Regiomusik das Musikportal: Nachgefragt:: ZERO MENTALITY aus Ruhrstadt


16.09.2009  Ruhrstadt

Nachgefragt:: ZERO MENTALITY aus Ruhrstadt



Zero Mentality

Für ihren neuen Longplayer, „Black Rock“, haben ZERO MENTALITY bei Let It Burn angeheuert. Traditionell geprägte New York-Hardcore-Klänge treffen auf eine rockig-relaxte Grundhaltung und eine groovige Heavy Metal-Kante. Mit dieser Aufstellung ist Eigenständigkeit garantiert, zumal sich fast alle Stücke als treffsichere Hymnen entpuppen. Die Ruhrpott-Recken beleben das derzeit unterrepräsentierte HC-Genre mit neuen Impulsen und stellen unter Beweis, dass Innovation allein von der eigenen Motivation und Kreativität abhängt.

 

 

Musicscan: Was gibt es eingangs zum Selbstverständnis von Zero Mentality zu sagen? Wie würdest Du Eure Motivation und Bandchemie in Worte fassen, wenn man das aktuelle Bandphoto als Ausgang nimmt? - Ihr lacht, seid locker und passt vom Äußeren nicht unbedingt zusammen... Oder anders, wenn auch nicht ganz gleich: Heutzutage braucht ja scheinbar jede Band ein Image – Welches habt Ihr?

 

Zero Mentality: Die Bandfotos sind komplett inszeniert. Wir hatten eigentlich überhaupt keinen Bock auf das Shooting, aber unser Label hat uns gezwungen - die denken es würde sich gut verkaufen. Deshalb wohl auch die oben-ohne Fotos. Check ich nicht was das soll….Was die Fragen nach Image und Selbstverständnis angeht, kann ich dir im Moment leider auch nicht weiterhelfen, das wird erst festgelegt, wenn unser Manager aus dem Urlaub zurück kommt. Das Einzige, was wir schon besprochen haben ist, dass ich in Interviews nur jede zweite Antwort ernsthaft beantworten soll.

 

Musicscan: Ihr seid musikalisch nicht die einzigen, die Old School-Hardcore mit Punk-Rock und einer Metal-Kante verbinden. Trotzdem habt ihr es geschafft, eigene Trademarks zu entwickeln, etwas, was längst nicht jeder Band gelingt. Was ist bei Euch anders?

 

Zero Mentality: Wir sind besser als die anderen.

 

Musicscan: Was treibt Euch an, immer noch als Zero Mentality aktiv zu sein? Mit den Jahren wachsen ja die Verpflichtungen neben der Musik und Familie, Berufen usw. fordern zusehends Zeit. Fällt es Euch schwer, das alles auf die Reihe zu bekommen? Und was geben Euch die Strapazen?

 

Zero Mentality: Das hab ich mich auch schon gefragt. Vermutlich ist es eine Mischung aus Zwang, Lust und Leidenschaft…mit Spaß hat das ganze allerdings nichts zu tun, mit Geld auch nicht, da wir nie Gage verlangen.

 

Musicscan: Ist Hardcore tatsächlich eine Rock-Spielart der “Jugend”, aus der man als Musiker irgendwann fast zwangsläufig herauswächst? Ihr seid ja an einem Punkt, an dem Ihr das gut beurteilen können solltet.

 

