24.09.2012  Bielefeld

Tourtagebuch Herzfeind beim Blackfield-Festival 2012



Herzfeind

Allen Widrigkeiten zum Trotz hatten wir es geschafft! Wir waren für das Blackfield Festival in Gelsenkirchen gebucht, hatten endlich einen neuen Gitarristen (Heiko Brathe) am Start, der genau das ist, was ich gesucht hatte und sogar einen Bassisten (Steffen Knorr), der sich mal eben in 3 Wochen das Bass-Spielen und die Songs aufgedrückt hatte!!

Alles hatte sich wie durch Zauberhand zum Besten gefügt und die Proben haben gerockt wie die Hölle. Ja sogar die deutsche Nationalmannschaft, die gerade gegen Griechenland spielte, siegte (noch) auf ganzer Linie ;)

Beste Bedingungen also für den ersten Gig! Man musste nur noch hinfahren. Und genau das erwies sich als größtes Problem an der ganzen Sache!

Nach einer kurzen Nacht war 3.30 Uhr Aufstehen angesagt. Nein. Nicht der gleichnamige Herzfeind-Song, sondern das wesentlich beschwerlichere physische Sich-Erheben aus dem gemütlichen Bett..

Schon beim apathisch eingenommenen Frühstück nahm das Unheil seinen Lauf.

Eine seltsame SMS unseres Schlagzeugers Stefan ließ uns schlagartig hellwach werden!

Hier der Wortlaut:

„Problem: Musste Rettungsdienst rufen, weil blutender Mann in meinem Keller. Kann erstmal nicht weg!“

Panik! Wir haben doch keine Zeit!! Also gut, wir fahren schonmal hin und zum Glück löst sich die Situation ziemlich schnell auf. Der blutende Mann lag zwar in einer riesen Blutlache, da er von der Kellertreppe gestürzt war, aber er war sonst nicht ernstlich verletzt und wurde von der SMH ins Krankenhaus gebracht.

Also los. Mit Verzögerung zum nächsten Treffpunkt. Zu Janine, einer guten Freundin, die großzügigerweise unser Equipment mit ihrem VW-Bus zum Festival fuhr.

Sauber, dann ab auf die Autobahn. Gesagt getan und alles lief wie am Schnürchen. Der Bus fuhr voran (an Bord Juliane, Janine und Stefan), gefolgt vom PKW (an Bord Steffen, Heiko und Andre). Das Wetter wurde herrlich, die Laune war bestens und bei Kaffee und Snacks gab man sich der Autobahnromantik hin. Bis bei Halle die Autobahn so schlecht wurde das ich mich in dunkelste DDR Zeiten zurückversetzt fühlte. Aber! Es war keineswegs der schlechte Straßenzustand, sondern der in Fetzen aufgelöste rechte Hinterreifen unseres PKW`s!!!

PANIK, Qualm und Gummigestank. Rechts ran. Aussteigen und tief Durchatmen!

Ok, Warndreieck raus und Reifen wechseln. Leider zeigte sich, dass unser Reserverad die Abmessungen einer durchschnittlichen Kopfschmerztablette hatte. Sch... Ein Notrad!! Und mit dem durfte man nur 80 km/h fahren. Nach kurzem Überschlag der Reisezeit bei 80 km/h und der Wahrscheinlichkeit um 6 Uhr morgens mitten auf dem Land eine Werkstatt zu finden, die geöffnet war und den richtigen Reifen hatte, rückte unser Auftritt in unerreichbare Ferne.

Wir „rasten“ dann mit 80 km/h weiter bis zum Parkplatz, auf dem unser Bus auf uns wartete. Nach diversen Zigaretten und Erläuterungen des Unfallherganges ging es weiter. Wir mussten dringend einen Reifenservice finden, um es noch zu schaffen.

Beim Verlassen des Parkplatzes und dem Auffahren auf die Autobahn sagte Steffen zu uns:

„Man das hätte auch ins Auge gehen können vorhin!“…

…während ein schneeweißer Truck hupend an uns vorrüberraste und uns nur um Millimeter verfehlte, weil Steffen mit uns sprach und nicht auf den fließenden Verkehr achtete…Uahhh…

Wir honorierten unseren knapp verpassten Tod in tausend kleinen Stücken mit schallendem Lachen. War das schon Wahnsinn?

Nach unendlichen Telefonaten mit der Auskunft und gefühlten 100 Anrufbeantwortern von Reifendiensten, die geschlossen hatten, kam die Erlösung. Der heilige Gral mit Namen Reifen Service „Thinius in Teutschenthal“. Dieser nette Herr wohnte zum Glück genau über seiner Werkstatt und war sofort bereit uns zu helfen. Gut gelaunt empfing er uns und strahlte aus, dass dies alles kein Problem sei und so war es. Nach einer halben Stunde waren wir fertig und rollten vom Hof. Im Rückspiegel sahen wir den winkenden Retter gekleidet in ein Herzfeind T-Shirt, welches sich wundersamerweise auf die Größe XXL weiten ließ.

„Schlussendlich sind wir angelangt…“ – am Festivalgelände. Nun hieß es, Instrumente per Weitwurf auf die Bühne, kurzer Soundcheck, Umziehen – LOS!!!!

 

Herzfeind

 

 








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