14.10.2009  Karlsruhe

Gesehen: Leroy Stagger & Melanie Dekker / Jubez KA



Leroy Stagger

Ein bisschen traurig sind die kalten Oktoberabende. Der Sommer ist endgültig vorüber, die Temperaturen gehen Richtung Null Grad, es wäre also genau die richtige Zeit um wieder in kuscheligen Clubs zusammen zu kommen und warmherzigen Künstlern zu lauschen, die alles was einen Menschen so bewegt zu eingängigen Songs verdichtet haben.

 

Leider reicht ein Blick in den Konzertsaal des Karlsruher Jubez aus, um diese Annahme Lügen zu strafen. Offenbar bleibt vom großen Enthusiasmus für handgemachte Musik jenseits von „Das Fest“ in Karlsruhe nicht mehr viel über. Daher finden sich wieder die üblichen Verdächtigen aus Pressevertretern und Musikliebhabern ein, (das eine schliesst das andere nich aus!) um den beiden kanadischen Acts an diesem Abend einen warmen Empfang zu bereiten.

 

Kein Support war an diesem Abend Leroy Stagger. Sowohl von der Spielzeit als auch der Qualität der Darbietung ist der Kanadier mit seiner 3- köpfigen Band, den Wild Flowers, an diesem Abend der ebenbürtige Partner, der den Abend eröffnet. Wandelnd auf klassischen Singer/Songwriterpfaden a la Bob Dylan oder Neil Young versteht Stagger es, eine Stimmung zu erzeugen, diese durch eine sehr dichten Bandsound zu intensivieren und letztlich auch von Song zu Song den Schalter umzulegen. Was sehr ruhig, melancholisch und teilweise düster beginnt, nimmt immer mehr Fahrt auf und am Ende von Staggers Set bereut man die Bestuhlung des Jubez an diesem Abend. Leroy Stagger bleibt zwar in seinem fest abgesteckten Rahmen mit Roots Rock & Americana, aber zum Ende scheint er doch noch rocken zu wollen. Da ist das Set aber auch schon zu Ende! Schade.

 

 



Melanie Dekker

Nach der obligatorischen Umbaupause betritt Melanie Dekker und ihre Band bestehend aus dem Bassisten David Marion und dem Gitarristen Stefan Rapp die Bühne. Eins vorweg: Die beiden Musiker begleiten Melanie Dekker nicht, sie veredeln die Songs. David Marion mit seinem sehr einfühlsamen Spiel, die Songs sind eher ruhig angelegt. Zu den Highlights muss man aber wirklich Stefan Rapps absolut präzises und ideenreiches Gitarrenspiel zählen. Melanie Dekker bewegt sich größtenteils im Pop mit hörbarem Countryeinfluss und Konzerte mit Größen wie Diana Krall oder Bryan Adams haben vielleicht Ihre Spuren hinterlassen. Contemporary Adult ist sicher ein Stichwort, beschreibt es doch die Segmentierung im Musikmarkt für diese Art der Musik: Erwachsenes Songwriting für anspruchsvolle Zuhörer. Melanie Dekker liefert ab, handwerklich über jeden Zweifel erhaben bringt sie für eine gute Stunde den Sommer wieder nach Karlsruhe zurück – beim Anblick Ihres Sommerkleides zu hohen Stiefeln hebt man allerdings kurz mal eine Augenbraue. Vielleicht wurde sie vom schnell zupackenden Winterwetter überrascht?

 

Melanie Dekker ist an diesem Abend nicht zum ersten und sicher auch nicht zum letzten Mal zu Gast in Karlsruhe, bleibt also nunmehr zu hoffen, dass sich beim nächsten Mal noch ein paar mehr Freunde von erwachsener und intelligenter Popmusik einfinden um Melanie Dekkers Songperlen zu lauschen.

 

Alexander Wernet, Karlsruhe

 

 













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