Regiomusik das Musikportal: Im Interview: Iggy & Andih


15.04.2014  Dortmund

Im Interview: Iggy & Andih



Iggy & Andih

Die beiden Rapper Iggy & Andih haben vor Kurzem ihre erste gemeinsame EP veröffentlicht. Im Interview verraten sie uns, wie sie sich kennengelernt haben, die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte hinter der EP und was sie vom aktuellen Deutschrap-Trend halten.

 

 

Jana: Hallo Iggy & Andih. Am 14. April 2014 ist eure erste gemeinsame EP „Freigang“ erschienen. Wollt ihr euch unseren Lesern bitte kurz Vorstellen?

 

Iggy: Mein Name ist Iggy Capone und ich bin seit ca. sieben Jahren als Rapper tätig. Ich lebe in Dortmund und bin seit 2013 Künstler bei 1000KMH Records.

 

Andih: Ich heiße Andih und bin Produzent/Rapper aus Hamburg. Ich mache jetzt seit ca. zwölf Jahren Musik im Gerne Hip Hop. Ende letzten Jahres habe ich mit dem Dortmunder Musiker Speranza zusammen das Label 1000KMH Records gegründet und kümmere mich dabei um den gesamten Kreativprozess, sprich Coverartwork, Videoproduktion, etc.

 

 

Jana: Hinter der Entstehung eurer EP steckt eine spannende Geschichte. Wollt ihr uns verraten wie ihr euch Kennengelernt habt und wie die Aufnahmen abliefen?

 

Iggy: Kennengelernt haben Andih und ich uns Anfang letzten Jahres in Dortmund bei einer Hip Hop Sendung, in der Andih zu Gast war. Wir haben sofort gemerkt, dass wir die gleichen verrückten Ideen im Kopf haben und stand schnell fest ein gemeinsames Projekt zu starten. So haben wir auch gleich an dem Tag noch den ersten Song aufgenommen.

 

Andih: Die restlichen Aufnahmen liefen dann aber komplett getrennt ab. Ich habe alle Beats in Hamburg vorproduziert und meine Parts aufgenommen. Dann habe ich die Sachen zu Iggy nach Dortmund geschickt, wo er dann seine Parts aufgenommen hat. Somit war die EP fertig obwohl wir uns bisher nur einmal trafen.

 

Iggy: Genau das ist auch das verrückte an der EP, dass wir ein gemeinsames Projekt raus bringen, ohne uns je wirklich darüber ausgetauscht zu haben und trotzdem harmonieren die Songs sehr gut.

 

 

Jana: Worum geht es inhaltlich bei eurer EP? Gibt es einen roten Faden?

 

Iggy: Inhaltlich ist die Freigang eine Mischung aus Battlerap, also Phrasengedresche vom Feinsten und etwas ernsteren Songs, in denen wir Geschichten aus dem Alltag in der Großstadt erzählen. Wir bieten mit Freigang Raptechnik auf hohem Niveau, jedoch ohne dass der Inhalt dabei zu kurz kommt.

 

Andih: Wenn es auf der EP so etwas wie einen roten Faden gibt, dann dass wir die Parallelen unserer beiden Leben in den Songs verarbeiten, da jeder immer seine Sicht der Dinge in den Songs zum Besten gibt. Auf Freigang hat der Hörer quasi immer die Hamburger und die Dortmunder Version einer Geschichte.

Jana: Wo würdet ihr euren musikalischen Stil einordnen?

 

Iggy: Ich kann meinen eigenen Stil nicht so wirklich irgendwo einordnen. Klar mache ich Rap aber ich will mich nicht festlegen was meine Inhalte betrifft. Das Leben ist viel zu Fassettenreich um immer nur über das selbe Thema zu schreiben. Auch mein Rap und Gesang variiert von der Technik her mit jedem Song. Ich bin eben Musiker mit Leib und Seele und man sollte bei Musik keine Scheuklappen aufhaben.

 

Andih: Was die gemeinsamen Songs von uns auf Freigang betreffen, sehe ich uns schon sehr in der Battlerap-Sparte. Wobei die Beats auf der EP, sowie die Gesangseinlagen in den Refrains schon ein kleiner Stilbruch zu dem eher harten Rap sind und so ein bisschen meine heimliche Neigung zur Popmusik offenbaren. Wie Iggy schon sagt, es ist meiner Meinung nach schade sich als Künstler auf irgendeinen Stil festzulegen. Man sollte sich öfter mal neu erfinden.

 

 

Jana: Iggy, du bist ja gebürtiger Sizilianer. Könntest du dir auch vorstellen auf Italienisch zu rappen?

 

Iggy: Ich habe da jetzt nichts bestimmtes geplant, aber ich will nichts ausschließen. Rapper wie Jeyz oder mein Bruder Speranza haben das ja auch schon mal gemacht. In erster Linie lebe ich aber seit Jahren in Deutschland und mache Musik für meine Jungs hierzulande und deutsch ist einfach die Sprache in der ich mich musikalisch ausdrücke. Aber wer weiß was die Zeit bringt, vielleicht mache ich irgendwann ein Album mit italienischer Volksmusik und stürme in Italien die Charts. Hahaha.

 

 

Jana: Andih, was macht dir mehr Spaß: Beats produzieren oder rappen? Und glaubst du man kann beides gleich gut schaffen oder ist eine Spezialisierung ab einem bestimmten Level unumgänglich?

