01.03.2010 Lörrach
Gesehen: Abschiedskonzert FEAR MY THOUGHTS
![]() Fear My Thoughts |
Mit dem jüngsten Album “Isolation” hatten sie 2008 schon den Death-Metal zu Grabe getragen. Nach dem letzten Konzert vergangenen Freitag im Wasserwerk folgt nun die ganze Band: Never ever FEAR MY THOUGHTS again. Zum Abschluss ein absolut würdiges, aber doch eher unspektakuläres Konzert.
Die Location für den Last Blast ist das Alte Wasserwerk in Lörrach. Schließlich feiert man seinen Abschied ja am liebsten mit alten Freunden. Und die ältesten kommen im Fall von FMT nun mal aus dem Südbadischen zwischen Rheinfelden und Freiburg. In Rheinfelden haben sich FMT vor 13 Jahren gefunden und der Dioxin City mit ihrem brachial-melodiösen Hardcore schnell das Fürchten gelernt. Ende der 90er war die Hardcore-Szene um FMT und andere Bands in Rheinfelden schwer aktiv, inzwischen ist der allerletzte Rheinfelder-Club, der auch mit viel Wohlwollen nur als Musikgastätte zu bezeichnen wäre, von der Schließung bedroht. Was FMT wiederum wenig ausmachen wird, schließlich waren sie eine der wenigen Bands aus der “Regio”, die im vergangenen Jahrzehnt den Sprung geschafft und von Summerbreeze bis With Full Force deutsche und internationale Metalbühnen bespielt haben.
Bildergalerie
![]() |
Auch die beiden Vorbands an diesem Abend gehören zu den “guten Freunden”, die nicht fehlen dürfen. IRA und Deadlock haben FMT auf diversen Touren begleitet. Liebgewonnene Leidensgenossen, die zu Recht das letzte Geleit geben. IRA aus Konstanz ist in diesem Fall eher für den Trauermarsch zuständig, auch wenn dieser in komplexen 10-Minuten Songs daherkommt. Die dichte, atmosphärische (Rock)-Musik ist melancholisch, getragen, düster. Im Zusammenspielt mit der Videoperfomance, die mit abstrakten und verstörenden Bildern fesselt, ein emotionale Talfahrt voller Höhepunkte. DEADLOCK, die auf ihrem jüngsten Album “Manifesto” ein Melodic-Death-Metal-Feuerwek abfeiern, sind genauso “alt” wie FMT, denken aber angesichts großer Erfolge und Touren durch Russland und Japan lange nicht ans Aufhören. Der straighte aber sehr abwchslungsreiche Sound schlägt ein, der weibliche Gesangspart harmonisiert perfekt mit dem Growlen von Sänger Johannes Prem.
Dann endlich zurück auf der Heimatbühne zeigen FMT, was sie groß gemacht hat. Melodic-Death-Metal vom Feinsten, schnell, hart, virtuos und wütend. Den alten Freunden im restlos ausverkauften Wasserwerk gefällts. Und auch für die Fans, die erst durch das wesentlich rockigere und melodiösere Album “Isolation” zu FMT gefunden haben, ist was dabei. Schließlich steht mit Martin Fischer jener Sänger auf der Bühne, der FMT eine neue und melodiösere Stimme gegeben hat. Mathias von Ockl, der 10 Jahre lang Stimme und charismatisches Gesicht der Band war, ist ann diesem Abend nicht dabei. Mit seinem Abschied 2007 hat es wohl den größten Schnitt in der Geschichte der Band gegeben. Obwohl FMT schon immer alles andere als Stilpuristen waren, liegen zwischen dem Death-Metal-Werk “Vulcanus” und dem schon angesprochen “Isolation” Welten. Verdammt gut sind beide Alben, die bei Century Media erschienen sind. Den einen gefällts mehr, den anderen weniger. Und wieder andere erinnern sich gerne an die wilden Jugendtage, wo mit experimentellen Hardcore auf “23” noch Provokation und Inhalt im Vordergrund standen. Letzgenannte dürften sich über die kurze Retrospektvie mit dem ehemaligen Schlagzeuger Alexander Kovats gefreut haben.
Ein andere hat auch gefehlt: Markus Ruf, der die letzten 9 Jahren zusammen mit Patrick Hagmann für fiese Riffs und schnelle Metal-Licks verantwortlich war. An den musikalischen Differenzen, die für FMT nun das Ende bedeuten, dürfte es wohl kaum gelegen haben. Einvernehmlich und wohl mit einer gewissen Erleichterung, das alles ein Gutes Ende nimmt, habe man sich getrennt. Und scheint sich schon auf neue Projekte und musikalische Experimente zu konzentrieren. Im Fall von Schlagzeuger Norman Leonhard auf die Schweizer Metalband TRYPTIKON und zusammen mit Martin auf die neu gegründeten PIGEON TOE. Und auch die Saitenfraktion wird mit neuen Projekten starten. Man darf gespannt sein. FEAR MY THOUGHTS schweigen nun, aber von den fünf Vollblutmusikern wird man in naher Zukunft wieder einiges zu Hören bekommen.
Sebastian Drescher
Fotos: Benjamin Kauschinger
www.myspace.com/fearmythoughts












