17.10.2011 Bremen
Flo Mega neues Album "Die wirklich wahren Dinge" und Tour 2011
![]() Flo Mega |
Flo Mega ist mit seiner Band nicht erst seit dem zweiten Platz beim Bundesvisionsongcontest in aller Munde. Flo Mega ist ein Soulman, einer, der zum Himmel schreit. Er liebt die Frauen. Er lebt den Blues. Mit viel James Brown im Tank erinnert er in einem Moment an den jungen Joe Cocker, um im nächsten Moment Helge Schneider die Butter vom Käsebrot zu stehlen.
Mit der EP Filmriss veröffentlicht Flo Mega vier liquide Soulstücke plus Instrumentalmix als Vorgeschmack auf das Anfang 2011 über Four Music/Homeground Records erscheinende Album. Produziert von Kraans de Lutin und eingespielt von The Ruffcats, geht es vor allem um „Soulmusik und darum, die eckige deutsche Sprache so rund wie möglich zu nutzen“, sagt Flo Mega. Soulmusik hieß früher Rhythm & Blues und gerade von letzterem hat Filmriss eine Menge. Doch der Blues, den Flo Mega singt, hat weder breite Hutkrempe noch Slidegitarre. Er kommt auch nicht vom Mississippi. Flo Mega hat den Großstadtblues, er kommt aus den Bars und Nachtlokalen Bremens, Berlins und Kölns. Und so wie er ihn singt, hat ihn in Deutschland noch keiner gesungen.
Bester Beleg dafür ist der Titeltrack der EP, ”Filmriss” – ein innovatives, urbanes, rundes Exemplar Blues-Attitüde, eingebettet in den kraftvollen und satten Sound des Moog. Der Song entstand gemeinsam mit den Berliner Songwritern Henk Heuer und Droopy Goldberg. Es geht um Mann und Frau, letzte Nacht und die beinahe schon unverschämt ehrliche Erkenntnis: „Alles, was ich wollte, war doch einfach nur mit dir chillen“. Flo Mega spricht aus, was er denkt, was wir denken. ”Die wirklich wahren Dinge” allerdings, die „brauchen keine Worte, um sich zu beschreiben“. Das älteste Stück auf der EP ist ein Flo Mega-Original: feinfühlig, leicht trotzig, eine Uptempo-Nummer, die Spaß macht – nicht zuletzt wegen des Bläserarrangements, eingespielt von The London Horns.
Dennoch: Flo Mega still got the Blues. Und wer hat schuld? Die Frauen. Sie zumindest sind seine größte Blockade, genauso wie seine größte Inspiration. Flo Mega als Spielball der Emotionen, Flo Mega irgendwo zwischen Katzenjammer und Katerstimmung. ”Halbmond” und Wie es weitergeht sind zwei der Tracks, die ihren Ursprung in jenem Gemütszustand haben. Herrlich unverfälscht und klangvoll getrieben von der unstillbaren Sehnsucht nach dem, was vollkommen erscheint: der Liebe.
„DAS LEBEN IST LEICHT, NUR DIE ARBEIT DARAN IST SCHWER.“
![]() Die wirklich wahren Dinge |
Geboren und aufgewachsen in Bremen, trainiert Flo Mega sein rhythmisches Talent bereits im zarten Alter von fünf Jahren an einem Drumset aus Kochtöpfen und Teedosen. Es folgen Blockflöten- und Klavierunterricht, bis mit 13 Jahren die Erlösung von der anderen Seite des großen Teiches kommt: Hip-Hop. Wo vorher die Beatles und AC/DC das Jungendzimmer beschallten, laufen nun NWA und Ice-T. Und da Hip-Hop eine Mitmachkultur ist, stürzt Flo Mega sich kopfüber hinein. Sein Alias Flo Mega, ursprünglich Flomega, wurzelt in jener Zeit, konstruiert aus der schlichten Verbindung von Flo für Florian und Omega, dem letzen griechischen Buchstaben im Alphabet. Flo träumt sich groß, „die Letzen werden die Ersten sein“ – das stand doch schon in der Bibel.
Es folgen unzählige Jams, Crews, Freestyles, Tapes und die eine oder andere Aufnahme mit lokalen Rapgrößen wie Zentrifugal, Defekte Dichtung oder Flowin‘Immo. Aber auch die Erkenntnis, dass Rap mit seinen Codes und Regeln zu eng für einen Querdenker und freien Künstler wie ihn ist.
So geht die Reise weiter und zurück zu den geliehenen Wurzeln: Sun Ra, Stanley Clarke und P-Funk, versetzt mit Hochprozentigem und Sportzigaretten. Inspirierend, unterhaltsam und ablenkend, aber nicht gerade fokussiert. Die Wende kommt, als Flo Mega auf The Ruffcats trifft. Mit Uwe Breunig an den Drums, Hendrik Stiller an den Keys, Joh Weisgerber am Bass und Lars Cölln an der Gitarre die wahrscheinlich bestgeölteste Soul- und Funk-Band Berlins.
Sie bringen Flo Mega zum Klingen. „Pay Me Right“ erscheint 2007 auf Vinyl; eine wilde, eingängige englischsprachige R&BNummer mit hartem Akzent. Es ergeben sich interessante Features und Veröffentlichungen unter anderem mit The Lefties Soul Connection, Suff Daddy, Marc Hype und Jim Dunloop. Flo Mega ist exzentrisch und frei. Er feiert, trifft Frauen, andere Leute, die auch feiern, sammelt gute Gedanken und guten Soul.
Eine gelungene Auswahl dessen findet sich auf der Filmriss EP – ein außergewöhnlicher Einblick in die vielschichtige kreative Persönlichkeit eines Soulmusikers der besonderen Art.
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