04/10 2006

Gesehen:"XTRAS" Benefizkonzert von Multicore Jazzhaus, 02.10.2006


Pünktlich um 20.30 betraten CLAIR OBSCUR die Bühne des Jazzhaus. Diese neue Freiburger Formation hat es sich auf die Fahnen geschrieben der elektronischen Musik in Freiburg etwas mehr Gehör zu verschaffen, um der stark vertretenen Rockmusik etwas Gefühl und Groove entgegen zu setzen.

Die Songs von CLAIR OBSCUR sind in bester TripHop Manier gehalten und passen mit Sicherheit in jeden guten Club. Morcheba und Tricky sind hier die kaum überhörbaren Vorbilder, allerdings betreten CLAIR OBSCURE auch ihre ganz eigenen Wege in der Vermischung von Samples, Sounds und Live-Instrumenten.

In der klassischen Besetzung Gitarre, Schlagzeug, Bass, Gesang lieferte die Band einen unaufgeregten angenehmen Auftritt ab. Leichte, fast wellenartige TipHop Beats ("Baltic, Back No More") mit einem sphärischen Klangteppich unterlegt, der von der Gitarre mit Schaumkronen versetzt die sehr angenehme Stimme von Sängerin Ruth umspielt und diese sanft in unendlich scheinende Weiten geleitet.

Reduzierung auf das Wesentliche und immer in sanfter Schwingung brachte CLAIR OBSCUR spätestens nach dem Lied "Fly High" die Leute zum mitwippen. Allerdings muss man sagen wäre ein Auftritt zu etwas späterer Stunde für die Band von Vorteil gewesen, da der Sound zum träumen verleitet und zum anheizen etwas ungeeignet scheint. Trotz der erst jetzt spärlich eintreffenden Gäste kann man gespannt sein wohin die Klangerlebnisse dieser Band sie noch führen wird. Die Grundlagen für eine sehr eigenständige Mischung von Live und Elektronik sind gelegt.

Schön auch die eingespielte Sitar von Niels Kaiser und das Sax von Nico Hutter. Geheimtipp für alle Freunde elektronischer Beats.

 

 

Völlig anders ging es dann mit der Band FLAPJACK weiter. Die Fünformation aus Staufen besticht durch direkten Rock n` Roll ohne viel Schnörkel. Zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass, Gesang und los geht` s...

Schon 2005 konnten FLAPJACK den renommierten von der Badenova alljährlich ausgerichteten "Music-Star(t)-Contest" für sich entscheiden. Leider in Freiburg noch nicht so oft in Erscheinung getreten kamen FLAPJACK mit ihrer energiegeladenen Bühnenshow auf die Bühne des Jazzhaus. Knallige Riffs, direkter englisch gehaltener Gesang und Rockgitarrensolos sind die Mixtur, mit der FLAPJACK jede Meute Live auf Ihre Seite ziehen. Keine Experimente sondern „keep rocking and fuck the rest.“ Diese Art Sound funktioniert in jeder Location, jedem Keller und in jedem Bierzelt. Hauptsache die Stimmung ist heiß. Mit Stimmungsbaladen halten sich FLAPJACK nicht allzu lange auf. Es knüppelt und es geht nach vorne.

Das Setting der Band ist stimmig und alles scheint sich dem Live Konzept unterzuordnen. Schade, dass das Jazzhaus bis dahin nach wie vor nur mäßig gefüllt war.

Wer Spaß hat an purem Rock hat an diesem Abend was verpasst.

 

 

Als Headliner des Abends betraten dann die SPACEPIGS aus Colmar die Bühne. Die Französische Frauencombo erfreut nun schon seit vielen Jahren mit ihrem "Wild Primitive Garage Rock n` Roll" die Rockerherzen jenseits der Grenze. Umso erfreulicher, das sich mal eine französische Band über den Rhein nach Freiburg traute, was viel zu selten der Fall ist. Seltsam ist es schon, dass man im Dreiländereck aus der Schweiz mehr mitbekommt als wie aus Frankreich, zumal sich die alternative französische Musikszene weiß Gott nicht vor der Deutschen zu verstecken braucht (siehe Laiterie).

Die SPACEPIGS ganz in Lack und Leder und Miniröcke gekleidet (auch der Mann hinterm Schlagzeug) kamen zu dritt um das Jazzhaus zu rocken. Die Damen singen Englisch und lassen keinen Stilverwirrungen zu. Die Lieder in bester Garragerockmanier rotzig frech und immer auf die 12. Starkes Set der Froschschenkelesser. Allez les bleus.

 

Stephan