04.09.2010  Trier

Gesehen: Cantus Buranus in den Kaiserthermen Trier



Cantus Buranus

Die Ruinen der Kaiserthermen in Trier sind sicherlich eine Konzertlocation der besonderen Art. Förmlich eingekeilt zwischen alten, römischen Mauerresten steht hier eine Bühne und hinter den Zuschauern erheben sich die Rundbögen in der ehemaligen Fassade des Kaiserbades. Eine Location wie geschaffen für Corvus Corax und ihr Projekt Cantus Buranus. Die selbsternannten "Könige der Spielleute" haben sich nichts geringeres ausgesucht als die mittelalterliche Handschrift der Carmina Burana, die heutzutage vor allem durch die klassische Vertonung Carl Orffs bekannt ist. Corvus Corax haben die Carmina Burana auf ihre ganz eigene Weise in ein neues mittelalterliches Musikgewand gepackt. Dass sie dabei keine Mühe scheuten bewies am vergangenen Donnerstag schon ein erster Blick auf die Bühne. Schier vollgestopft mit allerlei Schlagwerk, von großen Pauken bis winzigen Schellen stand die Bühne da. Davor waren die für Corvux Corax obligatorischen Dudelsäcke und Schalmeien aufgebaut. Dass sich Corvus Corax auch noch Verstärkung durch zahlreiche Orchestermusiker und einen ganzen Chor mitgebracht hatten wollte man fast nicht glauben. Ein Großteil dieser Musiker verschwand dann auch für das Publikum kaum zu sehen im hinteren Teil der Bühne. Für dieses Projekt war die eigentlich ganz stattliche Bühne in den Kaiserthermen dann doch ein wenig klein.

Der Präsenz der Musiker schadete dies zum Glück nicht. Gleich mit dem Opener zeigte sich, dass hier große Töne angeschlagen werden sollten. So eröffneten Corvus Corax den Abend mit allem was Pauken und Trommeln hergaben, um so gleich im zweiten Stück zu den Dudelsäcken zu greifen. Das Publikum, dass tatsächlich wie es die Konzertankündigungen prophezeiten eine Bandbreite verfügte die ihres Gleichen sucht. Vom ausgewiesenen Metal-Fan in schwarzem Mantel mit entsprechendem Band-Shirt, über stilecht gewandete Mittelalterfans bis hin zum etwas älteren Gast, den man vielleicht eher in der trierer Oper vermutet hätte kam an diesem Abend alles zusammen. Etwas ungewohnt für das Stammpublikum von Corvus Corax war vielleicht, dass der Zuschauerraum in den Kaiserthermen bestuhlt war. Für das Konzert, dass insgesamt doch recht nah an eine Operninszenierung rankommt war dies sicherlich vorteilhaft und wer lieber stehen wollte fand auch am Rand der Stuhlreihen oder etwas weiter hinten gute Plätze. Um das Publikum zu begeistern brauchte Corvus Corax kaum die ersten Songs. Beim ersten Höhepunkt des Abends, dem Song Fortuna, gleichzeitig auch der erste Auftritt der Opernsängerin Ingeborg Schöpf, war das Publikum ganz gefangen.

 

 

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Cantus Buranus

Musikalisch kann man Cantus Buranus kaum anders als bombastisch nennen. Chor, Sopranistin, die übergroßen Trommeln und vier Dudelsäcke gleichzeitig, da leuchtet eigentlich sofort ein, dass hier aus dem Vollen geschöpft wurde. Insofern sind Corvus Corax dann doch der Tradition Carl Orffs treu geblieben, dessen Carmina Burana ja auch zu den eher üppigen Werken der Klassik gehört. Das mag bei all der Stimmung und dem atemlosen Stauen ob der Klanggewalt auch ein kleiner Kritikpunkt sein. Ruhige oder gar leise Momente sind bei Cantus Buranus rar gesät. Und in gewisser Hinsicht ist es auch schade, dass viele der Instrumente die sich auf der trierer Bühne versteckten auch akustisch wenig zur Geltung kamen. Sie trugen zwar ihren Teil zum Gesamtklang bei, aber bei Flöten, Harfen und Geigen hätte man sich die ein oder andere Passage wünschen können in denen diese voll zu Geltung kommen. Auf den beiden bislang zum Projekt Cantus Buranus erschienenen CDs nehmen diese Instrumente jedenfalls mehr Raum ein. Live stehen die mittelalterlichen Instrumente von Corvus Corax klar im Mittelpunkt. Teilweise wurden diese, wie zum Beispiel die überdimensionierte Drehleier speziell für Cantus Buranus entwickelt.

Auch die Inszenierung passt zur musikalischen Gewalt von Cantus Buranus. Das Konzert wird durch von einer sonoren Männerstimme vorgetragenen Monologen in vier Akte unterteilt zu denen sich die Musiker in unterschiedlich farbigen Kostümen kleiden. Als Corvus Corax in purpurnen Roben, die stark an mittelalterlichen Klerus erinnern, mit Feuerschalen auf die Bühne schreiten ist Cantus Buranus wieder ganz nah dran an der Oper. Es werden Fahnen geschwenkt und der Göttin Fortuna ehrfürchtig Luft zugefächelt. Es fehlt nur der rote Faden der sich programmatisch durch den Abend zieht. Dem Publikum war es egal, die fremden Klänge der mittelalterlichen Instrumente und die meist lateinischen Texte verzaubern auch ohne dass man versteht wovon die Lieder gerade handeln.

Am Ende hält es kaum noch einen Zuschauer auf den Sitzen und Cantus Buranus geht mit stehenden Ovationen in zwei Zugaben, die zu den rockigsten Stücken des Abends gehören.

 

 








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