Regiomusik das Musikportal: Im Interview: Der kontroverse Rapper Akademik aus Trier


12.06.2014  Trier

Im Interview: Der kontroverse Rapper Akademik aus Trier



Akademik

Am 27. Juni 2014 veröffentlicht er sein erstes Street-Tape "Doppelleben": Akademik der kontroverse Rapper und Produzent aus Trier. Mehr zu diesem Doppelleben zwischen Hörsaal und Kneipe lest ihr im Interview.

 

Jana: Hallo Akademik! Vielleicht möchtest du dich erst mal vorstellen und uns verraten, was hinter deinem Namen steckt?

 

Akademik: Ich komme aus Trier, die älteste Stadt Deutschlands mit den neuartigsten Rappern. Ich bin 23 Jahre alt, rappe, mache Beats und schreibe für einige Artists außerhalb des Rapgenres. Ansonsten studiere ich und klappere in meiner Freizeit gerne Adressen von weltverschlechternden Weltverbesserern ab und bringe sie nach spätestens 30 Sekunden mit den richtigen Fragen zum stottern. Akademik, der Name ist Programm. Niemals ohne Kopf, selbst in den härtesten Battletexten müssen intellektuelle Ansätze und Lines sein, die man erst beim zweiten, dritten oder auch zehnten Hören versteht. So kommen dann Tracks wie Cosmopolit, Doppelleben oder Facelift zustande.

 

 

Jana: Am 27. Juni 2014 veröffentlichst du dein erstes Street-Tape. Worum geht es inhaltlich? Gibt es einen roten Faden?

 

Akademik: Doppelleben ist ein Film und Inhaltsangabe meines Alltags zwischen Hörsaal, Intellektuellen und andererseits einem sagen wir mal etwas härteren Umfelds. Auf den Punkt gebracht: Morgens Karl Marx und John Locke, abends breite Schultern, leichte Mädels, schnelles Geld, viel Alkohol und großes Egos, das alles bis tief in die Morgenstunden.

Gesellschaftliche Grenzen verschwimmen zwar immer mehr, wir werden angeblich offener, aber leider ziehen diejenigen mit der größten Klappe wenn es hart auf hart kommt den Schwanz ein und stehen nicht mehr zu ihrer Meinung. Fragt mal Sahra Wagenknecht, ob die einen Hartz IV Empfänger aufnimmt, die wird euch was husten. Aber egal, ich denke nicht gerne in Grenzen, jeder Tag und jede Person in meinem Umfeld hat ihre absolute Berechtigung. Ich denke ich bin auch nicht der einzige der ein solches Leben zwischen den Welten führt, da gibt es sicherlich noch mehr Leute und Doppelleben ist der perfekte Soundtrack für deren Alltag.

 

 

Jana: Welchen Sound dürfen die Hörer erwarten?

 

Akademik: Harte Drums, breite Kicks, Synthies ohne Ende und zwischendurch mal ein Pianobeat. Das ganze ist sehr sphärisch, melodisch und ab und zu düster geraten. Mal abgesehen von kleinen Vocalsamples sind alle Beats auf Doppelleben selber eingespielt. Ich find das sehr sehr wichtig. Am Ende ist ein ganz eigenes Soundbild entstanden, das schwer definierbar ist. Wer auf knallende Beats und klare Ohrwurmchords steht MUSS sich Doppelleben anhören.
Textlich geht’s voll in die Fresse, aber immer schön intellektuell. Punchlines stapeln, zerlegen, Spass haben, läuft. Fakt ist: Es gab bisher kein deutsches Raprelease das wie Doppelleben klingt, weder vom Sound, noch vom Inhalt. Hate it or love it.

 

 

Jana: Glaubst du dein politischer Hintergrund ist eher ein Vor- oder Nachteil bei deiner Musik?

 

Akademik: Jeder klar denkende Mensch sagt jetzt erst mal Nachteil, ich sage Vorteil. Bin ich nicht klar denkend? Doch, aber diejenigen die es grundsätzlich und von vornherein als Nachteil sehen, können bei Facebook als Berufsstand ab morgen getrost „Innovationsbremse“ einfügen. Im Ernst, mir ist klar, dass so was für die Hater dieser Welt ein gefundenes Fressen ist. Und jetzt? An alles was irgendwie neu oder anders ist muss sich Deutschland erst mal gewöhnen. Außerdem ist das Ganze doch wieder ein Fakt, der den Titel Doppelleben unterstreicht: Welcher Rapper hat schon beim schreiben der nächsten 50 Punchlines mal eben das Außenministerium am Telefon? Gegensätzlicher geht’s fast nicht.

 

 

Jana: Wer sind deine musikalischen Vorbilder? Welche Musik inspiriert dich?

