Regiomusik das Musikportal: Gesehen: Jesus Christ Superstar


07.04.2016  Zürich

Gesehen: Jesus Christ Superstar



Jesus Christ Superstar Foto: Pamela Raith

Passend zu Ostern brachte das Theater 11 Zürich das Rock-Musical „Jesus Christ Superstar“ auf die Bühne. Die Premiere direkt nach Ostern kam bei den Zuschauern sehr gut an. Dennoch schien das Publikum nach dem Ende des Musicals etwas gespalten. Etwa die Hälfte bekundete seine Begeisterung durch Standing Ovations während die andere Publikumhälfte vorerst auf den Sitzen verharrte. Was es trotz der großartigen Leistung der Schauspieler und Musiker damit auf sich hatte, lässt sich erklären. Aber dazu später…

 

„Jesus Christ Superstar“ wurde 1971 in New York aufgeführt und brachte es trotz des Widerstands christlicher Gruppen in der Originalinszenierung auf 720 Aufführungen. Noch vor dem Musical selbst kam 1970 das Konzeptalbum als Schallplatte heraus - die wahrscheinlich bekannteste Version, bei der Deep Purple Sänger „Ian Gillan“ die Rolle von Jesus übernahm und gemeinsam mit Murray Head gesangliche Maßstäbe setze. Die Musik wurde von dem damals noch unbekannten Musikstudenten Andrew Lloyd Webber geschrieben. Die Liedtexte stammen in Anlehnung an die Passionsgeschichte der Bibel von Tim Rice, der auch für zahlreiche Musicals, darunter „König der Löwen“, „Die Schöne und das Biest“ und „Aida“ als Textschreiber gewirkt hat.

 

Bei der Neuinszenierung von „Jesus Christ Superstar“ mit Starbesetzung aus dem Londoner West End übernimmt Glenn Carter zum wiederholten Male die Rolle des Jesus. Er hatte diese Rolle zuvor bereits in zahlreichen Produktionen - vom Broadway bis zur aktuellsten DVD-Aufzeichnung des Musicals - verkörpert. Die Handlung der letzten 7 Tage Jesu beginnt damit, dass Judas, einer von Jesus‘ Jüngern, der von der Bewegung mittlerweile desillusioniert ist, Jesus seine Freundschaft zur Prostituierten Maria Magdalena vorwirft. Als er sich den jüdischen Hohepriestern anvertraut, sorgt Kajaphas - von Steve Fortune mit beeindruckender Bassstimme dargestellt - für Jesus‘ Verurteilung. Beim letzten Abendmahl, bei dem interessanterweise Da Vinci’s Gemälde durch ein Einfrieren der Darsteller im Musical nachgestellt wurde, verkündet Jesus seinen verwunderten Jüngern, dass sein Schickschal besiegelt sei. Der Rest ist biblische Geschichte…

 

 



Jesus Christ Superstar Foto: Pamela Raith

Dass Judas, in der Bibel als Verräter typisiert, eine recht starke Rolle als Erzähler und Kommentator im Musical übernimmt, mag einer der Kritikpunkte von Bibelanhängern am Musical sein. Dabei überzeugt Tim Oxbrow als Judas musikalisch sowie schauspielerisch auf voller Länge. Mit kraftvollen Rock-Titeln wie „Damned for all Times“ oder „Heaven to their Minds“, führt er durch die turbulente Handlung und erinnert dabei stimmlich vielmehr an Ian Gillans Interpretation von Jesus als Glenn Carter dies tut. Carter intoniert die Jesus Rolle hingegen - ganz anders als Gillan - mit einer völlig klaren Kopfstimme. Gepaart mit einer starken Dynamik meistert er die anspruchsvollen Songs ohne Probleme. Nicht nur inhaltlich, sondern auch gesanglich betrachtet gehört „Jesus Christ Superstar“ sicherlich zu den anspruchsvollsten Musicals, da neben einem großen Tonumfang auch eine stimmliche Vielfalt von ganz zart bis extrem rockig gefordert ist. Eine Herausforderung, der beide - Carter und Oxbrow - offensichtlich gewachsen sind. Aber auch Rebekah Lowings brillierte als Maria Magdalena mit balladenhaften Titeln wie „Everything’s Alright“ und „I Don’t Know How to Love Him“. Auch schauspielerisch lieferte die komplette Crew überzeugende Arbeit ab. Sei es bei Tom Gillings Darstellung eines zur Belustigung des Publikums tuntenhaften Königs Herodes, oder völlig im Gegensatz dazu bei der niederschmetternden Kreuzigungsszene. Diese ist kurz vor Ende des Musicals dermaßen überzeugend, dass das Publikum geradezu mitleidet. Es herrscht komplette Stille im Zuschauerraum. Lichteffekte und verhallte Schreie unterstreichen die bedrückende Stimmung. Zu diesem Zeitpunkt kann sich wohl niemand so recht vorstellen, direkt nach dem kurz bevorstehende Musicalende begeistert von den Stühlen zu springen. Eine ganz besondere Herausforderung. Denn während andere Musicals gegen Ende die Stimmung nochmals so richtig auf den Höhepunkt treiben, um beim Publikum eine schöne Abschlussstimmung zu erzeugen, erreicht die Stimmung bei „Jesus Christ Superstar“ kurz vor Ende seinen Tiefpunkt. Trotz anschließender kurzer Darstellung Jesu Auferstehung hallt die heftige Kreuzigungsszene noch lange nach. Kein Wunder also, dass sich das Publikum nur langsam von den Sitzen erhebt, aber der Darbietung einen lang anhaltenden und verdienten Applaus zollt. Pietätvoll verabschiedeten sich die Darsteller von den Gästen und meisterten auch diese Konfliktsituation mit großem Können. „Jesus Christ Superstar“ ist ein kontroverses Werk, das noch heute mit seinem unorthodoxer Umgang mit dem religiösen Thema zu schaffen macht. Und genau das macht das Musical aus.

 

Weitere Infos unter www.jesus-christ-superstar-musical.ch

 

Heiko Trefzger

 

 








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