22.07.2010 Freiburg
Gesehen: Jochen Distelmeyer beim ZMF 2010
![]() Jochen Distelmeyer |
Seit 2007, nach der Auflösung von Blumfeld, hatte man nicht mehr viel gehört von Herrn Distelmeyer, erst 2009 wurde die Veröffentlichung des ersten Soloalbums "Heavy" bekannt gegeben und im Zuge dieser Veröffentlichung auch die erste Solotour gestartet. Die Auflösung von Blumfeld hatte in dem Umfeld der Hamburger Schule und der deutschen Independent Szene ein regelrechtes Erdbeben ausgelöst und den Schlusspunkt unter eine ganze Ära gesetzt. Kaum eine deutsche Band gewann durch ihre Voreiterrolle in Sachen deutsche Texte solch eine Vorbildfunktion und Einfluss in der Szene wie Blumfeld. Bands wie „Die Sterne“ oder „Tocotronic“ wären nicht denkbar gewesen ohne Blumfeld und Jochen Distelmeyers Texten. So war man natürlich gespannt auf den Solo-Erstling des ausgemachten Bernd Begemann Bewunderer.
Der vorab auf seiner Homepage veröffentlichte Song "Wohin mit dem Hass?" ließ erleichtert aufhorchen den Herr Distelmeyer schien nichts von seiner Eindringlichkeit in seinen Texten verloren zu haben. So dauerte es bis 2010 bis sich Jochen Distelmeyer in den tiefen Süden nach Freiburg auf das ZMF begab. Das leider nur mäßig gefüllte Spiegelzelt bildete zu Anfang vielleicht nicht den gewohnten Rahmen für Distelmeyer und seine Mitmusiker weshalb zu beginn die Band etwas zurückhaltend zu Werke ging. In weißem Jacket und Schwarzem Hemd begann Distelmeyer das Set mit „Wohin mit den Hass?“. Musikalisch jederzeit auf der Höhe brach die Band das Eis recht schnell und die bunt gemischte Zuhörerschaft lauschte gebannt den Worten des Altmeisters.
Bildergalerie
![]() JD |
Wieder sind es die existentiellen menschlichen Themen von Liebe und Glück, Verlust und Trauer, Freude und Wut die Distelmeyer behandelt. Geschickt werden neue und alte Songs durchmischt so das sich ein einheitliches Gesamtbild ergibt. Neues und altes passt sich nahtlos ineinander ein. Insgesamt ist der Sound reifer und runder, nicht mehr so sehr von jugendlicher Ekstase geleitet und trotzdem merkt man dem mit vierziger seine innere Auseinandersetzung mit dem Leben an. Der Punkrock vergangener Tage wird nicht geleugnet sondern scheint kontrolliert in seine Bahnen gelenkt ohne seicht zu weden.
Charismatisch wirkt er auf der Bühne. Da steht jemand der bei allen inneren Zweifeln genau weiß was er macht. Es gibt zwischen den Songs kaum Ansagen, ein Song führt zum nächsten, erst zum Schluss hin scheint sich das ganze zu lockern und die Interaktion mit dem Publikum welches er vorher nicht recht wahrzunehmen schien, nimmt zu. Am Ende scheint auch Distelmeyer überrascht über so viel begeisterten Zuspruch und Zugabe Rufen. Ein hartes Stück Arbeit, bei der Hitze, liegt hinter den Musikern und für die Zuhörer war es nicht bloß eine Nostalgie Veranstaltung. Jochen Distelmeyer geht weiter seinen Weg und lässt sich dabei auch in keine Schubladen zwängen.