 

Akademik: Das würde eine lange Liste werden. Ich mach’s mal kurz. Dre und Snoop sind unschlagbar. Jedes Snoopmixtape hat mehr Schlagkraft als so manches Amialbum. Busta Rhymes feier ich seit ich 12 bin, durch ihn kam ich zu Hip Hop. In Deutschland grundsätzlich Berliner Rap und auch immer mehr aus NRW, die alten PA-Alben sind pures Gold. Außerhalb von Rap hör ich oft Electro und ab und zu mal was mit Gitarren.

 

 

Jana: Wie siehst du die aktuelle Lage des deutschen Hip Hop?

 

Akademik: Gespalten wie Feuerholz. Im Ernst: Es bewegt sich immer mehr, das ist gut für Rap, es gibt auch immer mehr richtig gute Rapper mit neunen Ansätzen, vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus.. Es wird aber auch immer mehr Schrott für voll genommen, wo man sich eigentlich fragen muss, ob die das jetzt ernst meinen. Jetzt könnte man sagen, dass zum Beispiel Orgi technisch auch nicht der beste Rapper ist, aber der Typ hat Kultfaktor, der fährt nen Film in den er dich mitnimmt. Ein gutes Rap-Album braucht genau diesen Film. Ich muss mich quasi mit der Musik in den Ohren umschauen und fast glauben, direkt im Umfeld des Künstlers zu sein und alles was er da rappt mitzuerleben. „Vom Bordstein bis zur Skyline“ zum Beispiel konnte das perfekt. Ohne anmaßend sein zu wollen: Ich denke Doppelleben kann das auch ziemlich gut.
Leider werden auch viele Spaßprojekte für Rap gehalten, die in meinen Augen eher Pop sind. Das verzerrt das Bild und Rap ist nicht mehr Rap. Keiner der sich ernsthaft mit dieser Musik auseinandersetzt kann das gut finden.

 

 

Jana: Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten?

 

Akademik: Silla oder PA Sports sind Leute, mit denen ich mir das sehr gut vorstellen könnte. Grade die deepen Tracks der beiden sind der absolute Hammer. Ich denke da käme sicher etwas Hörbares raus. Es gibt da sicher noch einige andere, aber man soll die Punchlines ja nicht an die Wand malen.

 

 

Jana: Gibt es schon Pläne für nach der Veröffentlichung?

 

Akademik: So einiges. Ich bringe im August nochmal was, da darf man sich überraschen lassen, wird sicher spannend.. Es wird einige Gigs geben, ich kläre da grade ein paar Dinge die richtig nice werden könnten. Außerdem bringt Crisis sein „Krisentape“, ich hab das Ding fast komplett produziert. Der Typ ist 17 und rappt wie andere mit 40 noch nicht. Ich arbeite auch schon an einem nächsten Projekt, das länger werden wird. Ansonsten gibt es sicher immer mal Features, vielleicht auch die ein oder andere Kollabo-EP. Wer auf dem laufenden bleiben will sollte regelmäßig meine Facebookseite ( www.facebook.com/alexjtrier) checken.

 

 

Jana: Das Internet für aufstrebende Künstler Fluch und Segen. Noch nie war es so einfach sich so einer großen Anzahl von Menschen zu präsentieren. Was glaubst du sind für eine Newcomer die besten Wegen um Aufmerksamkeit zu erhalten?

 

Akademik: Individualität! In dieser Riesenmasse kannst du überhaupt nur auffallen, wenn du was ganz Eigenes und Abgedrehtes machst. Ansonsten hast du das 15-tausendste mittelmäßige Streetprodukt. Viele überlassen so was ja auch ihren Geldbörsen und kaufen Klicks, aber davon halte ich gar nichts.

 

 

Jana: Vielen Dank für deine Zeit. Die letzten Worte gehören dir?

 

Akademik: Kauft Doppelleben bei Amazon oder iTunes und hört es euch bei Spotify an. Ich verspreche euch es lohnt sich! Wer gute Musik feiert und Newcomer unterstützen will, kommt daran fast nicht vorbei. Ansonsten gibt es am 27.6. in Trier eine Releaseparty im Jugendzentrum auf der Höhe, die Location wird für diesen Abend ein bisschen frisiert. Ich würde mich freuen wenn so viele wie möglich von euch kommen. Da gibt’s auch was Exclusives: Jeder der da ist kann sich mit seiner E-Mail Adresse auf eine List eintragen und bekommt einen unveröffentlichten Track, den es nur über diesen Weg geben wird, von mir zugeschickt. Mit dabei sein werden neben mir unter anderem Crisis, Sans & DerEx, Lonyen und True Skillz. Für Fans von gutem Liverap also ein absolutes MUSS!

 

Jana

 








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