08.04.2008  Freiburg

Preview: Herman van Veen auf dem ZMF 20.7.2008



Herman van Veen

Quand on est dans la merde jusqu'au cou, il ne reste plus qu'à chanter.

Samuel Beckett

(Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, bleibt einem nur noch zu singen.)

 

van Veen, Herman

niederländischer –> Song-Erzähler, geboren am 14. März 1945 in Utrecht. In der Schule zeigt er sich als phantasiebegabtes Kind, das - wie er meint - »an der Welt vor dem Fenster wesentlich mehr Interessantes zu finden weiß als im Unterricht«. Einem Lehrer fällt die musikalische Begabung auf. Er ermöglicht ihm Geigenunterricht und versucht, das Talent zu fördern. 1962 wird er am Utrechter Konservatorium aufgenommen, studiert Musikpädagogik, Geige und Gesang. Nebenbei tritt er als Kabarettist auf und parodiert in seinem Programm ›Musikjoke‹ klassische Literatur. Nach seinem Abschluß 1967 ist die klassische Musik Zielscheibe seiner Satire. Inspiriert von der Commedia dell'arte legt er mit dem Musiktheater ›Harlekijn‹ - einer clownesken Ein-Mann-Show - in seinem sehr persönlichen Stil den Grundstein für seine beeindruckende Karriere.

 

1968 gründet er mit Laurens van Rooyen Harlekijn Holland, eine Organisation mit ›factory‹-Charakter für multimediale Produktionen - ein Zusammenschluß von Künstlern, der kulturelle Programme ausarbeitet und inszeniert sowie Künstlernachwuchs fördert. Der zunehmenden Kommerzialisierung und den Anpassungszwängen der Plattengesellschaften widersteht er mit Bodenständigkeit und einer Portion Eigenwillen. Zugute kommt ihm, daß ihn modische Musiktrends nicht interessieren - vorgeprägte Schablonen lehnt er ab. Lieber legt er ironischpoetisch die Finger auf die Wunden der Zeit. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern verhalten und mit musikalischer und textlicher Überschaubarkeit. Sein Entertainment ohne Zuckerguß-Idylle und seine Alternative zum bunten Musikkarussell kommen an. Seine Lieder, samt seiner Gestik und Mimik, umkreisen die zentralen Probleme des Lebens.

 

1969 erhält er die ›Silberne Harfe‹ der Stiftung Conamus. Mit einem Schlag rückt van Veen ins Rampenlicht. Der Grundstock ist da, die Marschroute geebnet. Preise und  Auszeichnungen häufen sich. Seine ebenso scharfen wie sensiblen Beobachtungen, seine unverwechselbare Harmonie von Worten und Bildern eröffnen auch beim Publikum in Deutschland wache Ohren und Augen. Nach seinem deutschen Fernsehdebüt 1972 bringt er seine erste deutsche Schallplatte heraus: ›Ich hab' ein zärtliches Gefühl‹. Darin heißt es: »Ich hab' ein zärtliches Gefühl für den, der sich zu träumen traut, der, wenn sein Traum die Wahrheit trifft, noch lachen kann - wenn auch zu laut ... «

 

1977 entsteht die TV-Kinderserie ›Die seltsamen Abenteuer des Herman van Veen‹. Im August 1979 debütiert er in dem Kinofilm ›Auseinander‹. Das Titellied ist auch auf seinem zwei Jahre später erscheinenden Album ›Die Anziehungskraft der Erde‹ zu hören, für die er den Schallplattenpreis der ›Deutschen Phono-Akademie‹ erhält.

 

1982 dehnt er sein Aktionsgebiet erneut aus, diesmal in Richtung Amerika. Er tritt im ›Ambassador Theatre‹ auf dem Broadway auf, später im ›Olympia‹ in Paris. Ein neues Artikulationsforum schafft sich der Künstler 1986 mit der Kulturzeitschrift ›Pierrot‹, bei der er als Herausgeber verantwortlich zeichnet. Neben seinen Programmen und Liedern schreibt van Veen zahlreiche Film- und Ballettmusiken, Kinderbücher, Theaterstücke, Drehbücher für Fernsehserien, wie beispielsweise für die 52-teilige Zeichentrickreihe über die Ente Alfred Jodocus Kwak. Er führt Regie und spielt Hauptrollen in mehreren Spielfilmen, darunter ›Kunst- en Vliegwerk‹, der 1989 bei den Berliner Filmfestspielen als bester Jugendfilm mit dem ›Goldenen Bären‹ ausgezeichnet wird.

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