Regiomusik das Musikportal: Nachgefragt: Jonas Birthelmer


17.03.2009  Freiburg

Nachgefragt: Jonas Birthelmer


Jonas Birthelmer ist Musiker durch und durch: Mit seiner Band "Was Bleibt" macht er die Freiburger Bar & Clubszene unsicher, bei den Jazzsessions im Franziskanerkeller ist er ein gern gesehener Dauergast. Für Regiomusik steht der Student der Jazz- und Rockschule Frage und Antwort.

 

 

Laufen bei dir neben deiner Band „Was Bleibt“ noch andere Musikalische Projekte?

 

Neben Was Bleibt spiele und singe ich in einem Bob Dylan Projekt, das sehr interessant ist für mich. Bin zwar eigentlich zu jung, aber mit den Songs bin ich aufgewachsen. Und es ist für mich eine wichtige Sache, diese Sachen zu interpretieren, ihnen eine eigene Note zu geben. Das ganze nennt sich Dylan Night. Letztes Jahr haben wir mit Steve Kimock aus den USA gespielt. Dieses Jahr stehen neue Sachen an.

Mit einem befreundeten Schauspieler und Autor arbeite ich gerade an einem Progamm, das Literatur und Lesung verbindet. Es wird da um die „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck und die dazu passenden Songs von Woody Guthry gehen.

Ansonsten bin ich gerade an einem Soloprojekt dran und möchte dieses Jahr noch gerne eine Jazzband aufbauen.

 

 

Erzähl' uns was über die Jam-Sessions im Franziskanerkeller!

 

Das ist im Prinzip sehr einfach und unkompliziert. Es ist eine Jazz-Session und jeder Jazzmusiker ist herzlich eingeladen mit seinem Instrument vorbeizuschauen, mitzumischen und sich dem Publikum zu zeigen. Das Ambiente ist wirklich sehr schön, gediegen, loungeig. Ich habe jemanden sagen hören, es sei nuttig. (lacht) Aber das ist in dem Laden mehr ein Kompliment, ehrlich eine gute Location mit sehr herzlichem Mitarbeitern.

Die Idee ist, dass es eine Rhythmusgruppe plus Solisten gibt, die den Abend eröffnet, musikalische Gäste begleitet und auch gerne für ganze Gastkombos die Bühne räumt. Ich selber bin immer wieder Teil dieser Hausband. Wer Interesse hat sich da einzubringen, soll sich bei mir melden, oder bei Stephan Sprehe über regiomusik.de. Ganz ehrlich, es ist einfach eine Session, die ganz neu ist und sich ethablieren will. Alle sind willkommen.

 

 

Wie gefällt es dir an der Jazz- und Rockschule?

 

Es ist lehrreich und fordernd. Man braucht Atem und die Ausdauer, konsequent an sich zu arbeiten. Für mich ist entscheident, dass die Dozenten wirklich sehr gut sind, zum Teil weltklasse.

Die Schule ist für mich in erster Linie ein Ort des Input. Das klingt banal, ist aber wichtig. Es ist nicht die echte Welt. Die Session, die Gigs mit der eigenen Band, die Shows, die Proben – das ist die echte Welt. Will nur sagen, man darf sich nicht in der Jazz&Rock Schule verstecken und denken, wenn ich fertig bin, dann geht mein Beruf los! Solange man nur auch den Humor nicht verliert.

 

 

Wie überlebt man als Musiker in Freiburg, was hältst du von der Musikerszene hier?

 

Für die Größe der Stadt sieht es hier doch gut aus. Soweit ich das von Sessions und Locations her beobachten kann, ist die Musiker- und Banddichte hier sehr hoch. Viele junge kreative Menschen sind zugange, auch auf Veranstalterseite. Das spürt man doch deutlich. Wenn man sich kümmert, etwas sucht und das dann auslebt, kann man hier einiges auf den Weg bringen. Aber!, wir sind keine Metropolregion und keine Großstadt! Für mich gehört zu Freiburg auch immer der Aspekt, dass es die entscheidenden 200 Kilometer zu südlich liegt.

Trotzdem, solange man die Dinge in die Hand nimmt kommt man weiter. Man darf keine Eidechse sein, egal wo!

 

 

Wie lange dauert dein Studium noch? Was kommt danach?

 

Ich werde 2010 abschließen. Danach, oder im fließenden Übergang werde ich langsam aber sicher umsiedeln. Wohin genau will ich noch nicht sagen. Manheim könnte gut funktionieren.

 

 

Du hast deinen Zivildienst in Israel geleistet. Inwiefern hat der Aufenthalt dort deine Musik beeinflusst?

 

Eine gute Frage, danke dafür! (lacht) Ich war damals sehr beeindruckt von der immensen Kreativität des so kleinen israelischen Musikmarktes. Und so ziemlich alles wird dort in der Muttersprache, also Herbäisch gesungen. Ich hatte dann dort eine Band. Diese Erfahrungen werde ich nie vergessen. Es sind eben immer die, auch noch so kleinen persönlichen Beziehungen und Verbindungen, die einen prägen. Israel ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Ein sehr berühmter israelischer Musiker und Sänger beispielsweise, sein Name ist Mati Caspi, hat europäische Wurzeln, wuchs in einem Millieu von arabischen Juden auf und verbrachte lange Jahre in Südamerika. Und das alles hört man in seiner Musik. Und genau dort findet man Israel. Für mich war er, aber das lag einfach an seiner Stimme und den guten Texten, überwältigend.

Ich kam ja später wieder zurück nach Israel, blieb erneut ein Jahr und begann an der „RIMON school of Jazz and contemporary music“ Gesang zu studieren. Diese Zeit hat mich insofern sehr geprägt, dass ich dort erst wirklich anfing, Musik zu „lernen“, mit einem neuen Bewußtsein auch zu hören. Und ich musste erst 2000 Kilometer in die Ferne fliehen, um anzufangen deutsch zu schreiben. Ich bin noch immer ein suchender, aber ich habe das Gefühl, so langsam einen Ton zu finden in dieser deutschen Sprache. Und das wird immer mit Israel verknüpft bleiebn. Irgendwie verrückt.

Das Ergebnis meiner Eindrücke dort werde ich sehr bald als Soloprojekt mit meinem Song „Tel Aviv“ veröffentlichen.

 

 

Jazz, Blues, oder Rock?

 

Oh Mamma, keins davon darf irgendwo fehlen! Meine ich ernst, Mann!

 

 

New York oder Wiesbaden?

 

Als ich den Song schrieb, dachte ich, Wiesbaden sähe beschissener aus.

 

 

Letzte Frage: Was bleibt?

 

Ein paar Gigs. Diesen Donnerstag zum Beispiel in der FreiburgBar.

Alles weitere wird sich zeigen. Man darf nur keine Eidechse sein! (lacht)