08.06.2010 Freiburg
Gesehen: Paulina Fain und Exequiel Mantega beim Jazzkongress
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Gesehen: Paulina Fain und Exequiel Mantega beim Jazzkongreß
Tango war angesagt, der abend in entsprechender Wärme, das letzte Konzert in der Reihe des „Jazzkongreß“ zeigte sich als Grenzgänger des Jazz, eine neue andere Facette des Begriffs der diesmal in argentinischen Farben schillerte. Flöte und Klavier, das Duo Fain Mantega zelibrierte eine hochkultivierte Kunst des Tango die sich eher aus Klassik und Volksmusik entwickelte. Man spielte nach Noten. Jedes der Stücke war durchgestaltet, arrangiert, da drängte keine Improvisationswut ins Wilde - auch wenn es diese Klänge gab, es blieb stets kultiviert - mehr Kammermusik als Jazzband. Polyphon eng umschlungen wirbeln Tasten und Flöte ins erste Stück, mühelos füllt der Ton der Flöte den Saal, wer hier entsprechend dem Klischee der Flöte Braves erwartete sah sich angenehm überrascht, Paulina Fain spielt ein eine feurige wilde Flöte. Sie erzählte die Geschichte einer sich emanzipierenden Puppe deren Sehnsucht sie über einem mechanistisch rasenden Uhrwerk des Piano entfaltet : Tango Tanzen in Buenos Aires !! Das Fauchen und pressen, das ganz zarte Atmen und den fast gerissenen Ton des Bandoneons - all das „ kann “ die Flöte auch, sie wandelte sich bis zu Percussioninstrument an diesem abend - crazy tango inventions ! - Rock `n Roll Tango !!
Die beiden waren ein geschmeidiges Team die fein und präzise große dynamische Bögen zeichneten und auch mal die Rollen wechselten: die Flöte weitatmend in tiefem alt die Melodie trägt, während der Pianist die hohen Register flirren läßt und sie lieben den rasenden Schluß : unisono fallen sie in einem schnellen Lauf zu einem knappen trockenen Schlußpunkt - zack – vorbei, befreites Lachen. Es gab auch brasilianischen „Reggae“ zu hören, die erklärte Liebe zur Musik des Nachbarlandes geht zusammen mit angstfreier Neugierde und dem Verschmelzen mit eigenen Traditionen, die neue Generation argentinischer Musiker mischt alle Einflüße kreolisiert die eigene Musik und läßt neue Spielarten zu, öffnet sich, bereichert sich und bietet dem Hörer ein Außergewöhnliches – Neues.
Dieses Erfinden setzte sich fort in einem Chick Corea – Astor Piazolla Mix, den beiden Lieblingskomponisten des Pianisten, stolze spanische Heiterkeit und argentinische Dramatik umtanzen einander. Nach dieser Aufruhr gab Ezequiel Mantega ein Stück Piano solo das elegisch die weiche melancholische Seite zeigte - was für ein toller Anschlag, ganz weich und fein – fast zärtlich !“ A romantic moment “ , mit den Worten Mantegas. Dann gings nach Buenos Aires - downtown !! - laut, hektisch, durcheinander und Paulina Fain demonstriert diesmal auf der Klarinette die Vielfalt an Stimmen und Timbres die in dem Blasinstrument stecken - ein trockener, warmer Ton mit dem sie sich aus einer weiten Ruhe kommend in das Chaos der Großstadt stürzt...jagt herb und atemlos durch den Verkehr immer wieder gehen die beiden in gemeinsame dynamische Verläufe - in perfektem Miteinander als wärs einer / eine die da spielt - und biegen so jäh in einen Innenhof voll schwer duftender Blumen - raus aus dem Großstadtdschungel, holen Atem in langsam süßen Melodien, lassen den Puls sich beruhigen …..der Pianist gebeugt über den Tasten, die Flötisten tänzelnd im sichtbar gewordenem Fluß der Musik, bereiten sich die Töne der Flöte im ganzen Körper der Musikantin vor - eine Augenweide ! Zum Schluß gabs noch Papas ( Paulinas ) Lieblingsmilonga das schmeckte nach Tanz ! - und eine charmante Forderung Paulina Fains: more Johannes Mössinger around the world …....da haben wirs gut, wir haben ihn hier und den Jazzkongreß!! der uns mit einem tollen Reichtum an Musik internationalen Formats beschenkte - und zum Schluß mit Tango infizierte !! Otra mas !!!
sascha




