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Zuviel des Guten
Melody Gardot beschert dem ZMF ein Konzerthighlight verliert sich doch im Ungreifbaren
Melody Gardot muss man lieben. Zumindest will es so das kompatible Konzept: Eine blonde Schönheit, die ihre gefühligen Jazz/Pop-Kleinode zu gefälligen Arrangements eher haucht als singt und sich in ihren Videos lasziv in Badewannen räkelt. Norah Jones hat den Boden bereitet und nun ist Melody Gardot die Stimme der Stunde. Das Marketing hat ganze Arbeit geleistet. Willkommen im Konsens.
Ihr neues Album „The Absence“ zollt den Reisen der Chanteuse der vergangenen Jahre Tribut. Ein durchweg schönes, feines, leichtes Sommeralbum mit Einflüssen aus Nordafrika, Südamerika und vor allem Portugal ist da unter der Federführung des brasilianischen Musikers und Filmkomponisten Heitor Pereira entstanden – obgleich recht wenig hängenbleibt. Vieles verliert sich im Ungefähren. Ein bisschen weniger Kunstsinnigkeit, dafür etwas mehr Saudade wäre schön gewesen. Fado ist dann doch etwas schwerblütiger.
Als elegante Reiseleiterin durch südliche Gefilde versteht sich Gardot auch bei ihrem Auftritt auf dem ZMF, die Bühne mit Fischerutensilien dekoriert. Ihre Sonnenbrille und der Gehstock sind dem schweren Autounfall geschuldet, durch den sie erst zur Musik gefunden hat. Mondän gibt sie sich, optisch dem Film Noir entsprungen, und stets der großen Geste fähig. Doch obwohl die 27-jährige eindrucksvoll beweist, dass sie zu den großen Vokalartistinnen unserer Zeit zählt, lässt die Maskerade die Sängerin trotz künstlerischer Raffinesse nur schwer greifen. Das indes wäre nötig gewesen, um die Dramaturgie des Abends in seiner musikalischen Vielschichtigkeit und Breite zusammenzuhalten: Sogar die Musiker wechseln wie im Taubenschlag die Bühne und werden – unverdientermaßen – zu Statisten. Zu viele, wie Gardot selbst sagt, um sie alle vorzustellen. Das ist schade, aber selbsterklärend.
Die Beschränkung auf einen intimeren Rahmen - räumlich wie musikalisch - hätte Gardots Vorliebe für den leise expressionistischen, zart getupften Gesang eher Rechnung getragen als die bunte Lightshow auf der großen Bühne. Das gestern Abend gelungen reduzierte „Baby I’m A Fool“ mag da richtungsweisend sein. Wir folgen gespannt der Entwicklung.
Tim Lucas








