17.07.2010 Freiburg
Gesehen: Rebekka Bakken live beim ZMF 2010
![]() Rebekka Bakken |
Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn zog sich die Schlange bis zur Mitte des Platzes , hier wollten viele dabei sein , keinen Moment verpassen . Bei gefühlten 45 grad und 100 % Luftfeuchtigkeit mutierte das Spiegelzelt zur Konzertsauna . Dann kam sie und und schnell hatte sie die Ohren und Herzen gebannt . Es scheint müßig eine Musik von solcher Schönheit irgendwie kategorisieren zu wollen , Blues-Jazz- Folk , Poetrypop …
Es ging um die Liebe , jedes zweite Stück und dazwischen auch. Aus den kleinen Beobachtungen des Alltags kam die Kraft , charakteristisch dafür : wie Bakken aus der Reflektion über die ganz profanen Probleme im Schminkraum einen Blues von existentieller Wucht formte , der tief in die Gefühle ging , sich zu tollen Klangwänden hob und die ganz blaue Verzweiflung aus der Puderdose steigen ließ . Ihre Jungs legten ihr den perfekten Teppich und sie flog damit - straight into the hearts . Von ganz einfachen popsong über Rockgitarrensoli und Salsapiano zur kollektiven Jazzimprovisation hatten die Musiker alles drauf . Dominierend jedoch die Ballade , der träumerische pop mit dem Bakken mit großer Wärme die ohnehin tropische Atmosphäre zum Schmelzen brachte - überall dieses leicht nach innen gekehrte Lächeln auf den Gesichtern, diese süß melancholischen Blicke . In der klaren hellen Stimme die sie auch hat , die Ahnung an die junge J.Baez , die trockene Wärme von T. Chapmans Gitarre , das ist auch Folk , gest eigert durch diese facettenreiche , über drei Oktaven sich spannende Stimme , die frei von Zucker und sonstigen Geschmacksverstärkern die emotionale Essenz aus all dieser gelebten Liebe zieht - das ist ehrlich , glaubwürdig , echt - dieser direkte Zugang spiegelt sich in den Geschichten die sie erzählt , oder nicht , wie z.B. was war mit 13 !
Das ist ein großer Teil ihres Zaubers .Süßlich war es mitnichten , zu viel Kraft liegt in der Musik und auch herb und aggressiv , wütend und enttäuscht zeigt sie sich . Feine Einblicke ins Miteinander , umeinander der Geschlechter : da ruft der Typ nicht an , am vierten Tag ists dann vorbei und was eben noch verheißungsvoll glitzerte ist fad - warum .? Eine Art Appell auch in dieser Musik : zu seinen Gefühlen zu stehen . Freiheit zu leben !! Sie macht das derweil stellvertretend für uns : „ What you wanna do is what you wanna do !! “ mit Rebekkas Worten .
Das findet den Höhepunkt als der Gesang sich ganz von der Sprache befreit hat und immer weiter , in sich steigernden Kreisbewegungen in eine wahre Hymne an Intensität dreht -
wortlos , ekstatisch, hingegeben , selbstverloren , phantastisch , über sich selbst hinaus .,. die hohe Bögen schlägt wieder und wieder , gleich einem Muezzin vielleicht - wow ! Nach einem kleinen Exkurs ins Volkstümliche , setzte Bakken am Schluß als Zugabe noch ein umwerfendes „ time after time “ obendrauf - als wollte sie auch noch die letzte anwesende Psyche in einen musikalischen Liebesrausch katapultieren !!
Was noch zu bemerken wäre : sie ist wirklich so schön wie auf all den Bildern , schöner noch . Oh Rebekka we love you .





