01.10.2010 BERLIN
Gehört: Jingo de Lunch - Land of the Free-ks
![]() Land of the Free-ks |
Die Berliner Punk Institution Jingo de Lunch melden sich nach nun 16 Jahren mit einem neuen Album "Land of the Free-ks" eindrucksvoll in der Szene zurück. Noch so eine Reunion alter Rock-Rentner die sich wieder zusammenfinden um noch mal ein paar Kröten im Live Geschäft zu machen? Nein, weit gefehlt, denn was Jingo de Lunch mit dieser Veröffentlichung präsentieren sprüht nur so vor roher und ungezügelter Power. Also doch eine Frischzellenkur der Band? Offensichtlich scheint jugendliches Alter nicht mehr die Kernvoraussetzung zu sein um aufwühlende oder ergreifende Musik zu machen, denn was Frontfrau Yvonne Ducksworth mit ihren Kollegen hier nach mehr als ein Jahrzehnt Abstinenz von allen Live Bühnen und Aufnahmestudios mit „Land of the Free-ks“ eingespielt haben gehört zum besten, was es überhaupt von Jingo de Lunch zu hören gibt.
Gerne erinnert sich der geneigte Hörer zurück als Jingo de Lunch zeitgleich mit Bands wie den Spermbirds für den nötigen Druck in der Punkszene sorgten. Der ganz große kommerzielle Erfolg war der Band auch nach einem Deal mit einem Major-Label nie vergönnt gewesen, auch wenn Fans und Fanzine sich dereinst mit Lob für die damals sehr neue und eigenständige Crossover-Mischung überschlugen. Die Jingos waren damals zweifelsohne ihrer Zeit weit voraus und das große Geld mit deem Crossover verdienten die Bands die Ihnen nachfolgten.
Das bei „Land of the Free-ks“ eine ganz große Portion Lust und Spiellaune, eine Rolle gespielt haben muss, hört man der Platte absolut an. Also alles genauso wie früher? Nein auch das nicht, denn die neue Gitarre von Gary Schmalzl ist zweifelsohne ein großer Zugewinn für den Gesamtsound der Band. Von knalligen und eingängigen 3-Akkord-Rock-Riffs bis zu abgedrehten Metalsolis bringt Gary Schmalzl einen Qualität mit in die Songs, die insgesamt für mehr Kompaktheit sorgt ohne dem ganzen die Direktheit zu nehmen. Insgesamt klingt das ganze richtig wuchtig, kraftvoll und passt hervorragend zur äußerst einprägsamen Stimme von Yvonne Ducksworth die über all die Jahre aber auch gar nichts an ihrer Ausdruckskraft verloren hat. Für mich immer noch eine bessere Mischung aus Nina Hagen und PJ Harvey. Heute wie damals gilt für Jingo de Lunch entweder man hasst sie oder man liebt sie.
Klassische Pogo Nummern wie Mass/acre wechseln sich ab mit den rockigen Nummern wie „Land of the Free-ks“, „Miss Demeanor“, „Metherfor“ oder „Move“. Immer schön auf die 12, aber diesmal ohne Angst vor hörbaren Songstrukturen und Mitsingrefrains. Mit „Job“ findet sich auch ein echter Blueser auf der Platte und mit dem 1.30 Minuten Song „Land of the Doom“ mischt sich ganz wie der Titel es verspricht ein kurze Ausflug ins Land des Dooms. Sicherlich sogar Hittauglich sind solche Songs wie Room 101 oder auch der Opener „Land of the Free-ks“, in jeder gut bestückten alternative Disco oder Jugendräumen ein Tanzflächenfüller. Etwas abgedrehter geht es zu bei „Spinnless in Gaza“ während man beim letzten Song „Street Creed Heart“ zur Punkigen Geradlinigkeit zurück findet. Die gesamte Platte enthält ausnahmslos sehr Bühnen taugliches Songmaterial welches einen drauf brennen lässt die Band bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit mit diesem Set auch live zu erleben.




