27.04.2010  Freiburg

Gesehen: Nabatov live im Schützen



Nabatov

Beim Jazzkongress spielte Simon Nabotov im Schützen

Holzgetäfelte Intimität, das Publikum überwiegend fortgeschrittenes Mittelalter, ein 4m Konzertflügel , knapp 50 Leute in Erwartung der Königsdisziplin Piano-Solo -Simon Nabatov.

 

Nabatovs internationale Biografie nimmt die Weltweite der kommenden Musik voraus , geboren in Russland, US Emigrant und dort Schüler der berühmten Juillard School in New York.

Der erste gespielte Klang , frei und komplex - somit programmatisch für das was noch kommen sollte. Brasilianische Musik war das Thema , interpretiert wurden die Songs der großen alten Meister wie Caetano Villoso , Ernesto Nazareth und Carlos Jobim – den gab Nabatov erst am Schluß – zwischendurch kam Nabatov immer wieder auf Herbie Nichols zurück , als wieder kehrende Struktur , - schnell wurde klar , dass hier an diesem Abend aber vor allem einer zu hören war : Nabatov!

 

Zu behaupten Zeuge eines Naturereignisses gewesen zu sein illustriert vielleicht die staunende Sprachlosigkeit des Hörers . Üppig und scharf sein Spiel und in einer weise modern , daß man den Veranstaltern des Jazzkongress nur danken kann das ermöglicht zu haben!! Gleich einer herben frischen Bergluft die durchs lieblich gemütliche Freiburger Tal fegt - this is New York , der Meister selbst lebt in Köln.

 

Hörbar wurde die fantastische Freiheit des Free Jazz , die Farben Debussys , die Weite Rachmaninows , die Erinnerung an Mc Coy Tyner , die schräge Kantigkeit Monks – alles mit dabei , Fundament einer hoch virtuosen Spielwut . Die Songs scheinen durch ein Clustergewitter hindurch , etablieren sich ganz kurz in cantablen Schönspiel um dann wieder mitgerissen zu werden von der Improvisation , die sich gerne und schnell zu einem krachenden forte von orchestraler Fülle steigert .Nabatov legt gleich einem Tsunami immer wieder Klangwelle über Welle , die bei oft gehaltenem Pedal sich übereinander türmen und zu massiven Wogen schichten – das Leise ist seine Sache nicht .Steinway-Wände ! Die Farbigkeit des an keine Harmonieregeln mehr gebundenen Free Jazz ist hier verwirklicht ohne die traditionellen Strukturen zu vergessen , das wird integriert und beginnt auf einer neuen Ebene zu strahlen , Schönberg und Coltrane wagen einen brasilianischen Tanz..... this must be Avantgarde.

 

Expressivität auf dem Weg zur Ekstase, ein Ausdruckswille von unglaublicher Kraft . Es scheint so als ob der Mann den Flügel tanzend zerreißen will , eine brodelnde Expressivität die sich nicht kultivieren lassen will und gleichzeitig hoch kultiviert ist . So lässt er z.B. einen Song langsam immer höher wandern auf der Klaviatur , sich zu einer Art rasendem Glockenspiel im Diskant entwickeln und unter diesem entfaltet er die Melodie schwebend – so kann ein Flügel auch klingen ! Und weiter wandern die Hände über den oberen Rand der Klaviatur hinaus – machen weiter , Nabatovs massiger Körper bewegt vom Rhythmus läßt die Finger auf Flügelrahmen und Stuhl weiter spielen,, trommeln, getragen vom fast greifbarem groove – als ob ihm das Instrument in diesem Augenblick schlicht zu eng war . Zeuge einer solchen unbezähmbaren, grenzüberschreitenden Kunst zu sein hinterlässt das beglückende Gefühl der Freiheit , leuchtende Augen und strahlende Gesichter im Publikum, das Gefühl der Erweiterung das bisher Unerhörte erlebt zu haben – dank an Herrn Nabatov danke an den Jazzkongress!!!

 

 

 





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