Regiomusik das Musikportal: Gesehen: Liro Rantala live im E-Werk Freiburg


05.06.2016  Freiburg im Breisgau

Gesehen: Liro Rantala live im E-Werk Freiburg



Liro Rantala Foto: E-Werk Freiburg

Das E-Werk war voll, viele kamen den Working Class Hero des Liro Rantala zu feiern. John Lennon auf dem Flügel. Eine der wichtigsten und einflussreichsten Figuren der Rock und Popgeschichte wurde auf dass schönste neu interpretiert. Was war seine Botschaft? Fragt Rantala zu Beginn des Konzerts; Liebe, Friede und Emphatie! Dem wollte sich Rantala anschliessen. Der Abend wurde mit „watching the wheels“ eröffnet, das in Rantalas Händen zu einem langsamen Blues mutierte. Rantala bleibt in allen Stücken nah an der Komposition, fantastisch wie es ihm gelingt aus dem Tumult seines rockigvirtuosen Spiels immer wieder die Gesangslinie leuchten zu lassen, sie mit feinster Dynamik lebendig und intensiv durch den sehr körperlichen Rock 'n' Roll seines pianos singen zu lassen.

 

Imagine stellte ihn dann wohl vor grössere interpretatorische Probleme, denn : wie oft wurde dieses Stück schon, und von wem alles, gespielt? Was tun? Help!? Liro nahm das berühmte Beatlesstück wörtlich und spielte also erstmal „Help“, um sich dann dem grossen „Imagine“ zuzuwenden, und wie er das macht ist ein Ereignis. Die trockentreibenden Gitarrenriffs der 60er nimmt er mit ins polyrythmische heisse Spiel auf, ebenso die Drums , die er immer wieder auch mit dem stampfenden Fuss setzt, das rockt und fetzt, sichtbar, um darüber die strahlende Melodie in wiederkehrenden Schleifen die Klaviatur hoch wandern zu lassen. Das ist „Help“, die ganz frei improvisierten Passagen nehmen nie überhand, stets bleibt der Geist der Stücke hör und greifbar, wobei die körperliche Reaktion des Publikums weit hinter der des Interpreten zurückblieb, so wie er rockte im Saal niemand. Dieses hymnische Anschwellen des Beatlesgesangs transportiert Rantala auf dem Flügel wunderschön. „Imagine“ öffnete den Raum lyrisch weit , ohne zu süss zu werden, toll wie Rantala diese Dialektik von Kraft und Zärtlichkeit zelebriert. All diese Melodien sind tief im kollektiven Gedächtnis, zumindest des Publikums, gelagert, Liro bringt diese Innenseiten des Publikums zum schwingen : immer wieder hört man ein leises Mitsummen aus den Reihen. “Wie kann etwas so einfach und gleichzeitig so gross sein? “ fragte er sich zu Beginn, um seine Verehrung für Lennon darzustellen.

 

 



Dass die beiden irgendwie verwandt sind in dieser Begabung zeigte sich bei :“Tears for Esbjörn“, zärtlich, lyrisch, versunken, und ganz einfach in der Melodie, Zauberei. Eine Verneigung vor dem norwegischen Pianisten, die Rantala nächste Woche in Stockholm fortsetzt, dort als Pianist für das E.S.T. Symphony Orchester, welches E.S.T in symphonischer Fülle mit den alten Weggefährten Svenssons an Bass und Schlagzeug und eben : Rantala an den Tasten zur Aufführung bringt. Das unglaubliche war wie Rantala das Piano neu klingen liess, wie er der riesigen Geschichte eine markante eigenständige Stimme hinzufügt, das klang wie eine echte Rock 'n' Roll Band in all ihren Aggregatzuständen, solo, am Flügel. Das finnische Holz ist etwas dunkler als das norwegische – so auch „Norwegian Wood“ , die linke Hand gab das tänzerisch gelöste des Stückes virtuos, die köstliche Melodielinie schwebte. Das ein Flügel rocken kann, und wie, wurde in Form von hart angeschlagenen Basssaiten eindrücklich, das klang nicht mehr nach Solopiano, das krachte! it's Rock 'n' Roll. Wie „Klavier“ klingen kann, demonstrierte er dann noch in „Its Christmas“, hier wurde es richtig dunkel, die verstörenden Kriegsklänge des Originals waren hier fast noch intensiver. Der "Working class hero" tat dann ein bisschen weh, Rantala hatte Papier zwischen die Saiten geschoben, was den Flügel staubtrocken, ohne jeglichen Hall, hart und in den Höhen schon aggressiv klingen liess, das passt.

 

 



 

Zum Schluss geschah noch etwas aussergewöhnliches, der weltumarmende Geist des alten Hippies flutete das E-Werk.Der ganze Saal sang inbrünstig mit : „ Love, Love, Love! “, sogar zweistimmig : „ it s easy....“ fantastisch, berührend. Ein einzigartiger Pianist und toller Künstler - der so etwas schafft. Der Abend mit Lennon und Rantala verströmte eine grosse warme Kraft. Danke Liro!

 

Sascha

 

 








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