Regiomusik das Musikportal: Gehört : das Ensemble SurPlus im E-Werk


29.04.2015  Freibug

Gehört : das Ensemble SurPlus im E-Werk



Ensemble SurPlus Quelle:Facebook/pages/Ensemble-SurPlus

Die planetarisch interstellare Reise des Ensembles SurPlus begann mit einem Werk des einstigen Wunderkindes Bruno Maderna, der dirigierte schon im zarten Alter von 7 Jahren.In der wunderbar er -und aufklärenden Einführung von Agnes Böhm bekommen wir auch Partiturblätter zu sehen, die auch als Grafik bestehen könnten und anhand deren „Text“ einige grundsätzliche Fragestellungen dieser Musik sehr gut sichtbar werden.Ok , welche Bahn nehmen wir heute ? Der exemplarische Vergleich zweier solcher „Flugbahnen „ ein und der selben Komposition zu Anfang und Ende des Konzerts machte die schöpferische Potenz dieser Technik sehr plastisch, es waren zwei verschiedene Stücke , die da zu hören waren, die zwar in einigen Mikrofiguren Wiederekennung zeigten, doch beide zu klar eigenständigem Ausdruck kamen.Das Zusammenspiel von Zufall und Wille , gebiert so etwas wie die : Aleatorische Komposition, die sich selbst niemals als abgeschlossene begreift sondern a priori von den Entscheidungen der Musiker, der Ausführenden gestaltet wird. Welches der Module wollen wir spielen ? Von Viola, Klarinette oder Schlagzeug ? Wo ist der erste Ton ? Welches Tempo ? oder spielen wir heute alle das gleiche Modul ?

Auch das Notierte selbst nimmt den Expressionswillen der Bildenden Kunst mit in die Partitur, was einen zwar die beruhigenden Linien vermissen lässt , die Komposition zusätzlich noch mit grafisch beredter Geste und ebenso offener Interpretationsmöglichkeit erweitert. Durch die Einbindung sovieler zu gestaltender, offener Parameter wird die Komposition mit jeder Aufführung zu einem kleinen evolutionärem Prozess, zur singulären Flugbahn,die jeweils neue Gestalten hervorbringt.

 

Die Hommage an Robert Schumann György Kurtags beschäftigte diesen nahezu 30 Jahre und nimmt den bei Schumann stets gegebenen literarischen Bezug mit auf. Allein die phantasievollen Spielangaben verbinden beide.,zb, „ Ich war eine Wolke...jetzt scheint die Sonne“ - so möge man spielen !

Hörbar werden auch die drei Charaktere auf die sich Schumann so oft bezog : der traditionelle Meister Raro, der feurige Florestan und der melancholische Eusebius, oder besser : deren Urenkel.

Die einzelnen Sätze sind extrem kurz und verdichtet.Die Stimmung läßt Florestan und Eusebius abwechseln, wobei zentral der explosive 3. und der fast schon schöne 6. Satz beeindrucken, hier erklingt eine Art Trauermarsch, und auch hier verbinden sich diverse Bezugnahmen, die auf Mittelalter und Romantik weisen und auf dem Boden der uralten Isometrie mathematische Muster in romantisierendem Melos geschoben und rekombiniert werden.

Ein Hauch von Arnold Schönbergs „alter Luft aus Märchenzeit“ war beim jüngsten der Komponisten hörbar : bei Andrew Tooveys : „ your mouth “ waren melodienahe Köstlichkeiten zu hören, die Furcht vor der Melodie scheint integriert und Modales wechselt mit ekstatischen Rhythmusverdichtungen.Iannis Xenakis „Dmaathen“ dargeboten in einem hochkonzentrierten Duo von Olaf Tzschoppe am Schlagzeug und Bodo Friedrich an der Viola, kamen auch Trillerpfeifen mit ins Spiel.Wobei man sich bei Xenakis, der auch als Architekt arbeite, diese Rhythmen mitnichten aus irgendwelchen griechischen Traditionen speisen, als vielmehr auf Mathematik beruhen.

 

Bei Michael Reudenbach erklang wieder ein ganz anderer Planet, auf dem es recht trocken schien, was logische Konsequenz der hier angewandten Reduktionstechnik ist.Diese Konzentration auf wenige Ereignisse erhöht auch die der Hörerschaft enorm, ebenso wie die der Spieler. - solche konzentrierte Stille ist selten, selbst das Verschieben eines Notenblattes wird da zum gefährlich lauten Akt.In dieser äußersten Kargheit kommt eine großartige Feinheit der Wahrnehmung zum Tragen, die alle Anwesenden erfasst – und selbst in den zärtlichen Wiegebewegungen der Musiker den Ton zum Ereignis macht. Allein wie der Ton selbst langsam Kraft und Körper gewinnt ist hier schon Musik.

Dieses übervorsichtige Zaudern, das völlige Fehlen von musikalischen Linien, immer wieder ein :

pppp ( ! ), kein Zusammenspiel,..das hat was Archaisches, gleichsam ein Neuanfang allen Klangs,

sowie auch Neuanfang allen Hörens, was den Satz Henry David Thoreau s sinnfällig machte, der

dem Ensemble SurPlus als Thema gilt : „ Musik ist andauernd; nur das Hören ist zeitweise “

In diesem Sinne ein Danke an s Ensemble SurPlus, dem man einen kometenhaften Aufstieg wünschen möchte.

 

 

Christian Kemper, Oboe

Nicola Miorada, Klarinette und Bassklarinette

Erich Wagner, Klarinette und Bassethorn

Bodo Friedrich, Viola

Eun Ju Kim, Klavier

Olaf Tzschoppe, Schlagzeug

 

 








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