Zero Mentality: Um deine Frage zu beantworten, muss ich ein bisschen ausholen. Meinem Verständnis nach ist Hardcore überhaupt keine Spielart. Das sieht man in meinen Augen schon daran, wie viele unterschiedliche Musikstile unter dem Label Hardcore gehandelt wurden und werden. Egal ob Punk, Metal, Rock oder sogar Elektronische Musik, irgendwie geht alles als Hardcore durch, was sich in der Hardcoreszene aufhält. „A way of life“ ist es allerdings auch nicht wirklich…ich meine, guck dir mal an, wie viele gegensätzliche Lebensentwürfe innerhalb der Szene existieren. Hardcore ist für mich eine sehr heterogene Subkultur, die sich von den ursprünglichen musikalischen und ideellen Wurzeln gelöst hat und sich mittlerweile in unzählige konkurrierende Splittergruppen aufgeteilt hat. Heute gibt es ja mehr Subgenres als jemals zuvor. Da steigen selbst Experten nicht mehr durch. Was die Hardcoreszene angeht mach ich mir das allerdings einfach, für mich gibt es nur zwei Hauptstränge. Die Traditionalisten, die keine neuen Einflüsse zulassen und sich mit dem daraus ergebenden Hang zur permanenten Selbstzitierung weitgehend überflüssig und belanglos machen. Und die Innovations-Fraktion, die sich mit ihrem Hang zur beschissenen Musik weitgehend unanhörbar macht. ZM würde ich genau zwischen diesen beiden Gruppen ansiedeln, also hardcoretechnisch weder Fisch noch Fleisch. Um den Bogen zur Musik zu schließen…musikalische Entwicklung hat meiner Meinung nach weniger mit dem Alter und mehr mit der Einstellung zu tun. Und was die Hardcoreszene angeht, manch einer hat schon nach zwei Jahren die Schnauze voll, andere erst nach 50 und manche nie. Auch das ist wohl Einstellungssache und abhängig davon, in welcher Abteilung und welchem Umfeld man sich bewegt.

 

Musicscan: Wie ist es aus Eurer Sicht aktuell um das Genre Hardcore bestellt? So richtig scheint nichts zu gehen und HC ist wieder tief in seiner Nische drin. Wie habt Ihr die Entwicklungen der letzten Jahre erlebt, und was braucht es Eurer Meinung nach, um den Hardcore wieder “populärer” zu machen?

 

Zero Mentality: Ich weiß gar nicht ob Hardcore “populär“ werden sollte, ich würd mir nur wünschen, dass ich mich im Hardcore wieder mehr zu Hause fühlen kann. Allerdings glaube ich, dass Hardcore ein Identitätsproblem hat. Und das liegt, wie ich schon angedeutet habe, nicht zuletzt im Unity-Konzept begründet. Auf der einen Seite sind wir stolz auf unsere Verschiedenheit, auf der anderen Seite wollen wir uns aber auch szeneintern von Anderen abgrenzen. Eigentlich sollte es ja für eine so vielfältige Gruppe selbstverständlich sein, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren, weil man nur so seine volle Kraft entfalten kann. Aber bei dem ganzen Schrott, der unter dem Deckmantel des Hardcore verzapft wird, fällt es oft wirklich schwer ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Man bedient sich heute zwar ab und zu gegenseitig an stilistischen Elementen, aber so richtig will man trotzdem nichts miteinander zu tun haben. Jeder denkt, dass seine Lieblingsband die geilste ist und der Rest nur Dreck. Von dem „unity“ Gedanken „Wir zusammen - gegen die da draußen“ ist wohl nicht mehr viel übrig geblieben…vielleicht liegt es auch daran, dass der Begriff von einigen Protagonisten bis zur absoluten Lächerlichkeit überzeichnet wurde. Naja, aber vielleicht grade deshalb, UNITY!

 

Musicscan: Mit dem Titel der neuen Platte entkoppelt Ihr Euch ja indirekt auch vom HC und der Song, den man auf myspace hören kann, ist einerseits ne starke Hymne und andererseits Hardrock. Setzt sich das in den anderen Stücken der Platte fort? Wie kam es zu dieser Entwicklung?

 

Zero Mentality: Der Black Rock zieht sich auf jeden Fall auch musikalisch durch die gesamte Platte. Allerdings ist Black Rock in sich schon ein so vielseitiges Genre, dass die ganze Platte zwar aus einem Guss ist, aber eigentlich kein Song dem anderen gleicht. ZM ist für alle da und eigentlich müsste auf Black Rock für Jeden und Jede was dabei sein. Aber das ist vermutlich genau das Problem, die meisten Menschen wollen einen Stempel auf der Musik haben, den sie mit ihrem eigenen abgleichen können. Falls diese nicht identisch sind, verlieren sie schnell das Interesse. Und ZM sind irgendwie schlecht einzuordnen. Wir werden jedenfalls weiterhin den Leuten unseren eigenen Stempel aufdrücken.

