31/03 2007

Gesehen:"Queen-omania“ in Zürich 28.03.2007

Seit den 70er Jahren ist „Queen“ die populärste Britische Rockband. Das Musikvideo ihres Klassikers „Bohemian Rhapsody“ gilt als erstes Musikvideo und mit ebensolchen Hits und Hymnen wie „We are the Champions“ oder „We will rock you“ haben die vier Musiker Maßstäbe gesetzt und zweifelsfrei Musikgeschichte geschrieben. „Queen“ legte bis zum heutigen Tag eine bespiellose Erfolgsgeschichte mit zahlreichen Rekorden im Musikbusiness vor. Darüber hinaus gelang es keiner anderen Formation, in so hohem Maße verschiedenste musikalische Stilrichtungen wie Rock, Pop, Jazz, Klassik, Hardrock, ja sogar Rap und Disco-Elemente in Gesamtkunstwerken zu vereinen, die sich in ihren Konzeptalben widerspiegeln. Die Band, in der es auch innerhalb von vielen Jahre nie zu Brüchen kam, und auch einzelne Musiker von „Queen“ präsentierten sich in Stadien und zahlreichen Live-Bühnen dieser Erde und vereinigten dabei Musiker aus verschiedensten Bereichen und mit vielfältigsten Stilrichtungen, um den eigenen Sound mit großem Erfolg zu zelebrieren. Nur im Musicalbereich hatte die „Queen-omnaia“ noch nicht eingeschlagen – bis zum Jahre 2002 als die Band gemeinsam mit Ben Elton ihr eigenes Musical „We will rock you“ in London vorstellte.

 

Irgendwo zwischen „Mad Max“ und „Starwars“ – die Musical-Story

 

Seit einigen Monaten kann man das Musical in der deutschen Variante auch täglich (außer Montags) im „Theater 11“ in Zürich erleben. Und was dort geboten wird, haut einen schier um. Obgleich der Anfang etwas ernüchternd erscheint und mehr an eine nicht ganz ernst gemeinte Mischung aus „Starwars“ und „Mad Max“ als ein Musical erinnert, weckt er Spannung, Vorfreude und Interesse – in meinem Fall jedoch auch vermeintlich pure Enttäuschung! Es kann doch nicht sein, dass der unverkennbare „Queen“-Sound 1:1 von der Digitalscheibe kommt während der Gesang zwar nur vom Feinsten ist, jedoch von einer Band auf der Bühne nichts zu sehen. Der vermeintliche Karaoke-Gedanke wurde aber zunehmend wage als die Schauspieler reine Arien aus den „Queen“-Klassikern zauberten und dabei auch in Sachen Timing und Punktgenauigkeit im Zusammenspiel mit der Musik allerhöchste Professionalität zum Vorschein brachten. Und doch klang der Sound, wie wenn die großen Vier höchstpersönlich auf der Bühne stünden – irgendetwas konnte hier nicht stimmen. Mehr dazu später…

Vorab zur etwas eigentümlichen aber äußerst spannenden Story. Selbstverständlich stehen auch Anspielungen auf aktuelle Themen aus Politik und Medien auf der Tagesordnung, die dem Ganzen sehr viel geistreichen Witz und Humor verleihen.

 

Zukunftsszenario: Globalisierung in höchstem Maße, die Erde gleicht einem Trümmerhaufen, die globale Erwärmung brachte Gletscher zum Schmelzen und auch der Züricher See hat seine einstigen Ufer längst übertreten. Kleiderordnungen und Gedankenkontrolle reagieren eine „Ga-Ga“-Welt. Gute, alte, handgemachte Rockmusik wurde längst abgeschafft und die Instrumente, um diese zu erzeugen, auf den Planeten „e.bay“ verbannt. Melodien kommen nur noch als elektronische Daten aus der Blechdose und alle Hits sind für Jahre im Voraus definiert. Mitten in dieser gefühllosen Welt befinden sich Scaramouche und Galileo. Doch die beiden sind anders. Die aufreißerische Scaramouche lehnt sich gegen jeden und alles auf, was die neue Welt vorgibt, und der junge Schüler Galileo wird von für ihn unverständlichen Visionen geplagt, die einfach nicht aus seinem Kopf wollen. Dies sind nicht nur Bruchteile der Lyrics vom guten alten „Bohemian“, sondern – wie könnte es in der Schweiz auch anders sein – Wortfetzen wie „D.J. Bobo“ und „s’Babettli mit'em Chuchi-Taburettli“. Als sich die beiden zum ersten Mal begegnen, wissen sie sofort, dass sie etwas gemeinsam haben und sich in den grundlegendsten Dingen von der durch die gnadenlose Killer Queen regierten Welt abheben. Es gibt auch noch weiteren Widerstand – die Bohemians, eine Truppe von Rebellen, die auf der Suche nach der Vergangenheit, nach echter Rockmusik und nach der letzten noch existierenden E-Gitarre sind. Ist Galileo vielleicht der Mann, der sie zu ihrem lang ersehnten Ziel führen kann?

