20.05.2009 Freiburg
Gesehen: Samy Deluxe im Jazzhaus
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Kein Biss, aber viel Lärm um Nichts
Nie bin ich enttäuschter von einem Konzert gegangen. Der Grund meines Unmuts besteht im Resumee, ein gutes Konzert gesehen zu haben, und dem rechtfertigenden Schluss welchen Samy Deluxe bei seinem Konzert des Öfteren, zieht "..dass jeder Mensch sich verändern muss". Was heißt künstlerisch verändern?
Samy Deluxe hat seinen Stil verändert. Dahingehend, dass er nun (zu) viel singt - seit "International Love" (2001) - er würde gerne musikalische Bandbreite liefern, à la Jan Delay oder Max Herre.
So kündigt er vor den Zugaben "Jazz" an, auch wenn das die meist Jüngeren im Publikum "wohl nicht kennen würden". Was kam war allenfalls vergleichbar mit einer Swing Demo eines Casio Keyboards. Die Band wurde in Ihre Schranken gewiesen und der Groove und Flow waren binnen viert Takten dahingekrebse verloren - der Gipfel: kurze Soli der einzelnen (non-Jazz)Musiker mit Pentatonikgedudel in uninspirierten Linien. Doch das nur nebenbei.
Samy ist ein sehr guter Rapper mit Flow zweifelsohne, aber (tonal) musikalisch hat er keinerlei Talent. Bei jedem Track mit einer "anspruchsvollen" Gesangslinie benutzt er ein zweites Mikrophon, welches mit "Eiffel 65 - I'm Blue" Effekt belegt ist um seine grausamen Gesangs- bzw. Intonationsdefizite zu vertuschen. Das heißt: Er weiss um seine Schwäche, will aber dennoch das tun was er nicht kann. Das ist nicht Veränderung das ist zwanghafte Selbstveräpplung. Sein für eine Minute singender Percussionist bleibt das gesangstechnische Highlight des Abends und zeigt Samy innerhalb von Sekunden die Grenzen seiner beschränkten musikalischen Möglichkeiten auf.
Ich frage mich, wann kommt es zu der beschriebenen Versöhnung mit den "alten Fans"? Beim Freestyle? Bei der desaströsen Beatbox? Bei den "alten" Songs? Samy galt und gilt als begnadeter Freestyler - was er im Jazzhaus bot war eine Frechheit. Sein Freestyle Repertoire rührt aus der Zeit des rebellischen Egomanen "Samy" - es flammt also hie und da ein wenig auf, dabei ist er doch nun wie von sich selbst beschrieben "erwachsener und versöhnlicher" geworden. Das merkt man bei seinen Scheinbattleraps auch und er und bekommt keine vier Zeilen flüssiges Improgereime zustande. Samy Deluxe wirkt wie eine kleffende Handtaschentölle - kein Biss aber viel Lärm um Nichts. Er ist nicht im geringsten authentisch. Hört man sich einen Freestyle von der sich immer treu gebliebenen Crew BLUMENTOPF an, so möchte man vor Scham im Boden versinken, was der nuschelnde Möchtegern-Jay-Z aus der Hansestadt an diesem Abend auf der Bühne bietet. Gekrönt wird das Ganze durch den verzweifelten Versuch durch schnelles Runterrattern der Strophen seiner zurecht erfolglosen "Let's go" Single zu beeindrucken. Und genau das ist es auch, was an diesem Abend deutlich wird. Samy Deluxe wäre gerne etwas Besonderes. Er schafft es nicht zu überzeugen, also versucht er es durch Lautstärke, Geschwindigkeit und all jene "YouTubeRapper trainieren für Olympia" Attribute und vergisst seine Wurzeln, die Ihn zu "Deluxe Soundsystem" Zeiten auszeichneten: Style, Wortwitz, Authentizität.
"Schuster bleib bei deinen Leisten!" möchte man Ihm sagen. Jetzt heisst es für mich Abschied nehmen von einem meiner Jugendidole. Nicht weil Samy Deluxe sich verändert hat, sondern weil er sich nicht auf sein Talent und seine Identität verlässt, sondern zwanghaft versucht etwas zu sein, was er schon einmal war - aussergewöhnlich.
Fred