 

Andih: Mir macht definitiv beides sehr viel Spaß, wobei mir das Produzieren leichter von der Hand geht, da ich mich dabei einfach in der Kreativität verlieren kann ohne groß den Kopf anzustrengen. Außerdem mag ich es musikalisch einfach mal in ganz andere Genres einzutauchen. Ich denke eine Spezialisierung ist nicht zwangsläufig notwendig, solange man mit Herzen dabei ist und ein gewisses Grundtalent hat. So ist es bei mir zumindest. Ich bin von klein auf an einfach ein kreativer Mensch. Ich muss jeden Tag irgendetwas erschaffen, sonst bin ich nicht ausgelastet. Sei es ein Beat produzieren, ein Video zu schneiden oder ein Logo zu entwerfen. Kunst ist einfach meine Droge.

 

 

Jana: Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

 

Andih: Was Rap betrifft waren es bei mir schon immer deutsche Künstler gewesen die mich inspiriert haben wie z.B. Kool Savas oder Samy Deluxe. Da ich seit ca. zwei Jahren aber selbst kaum noch Rap höre, sondern eher Trap und Dubstep inspirieren mich zur Zeit mehr Produzenten wie Keys n´ Krates, Skrillex, Chase & Status, oder Baauer. Ich würde bekannte Künstler aber eher als Inspiration bezeichnen und nicht als Vorbild. Als Vorbild sehe ich nach wie vor nur meine Eltern.

 

Iggy: Ich habe früh angefangen Rap aus den USA zu hören. Tech N9ne gehört auf jeden Fall zu meinen größten Inspirationen. Wirkliche Vorbilder bei Rappern habe ich aber auch nicht. Ich versuche immer meinem eigenen Kopf zu folgen und erfinde meinen eigenen Sound.

 

 

Jana: Deutschrap ist in den letzten Jahren deutlich aufgeblüht und erhält mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Glaubt ihr das wird noch länger anhalten und denkt ihr das dadurch auch Newcomer bessere Voraussetzungen haben?

 

Andih: Rap in Deutschland hatte ja in den letzten 15 Jahren schon öfter aufblühende Phasen, die dann wieder eingegangen sind. Doch ich denke es ist zum ersten Mal an der Zeit, dass Rap sehr vielschichtig geworden ist und wirklich ein ernstzunehmender Teil der deutschen Popmusik. Ich denke nicht, dass Rap in Deutschland wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden wird, da es inzwischen einfach zu viele Fassetten von Rap gibt.

 

Iggy: Ob man dadurch jedoch als Newcomer bessere Chancen hat wage ich zu bezweifeln, da es grade bei dieser Musik mehr Rapper als Fans gibt, zumindest behauptet jeder einer zu sein. Man muss einfach immer am Ball bleiben und Musik aus seinem Herzen machen. Denn wenn wenn man nur rapt um erfolgreich zu werden, ist das sowieso der falsche Ansatz.

 

 

Jana: Seht ihr die vielen Möglichkeiten, sich im Internet zu platzieren eher als Fluch oder Segen an?

 

Iggy: Ohne das Internet geht heute gar nichts mehr in der Musik. Es gibt keine echten Musiksender mehr im Fernsehen, also sehen sich die Leute deine Sachen eh auf Youtube an oder kaufen sich deine Songs bei Itunes. Ich denke man kann heute kein prominenter Künstler mehr sein ohne im Internet statt zu finden.

 

Andih: Der Segen ist natürlich, dass man viel leichter an ein Publikum gelangt und seine Sachen sofort selber veröffentlichen kann. Der Fluch daran ist meiner Meinung nach nur, dass sich kaum einer noch wirklich Zeit für seine Kunst nimmt, da alles sehr schnelllebig geworden ist. Außerdem denkt dank sozialer Netzwerke jeder er sei ein Musiker oder Fotograf oder was auch immer, wodurch wirkliche Talente leicht untergehen.

 

 

Jana: Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Vielleicht ein gemeinsames Album?

 

Iggy: Ne, auf Andih hab ich keinen Bock mehr! Nein, Spaß bei Seite. Ich arbeite eigentlich schon seit letztem Jahr an meinem Solo-Album und habe schon unzählige Songs dafür aufgenommen. Ich denke ich werde zu dem Album noch ein oder zwei Mixtapes machen. Ich versuche das Album noch 2014 fertig zu stellen. Es wird also auf jeden Fall dieses Jahr noch was von mir zu hören geben.

 

Andih: Ein gemeinsames Album auf dem wir beide rappen wird es wohl erst einmal nicht geben, da ich mich in den nächsten Monaten voll und ganz auf die Labelarbeit für Iggy konzentrieren werde. Ich werde außerdem einige Beats zu seinem Album beisteuern und arbeite zur Zeit an einem reinen Produzenten- Album zu dem ich aber noch nicht mehr verraten will. Nur so viel, dass es kein Rap Album werden wird.

 

Jana: Wird man euch in nächster Zeit live sehen können?

 

Andih: Eine Tour ist bis jetzt noch nicht geplant. Aber wir spielen am 30.04.2014 ein paar Songs aus unserer EP in Iserlohn bei der Veranstaltung „Rap in den Mai“.

 

Iggy: Ja, das wir quasi unsere inoffizielle Release-Party. Also kommt alle vorbei und wir brennen die Hütte ab!

 

 

Jana: Vielen Dank für eure Zeit. Die letzten Worte gehören euch ....

 

Andih: Ab dem 14.4.14 sind wir auf Freigang!!! Also holt euch die EP und begleitet uns auf nen verrückten Trip.

 

Iggy: Genau, holt euch die EP und haltet die Ohren und Augen offen, denn Freigang ist nur der Startschuss. Es kommt noch einiges auf euch zu, also merkt euch die Namen Iggy & Andih.

 

Jana

 

 








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