12.08.2008  Freiburg

Gesehen: ESCAPADO im White Rabbit



Escapado

Wütende Eskapaden. Die vier Flensburger von ESCAPADO sind aktuell auf Deutschland-Tour und zeigen, dass ihr gefeiertes zweites Album auch live einschlägt und sie darüber hinaus eine intensive Live-Show abliefern können.

 

Ein verregnet-schwüler Abend in einer ausgestorbenen Studentenstadt zur Urlaubszeit. Dank ESCAPADO ist dann für exakt eine Stunde richtig Leben in der Bude – genauer im White Rabbit unterm Siegesdenkmal. Wo man sich inzwischen auch dem Druck der städtischen Ordnungsmacht gebeugt hat und Türsteher seit neustem den Eingang in die studentische Lasterhöhle bewachen. Und an diesem Abend absolutes Rauchverbot herrscht. Dass aber auf Wunsch der Gäste aus Flensburg, die der guten alten Straight-Edge-Tradition folgend wohl lieber in dunstfreier Umgebung auftreten. (Weder das eine noch das andere schadet der gewohnt entspannten Stimmung) Schließlich legen die vier jungen Herren dann auch eine extrem sportliche Show aufs Parkett und das dank des Rauchverbots unter klimatischen Bedingungen, über die sich so mancher Olympionike in Peking sicher gefreut hätte.



Escapado

Jedenfalls sind Helge Jensen (Gesang), Sebastian Henkelmann (Gitarre), Christoph Voß (Schlagzeug) und Gunnar Vosgröne (Bass) hundert Prozent in ihrem Element. Und das ist wütender Hardcore vermischt mit Screamo und Punk. Wilde Gitarreneskapaden, laut, brachial und trotzdem nicht flach und eindimensional, sondern mit Abwechslung und Tiefe. Bei den Songs der neusten Platte „Initiale" schleichen sich hier und da auch ein paar ruhigere Instrumentalparts ein, die genau zur richtigen Zeit kommen und von repetierenden Gitarrenriffs und Bassmelodien geprägt sind – aber eben auch nur um danach wieder voll drauf zu hauen. Sehr ehrlich und authentisch kommen ESCAPADO rüber. Wenig textend, mehr spielend, lärmend, schreiend. Helge widmet sich mehr seinem vielfältigen Gesang zwischen Screamo und Sprechgesang, teilweise über, unter und mitten im Gesamtsound liegen, als großen Ansagen.

 

ESCAPADO stehen ganz sicher nicht für Eskapismus. Eher dagegen. Sehr direkt sind die deutschen Texte, die man live aber leider viel zu selten richtig versteht. Trotzdem versucht man zuzuhören, das Gefühl hier will was gesagt werden ist da. Manchmal fühlt man sich auch angesprochen. Und das ist ja schon selten und eindrücklich genug. Außerdem auch ein Beweis, dass die Wut und der Zorn an kommen. Und, dass solche Emotionen eben mehr auslösen können als Magenschmerzen und Depressionen. Wut gegen Apathie und tatenloses Geschehen-Lassen. Mit sich selbst und der Welt. Die Kraft der Worte und der Wut in Positives umwandeln. Darum geht es ja auch im Hardcore. Und das kommt auch bei ESCAPADO an. „Deine Hand wird zur Faust - und sie schlägt auf dich ein.“ ESCADAO sind also immer noch vor allem Hardcore. Und dazu noch verdammt guter.

 

Mehr Infos:

www.escapado.com

www.myspace.com/escapado

 

Sebastian Drescher

 

11.08.2008 Freiburg

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