16.07.2012  Freiburg

Nur mal kurz die Welt retten - Tim Bendzko entzückt beim ZMF 2012



Tim Bendzko

Nur mal kurz die Welt retten. Schülerinnen Schwarm Tim Bendzko erobert das Zirkuszelt des ZMF und hinterlässt viele entzückte vorwiegend weibliche Herzen.

 

Pünktlich um 20 Uhr begann Chima als Support sein Set und sorgte bereits vor dem Auftritt von Tim Bendzko für eine gute Stimmung im ausverkauften Rund des Zirkuszeltes des ZMF in Freiburg. Mit seinem Album “Stille“ startet der 39 Jährige Frankfurter seine Karriere durch und hat mit "Morgen" seinen ersten Charthit mit im Gepäck. Leichte eingängige gefällige Popsongs mit deutschen Texten das passt gut als Vorbereitung zu dem was folgen sollte. Nach etwa 30 Minuten ist das Set beendet und nach kurzer Umbaupause erscheint dann endlich unter dem Gekreische der vorwiegend weiblichen Fans endlich Tim Bendzko mit Nerdbrille, in Jeans und mit einer unscheinbaren grau karierten Jacke auf der Bühne. Das Publikum muss nicht erst lange überzeugt werden sondern ist vom ersten Lied an voll mit dabei. Der 27 Jahre junge Sänger und Songschreiber aus Berlin mit der Xavier-Naidoo-Stimme hat nach seinem Sieg beim “Bundesvision Song Contest 2011“ den sofortigen Aufstieg in die erste Liga der deutschen Popinterpreten wie Xavier-Naidoo, Philipp Poisel, Max Prosa oder Clueso geschafft und füllt nun nach nur einem Jahr und einer Support Tour selber die großen Hallen in ganz Deutschland.

 

 

 

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Wie viele Männer sind heute Abend hier? Fragt er nach den ersten Liedern ins Publikum. Vereinzelte Arme recken sich empor. Also wie immer... Der weiblich Anteil wird wohl über 90% liegen und Tim Bendzko scheint das schon zu kennen und sich mit seiner Rolle als Abiturientinnen-Schwarm abgefunden zu haben. Die Lage an den Bierständen auf jeden Fall ist sehr entspannt und Raucher verirren sich in der Pause auch nur sehr wenige vor das Zelt. Mit seiner sechsköpfigen Begleitband werden natürlich die Hits seines Albums "Wenn Worte meine Sprache wären" vorgetragen und vom Publikum sehr textsicher mit gesungen. Insgesamt wird der Berliner Sänger, der früher auch ein talentierter Fußballer gewesen ist von einer Sympathie Welle getragen. Dabei sind es wirklich die Texte die ins Herz treffen, die Musik scheint dabei eher nicht so sehr zu stören und rutscht auch nie in experimentelle Gefilde ab. Vom Sound alles sehr Mainstream und glatt bildet die er gewissermaßen eine Grundlage für Bendzkos Stimme und seine Texte, viel mehr allerdings auch nicht. Bei den Refrains wird die Stimme von einem Backgroundsänger praktisch gedoppelt um mehr Volumen zu erhalten. Einzig interessant der Keyboarder rechts, der auch mal zum Akkordeon greift und etwas Abwechslung im doch sehr Synthiepoporientierten Gesamtsound darstellt. Vieles in den Songs erinnert tatsächlich an Xavier Naidoo, der klare Sound ohne große Explosionen oder Auswüchse aber auch die Eindringlichkeit der Texte die ins Ohr gehen und auch hängen bleiben. Die Bühne auf jeden Fall wirkt etwas wie die Staffage einer TV-Show leistet aber immerhin ordentlich was fürs Auge.

 

"Aber du warst noch nie hier, hast noch nie meine Stimme gehört. Aber du warst noch nie hier, obwohl Dir all die Lieder gehören“. Es sind diese besinnlichen Textpassagen die den Zeitgeist der Jugendlichen treffen ihre Sehnsüchte reflektiert und zum Ausdruck bringt, sie zum Mitsingen bewegen ohne dabei politisch zu werden. Ganz die Rückbesinnung auf die eigene kleine Welt ohne das ganze "böse" da draußen. Ein größerer Anspruch wird da auch nicht erhoben und so hat der ganze Auftritt auch den Charme eines Schülerfestes bei dem die Mädchen vorne stehen und die Eltern etwas weiter hinten auch zuhören.

 

Es geht eben um die Empfindungen von Heranwachsenden und nicht um die Probleme unserer Zeit und wem das zu brav ist soll sich ein Album von Slayer kaufen oder aufs Wacken gehen.Mit "Ich will zu dir" und "Am seidenen Faden" werden noch "Testweise", so wie Tim Bendzko sagt, von der neuen bald erscheinenden Platte auf das Publikum losgelassen. Ihr entscheidet ob die Lieder auf die CD kommen. Na ja ob wir das glauben sollen oder auch nicht Tim Bendzko zeigt sich routiniert bei der Ansprache ans Publikum ohne das es gezwungen oder schematisch wirken würde. Alles ganz locker, ganz natürlich, davon lebt schließlich auch das Image von Tim Bendzko. Fragt sich ob der jugendliche Charme sich jenseits der 30 noch wird erhalten können. So gesehen macht es der noch sehr jugendlich wirkende Chima schon mal vor, dass man mit fast 39 Jahren sich auch noch so geben kann. Nach 5 Zugaben endet die Show und hinterlässt beglückte Mädchenherzen in den lauen Nachthimmel von Freiburg. Für viele eine runde Sache. Schön wars.

 

StSp

 

 

 



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