10.11.2009 Karlsruhe
Gesehen: Tommy Emmanuel im Konzerthaus
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So richtig weiß man inzwischen nicht mehr, was man über den australischen Ausnahmegitarristen schreiben soll, ohne sich in Superlativen zu ergießen. Eric Clapton sagte über Tommy Emmanuel, dass er der beste Gitarrist wäre, den er je gesehen habe. Diesem Statement könnte man sich anschließen und es dabei belassen. Aber dies ist natürlich nicht Ziel einer Konzertberichterstattung.
Tommy Emmanuel ist an diesem Abend zum ersten Mal in Karlsruhe zu Gast. Nein, stimmt nicht ganz – er war 1987 schon mal als Gitarist von Tina Turners Backing-Band im Wildparkstadion – das erwähnt er auch und hat scheinbar eine schöne Erinnerung an diese Zeit. Aber zu erstem Mal mit seinem eigenen Programm. Die Karlsruher Konzerthalle bietet den Rahmen für sein Konzert, ein durchaus passendes Ambiente, gediegen und bequem fällt man in die Sessel um in entspannter Atmosphäre den Klängen des Meistergitarristen zu lauschen und sich auf seine Musik einzulassen.
Nach einem Supportmarathon geht es dann los. Vorgruppe sind das Karlsruher Unplugged-Trio „Rolling Drunks“ um den Sänger Horst Jabs. Die Band besteht bereits seit Anfang der 90er und ist aus einem Kneipenprojekt hervorgegangen. Nach ein paar Jahren auf den Pfaden des Heavy Rocks ist die Band inzwischen zum Unplugged-Trio geschrumpft und gab an diesem Abend ein paar Songs des letzten Longplayers zum besten, die größtenteils die Wurzeln im klassischen amerikanischen Singer/Songwritertum bemühte, allerdings teilweise auch mit deutschen Texten. Die Band besteht aus Veteranen der deutschen Musikszene und hatte schon einige Höhepunkte in Ihrer Karriere, selbst die britischen Gitarrenlegende Albert Lee hat sie im Studio schon unterstützt.
Ein zweiter Support, der Tommy Emmanuel auch bei den nächsten Termin begleiten wird, war das aus Dublin angereiste Martin O` Donnel Trio. Auch wenn man nicht viel über das Trio im Netz findet, steht außer Frage, dass die drei Herren an der Geige, dem Knopfakkordeon und die Gitarre zu begeistern wussten. Mit der dem irischen Folk eigenen Mischung aus Lebensfreude, tiefen Emotionen und einfach immer schneller werdenden Melodien schaffte es das Martin O`Donnel Trio das Publikum mitzureißen, es wurde zum Takt geklatscht und man merkte – das gefällt.
Nach einer guten Stunde, wurde die Bühne dann kurz aufgeräumt und nach einer Pause folgte dann das Konzert des lange herbeigesehnten Tommy Emmanuel. Seine charismatische Erscheinung sowie seine wirklich sympathische Ausstrahlung machen es zu einem Wiedersehen unter Freunden. Er ist bekannt für seine außergewöhnlichen Akustikversionen alter Beatles-Klassiker wie „Lady Madonna“ sowie „Michelle“, die er auch im Laufe des Abends zum Besten gibt. Auch Eigenkompositionen wie „Angelina“ wurden gespielt, bemerkenswert ist der Anteil der Songs, bei denen er singt. Stärker und gereifter als noch auf seiner Tour 2007, von der Regiomusik berichtete. Eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Les Paul lässt er sich nicht nehmen, zumal der amerikanische Gitarrist mit Chet Atkins sicher zu seinen größten Einflüssen zählt.
Der krönende Abschluss ist erreicht, als am Ende des über 2-stündigen Sets das Martin O`Donnel Trio noch mal auf der Bühne begrüßt wird und Tommy Emmanuel mit den 3 irischen Musikern 2 Songs in deren Irish-Folk-Style spielt.
Tommy Emmanuel wird hoffentlich noch öfters nach Karlsruhe kommen, beim nächsten Mal reicht das Konzerthaus wahrscheinlich nicht mehr aus – Qualität von dieser Güte setzt sich eben immer durch.
Alexander Wernet




