13.10.2011 Basel
Gesehen Casper "Der Druck steigt – Tour" im Sommercasino Basel
![]() Vierkanttretlager Fotos Stefan Schneider |
Auf 21 Uhr ist die Schlange vor den Türen des Sommercasino Basel lang und nicht nur der Chill-Out Bereich des Soca’s gut gefüllt. Im Konzertsaal läuft gute Musik, die Bar zapft fleißig und die Leute füllen von vorne nach hinten bestens gelaunt den Club. Es ist kurz vor dem Casper Konzert Beginn, die Stimmung ist gespannt und gelassen zugleich. „Wuusa verdammt noch mal“ fordert ein letztes Mal der Sänger aus der Playlist und die Band Vierkanttretlager gibt direkt Vollgas.
Der Sound treibt und ist tanzbar. Eine knappe halbe Stunde gibt es Indie mit ordentlich Rock auf die Ohren. Ganz im Stile von Bands die selten, aber zum Glück vorhanden sind: Tomte, Kettkar, Tocotronic und Konsorten - gehaltvolle deutsch-Lyrik; Lieder mit Inhalt und Sinn, Texte in Metaphern und Bildern. Das Publikum nimmt die etwas unerwartete aber passende Musik tanzend an. Vierkantregler glänzen mit einigen zwischen-den-Zeilen Phrasen, die zum zuhören, schmunzeln und assoziieren anregen. Passt. Einige Bassriffs stechen raus und auch die Leadgitarre gefällt. Also geht es mit dem Fazit „Gute Band“ in die Raucherpause.
Diese aber nur ganz schnell, denn mittlerweile ist es eng im ausverkauften Konzertsaal und die gute Sicht auf die Bühne und Band ist doch durchaus reizvoll: Die Band um Casper macht einen kurzen, routinierten Soundcheck, Gitarre und Bass werden gestimmt, die Drums gerichtet, die Keys gecheckt und die Samples gedrückt. Dabei fällt ein zweites Mal die gute ‚Zwischenmusik’ auf, die seit Vierkantregler wieder im Hintergrund läuft. Coldplay spielt Fix You, ein kribbeln liegt in der Luft und es fühlt sich so an, als ob es gleich los geht. Hups, Plattensprung– es geht los.
![]() Casper Fotos Stefan Schneider |
Licht aus, die Leute jubeln.
Vier Wölfe legen los und der Druck steigt. Unglaublich was plötzlich für eine Atmosphäre herrscht. Düster, gut, abwartend, gebannt und gespannt... hier herrscht seit dem ersten Ton nicht nur eine gewaltige Atmosphäre, hier herrscht schlagartig eine andere Welt. Blaues Licht, Nebel. Die Band trägt große Wolfsmasken mit Scheinwerfern als Augen und fixiert mit leuchtenden Blicken die Menge. Tighter Sound den die Band dem Publikum währenddessen mit diesem fesselnden Intro vor die Füße legt. Casper kommt auf die Bühne und sie gehört ihm. Er zählt mit großer Geste von drei auf eins, dann die erste Zeile, jeder weiß: „Der Druck steigt!“
Alle Arme sind oben, die Leute sind absolut und voll dabei. Die Band Casper, das Bühnenbild, das Licht und die Worte reißen einen endgültig in 70 Minuten Konzert. Show, Präsenz und Authentizität. Und ständig stechen Zeilen raus. Casper selbst ist während des ganzen Abends permanent am abrocken, ausrasten, explodieren und total darin aufgehen. Er catcht sein Publikum. Vom coolen Mädchen bis hin zu den noch cooleren Jungs – jeder macht mit, alle sind dabei und spätestens nach dem „Grizzly“ Lied ist jedem und jeder heiß. Übrigens ein sehr vielfältig und gemischtes Publikum, sogenannte „Liebe Menschen aus Basel“, über die sich Casper ehrlich freut. Er genießt seine Fans und feiert mit ihnen. Vorne die ab 16 aufwärts, hinten die Riege der Mitte zwanzig steigend. Spätestens seit dem Wall of Death zu Rock’n’Roll und Ramones ist diese „Ordnung“ jedoch absolut aufgeschmissen. Feierei und Rebellion.
Schön sind die kurzen aber charmant und sympathischen Ansagen. Nicht zu viel und keinesfalls zu wenig. Mal Witz, Mal Ernst, Mal Songbezogen und immer „alle Arme hoch“. Mit jedem Stück mehr, wird hier enorm gute (Rock-)Musik sowie ein unglaublich gutes Konzert - all inclusive - geboten. Casper, bzw. Benjamin Griffey ist ein Songwriter und Vollblut-Musikmensch der ausgiebig mit dem Talent geknutscht hat, denn während seiner Konzerte lebt er seine Lieder und das ganze drum herum. Touché - seine Worte und Kontext treffen direkt zwischen Herz und Kopf , ins Ohr.
Casper gehört sich anzuhören, bestenfalls Live. Dort bietet er sehr perfekt unperfekte Konzerterlebnisse mit Nachwirkung, denn nicht nur die Stücke schinden Eindruck. Im Falle des Sommercasino auch in genau dem richtigen Clubformat und Atmosphäre. Hier sei auch noch die Lichtausstattung und Technik des Sommercasinos gelobt, zusätzlich zum Casper-Equipment gleich doppelt wirkend.











