![]() Nick Bärtsch |
4 statt 5, in reduzierter Besetzung spielte das Quartett um Nick Bärtsch am Samstag im Freiburger E-Werk. „Ronin“ -das ist der verachtete Bruder des Samurai,diese „dunkle Hälfte“zeigte sich glänzend. Bärtsch am Flügel eröffnet mit sphärischen Klängen aus dessen Inneren ,vorsichtig kristallisiert sich der erste groove,die erste tragende Rhythmusschleife.Konzentriert um eine minimalistische Figur ,mit Vorliebe in den höheren Lagen der Klaviatur,in kreiselnder Brillanz
bildet sich ein kompaktes und komplexes Klangbild.Heiss und meditativ in einem. Heiss dank den „schwarzen“ Bassfiguren, meditativ durch eine weitatmende Ausführung. Die sensiblen, blitzschnellen
Interaktionen zwischen den Vieren ermöglichen feinste Verschiebungen und vertrackteste rhythmische Schichtungen – der groove ist immer in Mutation,ohne an Spannung zu verlieren.
Die dafür nötige gegenseitige Gestimmtheit der Musiker ergibt zwischen piano und drums z.B. auch aus der gemeinsam Spielerfahrung,die beiden kennen sich nun seit 25 Jahren,die schlafwandlerische Sicherheit des gemeinsamen Spiels basiert auf nachhaltiger Emphatie.
Plötzlich,mitten im dichten,hochgespannten Spiel – der Schnitt – cut -gleich der Ohrfeige des Zenmeisters,die dem all zu gelehrigen Schüler die Evidenz der Welt „schlagartig“ klarmacht,schlägt das Spiel präzise um, in losgelöstes Schweben.Ronin spielt und denkt in Modulen,gleich einer gross angelegten Suite ergibt jedes set,jeder abend eine neue Konfiguration,eine neue Gestalt. Im Binnenraum der Module bestimmt die Komposition das Spiel,wobei Melodie und Stimmung dem Rhythmus untergeordnet sind.Durchsetzt mit Improvisationen und polyrhythmischen Strukturen kann das sehr intensiv werden,streng und kochend,mit hypnotischer Sogwirkung,in kreiselnde Ekstase,bis zum nächsten Ruf Bärtschs´vom Flügel her,bis zur nächsten unvermittelten Wendung.
Sha an Saxophonen und Bassklarinette faucht und saust,brüllt ,wispert,säuselt und schwirrt, streut mal freigelassen bunte Akzente.Björn Meyer am Bass gibt den tänzelnden Fels im Gewoge des
groove,Kaspar Rast an den drums erhitzt und verflüssigt das,immer vorne,in subtilsen interplay mit Bärtsch an den Tasten, in vornehmer Zurückhaltung und breitem Grinsen sobald die Finger
am warmen Rhodes sind.Keine individualistischen Eskapaden stören den Fluss. Der Tanz wird im Kopf getanzt,sitzend,versunken in der Hitze der Musik.
Sascha Attia