 

Musicscan: Wenn man als Band seinen Stil beständig weitertreibt und immer wieder verändert, braucht man im Songwriting ja auch einen Mechanismus, der hilft, zu beurteilen, wann ein Song fertig und gut ist. Wie bekommt Ihr das heraus?

 

Zero Mentality: Die Songs sind dann fertig, wenn sie aufgenommen werden. Jede neue Platte ist ja immer bloß eine Momentaufnahme. Man sollte sich zwar genug Zeit zum Schreiben und Optimieren der Songs nehmen, aber irgendwann muss auch mal gut sein. Gibt ja noch genügend andere Songs, die geschrieben werden wollen.

 

Musicscan: Aspekte wie Tempo, Härte, Melodien, Groove etc. Was ist Euch wichtig und was muss ein Song haben, um Euch zu catchen?

 

Zero Mentality: Aspekte wie Tempo, Härte, Melodien, Groove etc..

 

Musicscan: Wieviel Bauchgefühl steckt in Euren Songs? Von den Releases der Vergangenheit würde ich sagen, ihr schreibt vor allem intuitiv und versucht gerade nicht, zu planen. Oder?

 

Zero Mentality: Ich halte nicht viel von Plänen, weil die meisten entweder Scheiße sind, oder sowieso nicht aufgehen. Deswegen versuchen wir so wenig wie möglich zu planen. Beim Songwriting so gut wie nichts, außer feste Probezeiten und selbst die sind variabel.

 

Musicscan: Wie wichtig ist es Euch, mit neuen Tracks immer wieder auch neue Sachen auszuprobieren? Was habt Ihr diesbezüglich für die neue Platte getan?

 

Zero Mentality: Wie sagt man so schön „the only constant thing is change”. Vor bzw. nach jeder Platte wechseln wir den Bassisten und die Instrumente, so stellen wir sicher, dass wir nicht zweimal die gleiche Platte aufnehmen. Zusätzlich nutzen wir jeweils die Ressourcen, die neue Mitglieder mitbringen. Alan z.B. hat Klavier gelernt, deswegen haben wir auf Black Rock, dort wo es zuträglich ist, Klavier und Orgel eingesetzt. Außerdem haben wir mit Sample-Kram experimentiert, unser Freund Joey hat das gemacht, er hat auch schon Songs für Evanescence geschrieben.

 

Musicscan: Es heißt immer, dass es deutsche Bands schwerer haben, sowohl in Deutschland als auch im Ausland Anerkennung zu finden oder überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Teilt Ihr das und welche Erfahrungen habt Ihr diesbezüglich gemacht?

 

Zero Mentality: Das stimmt auf alle Fälle, ist schon seltsam, dass hier teilweise US Bands touren, die gerade mal eine vollkommen durchschnittliche 7inch draußen haben und der Saal geht ab, als ständen da 10 nackte Blondinen auf der Bühne. Das ist echt beschämend, wenn zuvor junge regionale Bands spielen, die den gleichen Stil spielen und tausendmal geiler sind aber nicht annähernd so gute Resonanz bekommen. Manchmal frage ich mich echt, ob irgendjemand den Leuten ins Gehirn geschissen hat, dass sie die Perlen, die vor ihnen liegen, so mit Füßen treten.

 

Musicscan: Ihr seid live über die Jahre immer präsent gewesen: Gibt es Erlebnisse, die im positiven und negativen Sinne besonders nachhaltig hängengeblieben sind?

 

Zero Mentality: Es gibt viele tolle Erlebnisse, immer wieder gerne erinnere ich mich z.B. an eine sehr intensive und denkwürdige Show in Nordhausen (siehe zweites Foto).

 

Musicscan: Was tut Ihr, um von der "Zero Mentality" zurück zu Kraft und Optimismus zu finden? Wie helft Ihr Euren Hörern, das auch zu schaffen?

 

Zero Mentality: Den meisten Menschen ist nicht zu helfen, da können wir rocken wie wir wollen. Das Einzige, was ich immer wieder versuche zu vermitteln ist, dass die Flucht vom Planet der Affen niemals enden darf!

 

Musicscan: Letzte Worte?

 

Zero Mentality: Die Flucht vom Planet der Affen darf niemals enden - Glück Auf !

 







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