenschild, einen mittelgroßen Konzertsaal, ein linksradikales Outfit und selbstgemachten Stuck in Form von Ying/ Yang Symbolen, Totenköpfen und anderen lustigen Dingen an den Außenwänden verfügt. Selbstverwaltet schön gestaltet, Raucherlungen notgedrungen inklusive, Perspektive Leberschaden oder schicke Tanzbeinwaden...
Spandau aus Hamburg stehen in der Tradition von Kettcar und zumindest die Ansage „Wir sind Spandau aus Hamburg“ hört sich gut an.
„Die Heiligen 3 Könige“ kommen aus Berlin und stehen konsequenterweise zu viert auf der Bühne. Da sie eine ganze Weile nicht mehr elektronisch verstärkt aufgetreten sind, sind viele junge Menschen anwesend, um sich an ihre Jugend zu erinnern, was ihnen auch gelingt. Irgendwie hat die Band etwas Berlinpunktypisches, was vor allen am Aussehen der Bandmitglieder liegt: Wo tritt der Sänger denn sonst im weißen Sakko auf und sieht aus wie Rolf Eden, nur 50 Jahre jünger?
Nihao spielen ebenfalls Punk und dazwischen gibt es Ansagen, wo man sich über die eigene Emotionalität lustig macht.
Alle drei Bands reißen nicht wirklich vom Hocker, obwohl sie natürlich ihre Berechtigung haben. Alle drei haben Probleme die 1 zu treffen. Ich will nicht sagen, dass ich oder 95% der Bands besser wären, aber es ist einfach für mich hörbar. Ob man nun die Ansagen lustig findet, bleibt jedem überlassen, ebenso, ob die Songs eine Relevanz haben. Für mich ist es in meiner Situation aber einfach irgendwann nervend, denn ich muss um 6 Uhr aufstehen, bin dann einfach müde und wo eine verpeilte Band noch lustig ist, sind es drei nicht mehr, oder nur für die, die ohnehin etwas mit den Bands verbinden.
Tja und dann kommen Pascow auf die Bühne und schon vor dem Konzertbeginn bricht die Hölle los, als sie ein Lied von Knochenfabrik als Linecheck spielen. Was soll man sagen? Großartige Songs, klare Botschaften, zornige, relevante Texte, 200% Einsatz auf der Bühne, perfektes Timing, bühnenfähige Technik und eine gute Stimme. Die Menge tobt und insbesondere die Songs vom letzten Album sind ein Highlight. Vom ersten bis zum letzten Lied funktioniert das Konzert.
Die Frage ist natürlich, ob Pascow nicht längst zu groß geworden sind. Mit „groß“ ist dabei gemeint, dass sie einfach sehr gute Lieder schreiben und Konzerte spielen, die ihresgleichen suchen. Das wollen natürlich viele Menschen sehen und dann ist es einfach nicht mehr möglich schmerzfrei an zu kleinen oder mittelgroßen Orten zu spielen. Wie geht‘s weiter, meine Herren?
Für die letzte Band bin ich dann zu müde und ich mache mich mit einigen zwiespältigen Gedanken und der Gewissheit, eine große Band gesehen zu haben auf den Heimweg.
Also: Herzlichen Glückwunsch ihr Bierschinkenmacher! Auf die nächsten 10 Jahre!
Gunter
„Nächste Halt gefliester Boden/
Und die Treppe gleich danach/
Zwischenstopp Metallgeländer/
Wie jetzt warten? Und auf was?“
Pascow „Zuviel für Berlin“
www.bierschinken.net
www.pascow.de
www.myspace.com/nihao
www.fraumansmann.de
www.myspace.com/dieheiligen3könige.de
www.spandau-music.de




