29.09.2010 Waldkirch
Gehört: Curse of Society - Till Death do Us part
![]() Till death do us part |
Mit sanften, gar zarten, Pianoklängen empfängt uns "Till Death do us part" das neu erschienene Album von Curse of Society. (Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Scheibe von Cypress Hill) Zerbrechlich und mit klassischer Melodik schmeichelt sich das kleine Klavierthema während des Epilogs in die Gehörgänge des Zuhörers ein um dann nahtlos, im ersten Song "Anubis" in eine brachiales Inferno an Gitarrenriffs und Screamo Parts zu wechseln. Jetzt sind alle wach und kaum wurde der Strom eingeschaltet wird das Tempo schon wieder raus genommen um nach ein paar Takten um so heftiger wieder eingeschaltet zu werden. Gleich zu Beginn wird dem geneigten Zuhörer klar den Jungs geht es um das Extreme. Extreme Taktwechsel, extremer Screamo-Gesang und extreme Vermischung aller möglichen Musikstile. Von Klassik bis Hardcore eben.
Power haben viele Hardcore, Screamo,- oder Metal, – Bands, aber was diese Scheibe so hörenswert macht ist sicher die Konsequenz mit der die fünf Jungs aus Waldkirch ihr eigene musikalischen Vision auf dieser CD umsetzen und so ihr Verständnis von Hard,- und Deathcore an den Mann bringen. Mit dieser Kompromisslosigkeit ecken Curse of Society sicher auch an da sie versuchen bisherige Grenzen zu überschreiten aber hier wurden hohe Ansprüche an sich gestellt und die noch sehr Junge Band zeigt bereits auf dieser ersten Scheibe das sie sich mit halben Sachen nicht zufrieden gibt.
Das sehr ausgefeiltes Songmaterial welches co produziert wurde von Christoph Brandes und Felix Lüneburger erhielt in den Iguana Studios einem wirklich fetten Sound und der war auch nötig um die Komplexität und die verspielten Feinheiten der Songs überhaupt hörbar zu machen. Es wird dem Zuhörer einiges abverlangt um den Songs auch folgen zu können ein Riff,- und Taktwechsel jagt den nächsten, an der Tempi-Schraube wird gedreht bis sie abfällt und es bleibt von Song zu Song kaum Zeit zum Luft hohlen. Curse of Society nehmen einen mit auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen und ihrer Art der Auseinandersetzung mit der Welt oder wie sie selbst über sich schreiben: „In einer Zeit, in der - persönliche Angelegenheiten durch Datenverbreitung und Überwachung zu einem Staatsdelikt werden - Millionen von Jugendlichen Celebrities nacheifern - in der die Musikbranche nur noch Musik aus der Dose mit möglichst viel nackter Haut produziert - die ganze Welt unter einer Krise leidet, welche durch reine Habgier verursacht wurde - und in der es wenig Aussicht gibt, dass sich irgend etwas ändern könnte - schreit Curse Of Society ihre Wut über die Gesellschaft heraus.“
![]() Curse of Society |
Genau diese Wut wird in Songs wie „Anubis“, „Fractures in Her Beauty“ oder „A song near the end“ hör,- und spürbar aber darüber hinaus wird diese Wut auch in sehr komplexer Art und Weise musikalisch behandelt. Ältere Semester werden sich von der Machart her an Mike Pattons „Mister Bungles“, „Fantomas“ oder aber auch an „Dillinger Escape Plan“ erinnern. Um etwas aktuellere Bezüge her zu stellen ließen sich Vergleiche zu „Parkway Drive“, „Killswitch Engage“ oder zu „All that Remains“ herstellen aber dies würde der Band wiederum nicht ganz gerecht werden, hört man sich die Klassisch anmutenden Passagen des sechsten Liedes „The awakening“ oder den Anfang von „Romance“ an. Auffällig die ganze Scheibe hindurch das überaus fingerfertige Gitarrenspiel von Tim Cavak der es immer wieder versteht durch seine Sologitarre Akzente zu setzen die im Ohr hängen bleiben. Während es in „Go to Jail. Go directly to jail...“ wieder in Puncto Geschwindigkeit und Härte richtig zur Sache geht schwingt sich Sänger Kevin Blaese bei „A song near the end“ in ungeahnte Gesanges,- Schrei,- Höhen. Im Prolog dann wird das Thema des Epiloges vom Anfang wieder aufgenommen und von einem Cello unterstützt findet die Platte zurück zu ihrem ruhigen Anfang. Die etwa 40 Minuten dazwischen sind hingegen angefüllt mit der härtesten Urgewalt die den fünf zur Verfügung stand. Zum Vergleich stelle man sich mal bei 650 Sachen mit dem Kopf nach unten in einen Windkanal das dürfte es in etwa wiedergeben.
Abschließend kann man sagen wer bei „Till death do us part“ reines Hardcoregitarrengeprügel erwartet liegt hier völlig falsch, denn den Curse of Society ist hier eine sehr experimentierfreudiges und überaus hörenswertes Album gelungen das allen Liebhabern der progressiven und härteren Gangart ein Genuss sein wird.
Deshalb auch 5 von 6 möglichen Kopfhörern.
Zu bestellen gibt es das Album unter cosconcerts@web.de
Stay Brutal
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