27.07.2010 London
Gehört: MYSTERY JETS "Serotonin"
Gefallsüchtiger Pop
![]() Serotonin |
Es ist ein paar Jahre her, da rockte eine kleine Band aus London das Vorprogramm der Arctic Monkeys Deutschland Tour mit einer Mischung aus spinnertem Indierock und psychedelischem Pop. Das Debüt dieser Band war ein brandheißes Stück Musik, dass sich den damals üblichen Britpop 2.0 Klischees verschloss und ein paar der aktuell packensten Songs der Insel enthielt. Die Tatsche das in dieser Formation noch Vater und Sohn Seite an Seite zusammen musizierten, schüttet noch mehr Öl ins lodernde Feuer und schon bald waren die Mystery Jets - so hieß die Kapelle – in aller Munde
Jahre später – nach drei ausgesprochen guten Alben, etlichen Touren und Shows und dem Ausstieg des „Papas“ Henry Harrison“ steht nun das vierte Album „Serotonin“ in den Läden und man kann sich nur wundern, was aus dieser Band geworden ist. Anstatt kantigem Indierock, der sich gerne mal in sphärischen Klangwolken und schroffer Dynamik verliert, spielen die Mystery Jets nun gefallsüchtigen Poprock, den die Killers nicht pathetischer und die Scissor Sisters nicht glitzernder hinbekommen könnten. Von der schmachtenden Pianonummer „It´s too late“ bis zum treibenden Rocker „Lady Gray“ ist „Serotonin“ grenzenlos melodieverliebtes, pompös wallendes und über alle Maßen pathosgeschwängertes Sammelsurium an Songs, die nach der großen Bühne und dem internationalen Erfolg schreien. Dass dabei die Intimität der frühen Alben und das warme Gefühl, eine Band und ihre Musik so richtig ins Herz schließen zu können, auf der Strecke bleiben, ist verständlich. Denn trotz all der großen Harmonien und der Tanzbarkeit von „Serotonin“ bleibt man seltsam unberührt zurück und fühlt mehr Distanz als Nähe zu einer Band, die sich mit einer Flucht nach vorne solch Schmachtlern wie Keane und Snow Patrol mit rasenden Schritten nähern.
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Christian Hautz