 

Live und handgemacht – im Sinne der Verfasser

 

Wie Schuppen fällt es dann auch den Zuschauern von den Augen: Von wegen Karaoke, von wegen Musik von der CD. Raffiniert hat Ben Elton die Band mit in das Geschehen integriert, versteckt sie aber bis fast zum Schluss im oberen Bühnenbereich, um später einen Überraschungseffekt vom Feinsten in Szene zu setzen. Umso mehr kann sich der Zuschauer darauf freuen bei den letzten paar Stücken noch eine weitere Steigerung zu erleben, wo man eigentlich keine mehr für möglich gehalten hätte. Die Leinwand fällt und ab sofort ist die die im Stück vorerst „verbannten“ Band live zu sehen.

„We will rock you“ ist Rock pur und in Szene gesetzt von ausnahmslos grandiosen Darstellern und Musikern. Das Werk bietet mit insgesamt mehr als 20 „Queen“-Hits, wie z.B. „Ogre Battle“, „Somebody To Love“ und „Who Wants To Live Forever“ einen repräsentativen Streifzug durch nahezu alle Alben der Band. Der Sound ist Handarbeit pur, von einer achtköpfigen Band bis auf den letzten Ton live gespielt und damit auch absolut im Sinne der Meister. So hat Queen bis einschließlich zum siebten Studioalbum großen Wert darauf gelegt, den Einsatz von elektronischen Klangerzeugern in Form von Synthesizern außen vor zu lassen. Dies wurde auch stets in den Booklets erwähnt. Der tatsächlich handgemachte Sound, sowie im Studio als auch auf der Bühne, stand für die Band – zumindest in ihren Anfängen – kompromisslos im Vordergrund. Genau diese grundlegende Einstellung spielt auch bei der Musical-Story von „We will rock you“ eine große Rolle.

 

Zurich – Hauptstadt der Champions

 

Damit die Message auch ankommt wurden für diese bisher umfangreichste Musicalproduktion in der Schweiz 6 Millionen Schweizer Franken investiert. 1,2 Tonnen Lautsprecherboxen pro Seite, 19 Kilometer Kabel, ein Mega-Screen mit einer Größe von 2,40 x 10 Metern, 50 Moving Lights, 50 Spezial Effektlampen und mehr als 200 konventionelle Lampen sorgen dafür, dass das Musical für jeden der insgesamt 1500 Zuschauer im „Theater 11“ in Zürich zu einem einzigartigen Erlebnis wird.

Auch die beeindruckenden Kulissen, der bewegliche „Killer Queen-Thron“, eine Harley und natürlich die brillanten Musiker und Darsteller, die im Mittelpunkt des Ganzen stehen, sorgen dafür, dass der Musical-Besuch sicherlich lange Zeit unvergessen bleibt. Die Devise „Keep yourself alive“ gilt für „Queen“ auch weiterhin.

 

Das Queen-Musical „We will rock you“ im Musicaltheater „Theater 11“ in Zürich wurde aufgrund der enormen Nachfrage bis zum 15. Juli verlängert. Vorstellungen finden täglich (außer Montags) statt, am Wochenende jeweils zwei Mal.

Tickets ab 38 CHF (zzgl. Gebühren) sind erhältlich unter den Ticket-Hotlines in der Schweiz unter 0900 800 800 (CHF 1,19 / min), in Österreich unter 01 205 15 65 (EUR 0,27 / min) und in Deutschland unter der CTS-Tickethotline 01805 570 000 (EUR 0,12 / min); im Internet unter www.ticketcorner.ch sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

 

Weitere Infos unter www.wewillrockyou.ch

 

HEIKO TREFZGER