16.06.2010 Freiburg
Gehört: ESC "Eight Thousand Square Feet"
![]() ESC |
Da sind sie nun zurück; ESC aus dem schönen Portugal. Nach ihrem Hammer-Album “Enhancer“, folgt nun das ebenfalls konzeptionell aufgebaute „Eight Thousand Square Feet“, an dem Gäste wie Jan L. (X-Fusion) und Carsten Jacek ( [:SITD:] ) mitgewerkelt haben.
Zwölf Songs zählt das gute Stück, dessen Booklet ein Comic ist, welches die Geschichte der Lieder unterstreicht. Auch auf ihrem Neuling haben Hypecrash, Chainheart, Glamour Diesel und IDK wieder alles gegeben. Warum „Eight Thousand Square Feet“ trotzdem ein gewisses Fragezeichen hinterlässt, nun im Detail:
„Concrete“ macht den Anfang.
Das Intro piepst, um auf 00:20 den Vorschlaghammer raus zu holen, und einen kleinen Rundumschlag zu starten. Auch die Vocals, verzerrt, tief und richtig schön böse, leisten ihren Beitrag dazu, dass man auf Mehr gespannt ist. Der Song macht einen Höllenspaß, hat ordentlich Feuer unter den zerrissenen Hemden, und treibt einem die letzte Kühle des langen, feuchten, Frühlings aus den Gliedern. Die ruhige Schlussphase lässt einen dafür wieder genießerisch zu Atmen kommen. Überhaupt stellt man fest, dass der Mix zwischen purer Aggression und Stimmung sehr gut ausgewogen ist. Von Lied zu Lied, und auch in den Songs selbst.
Der Titeltrack erinnert, man möge es mir verzeihen, gerade an die deutschen Kollegen von KALTLICHT. Sonst meckere ich aber nicht, denn „Eight Thousand Square Feet“ ist einer der (!) Tipps der Platte. Piano-Voice Sequenzen bieten Luft zum durchatmen, wenn man sonst von Beat und Synth doch eher gejagt wird. Eine technotische, electro-verliebte Hatz durch den Kopf eines Mannes der allmählich verrückt wird. Über die Länge des Outro kann man sich gewiss streiten. Jenes ist auch einer der Punkte, die das oben genannte Fragezeichen enthüllen. Der eine oder andere Track hat eine – teils denzente, teils auffällige – Überlänge. Böses Wort! Ich weiß! Aber hier geht es ja auch um böse Musik von, für, und mit bösen Menschen.
Vielleicht liegt es an der, auf Dauer, zu monoton wirkenden Wahl der Beats, den offenbar favorisierten Effekten derer ESC sich bedienen, oder daran dass die Pausen, Synkopen, wie-auch-immer, die die Struktur der Lieder lockern, selten sind, und dadurch ein gefühlter eine Lücke zu sein.
Dauerschleifeneffekt entsteht. Man kann sich darüber streiten.
Nichts desto trotz, ist der Titeltrack eine Empfehlung, ebenso wie der nachfolgende „Correcting Gods Design“. Tief, teuflisch schnell, wütend. Haarnadelspitze Synths verwandeln das Innere der Boxen in ein Nadelkissen, die stark verzerrten, gurgelnden, Vocals kommen einer finsteren Bedrohung gleich. Schon beim ersten anhören möchte man wie angestochen hopsen, die langen Haare schütteln, und richtig Fun haben. Ja, ESC machen Spaß, gehen gnadenlos nach Vorne, und lassen den Schweiß in Strömen fließen. Jetzt fehlt nurnoch eine amtliche Lightshow!
Mehr in sich gekehrt, was die – wie zufällig mitgehörten – Vocals angeht, ist Track Nummer Fünf. „Raiva“. Daneben, das stimmungsvolle und doch nicht minder treibende und energische, „Proprioception“, setzt elegant-prügelnde Akzente. Während ich noch grübele wann wohl die erste Band der dunklen Szene von den allseits verfluchten Vuvuzelas Gebrauch machen wird, donnert schon „Le Voyage Dìvoire Sophisme“ (feat. X-Fusion) aus dem Lautsprechern. Da hat jemand seine Schoki nicht bekommen. Unverkennbar. So böse, so aggressiv, kann man ja sonst kaum werden. Aber Spaß beiseite.
Ein weiterer Tipp des dritten Kindes von Eden Synthetic Corps ist „-48°C“. Man fröstelt tatsächlich etwas wenn man dem, vergleichsweise, ruhigen Song zuhört. Jedoch, das bereits angesprochene Fragezeichen kehrt zurück, und verlangt nach Aufmerksamkeit.
Spätestens bei diesem Electro-Eisregen nämlich geht einem auf, dass ESC tatsächlich favorisierte Effekte haben. Haben müssen! Liegt es wirklich am Konzept? Ist es gar gewollt? Möglich ist es, aber es ist einfach ein Faktor der, für meine bescheidenen Begriffe, das Gesamtbild trübt.
Man will jetzt nicht immer auf den roten Knopf drücken auf dem „Innovation“ steht, denn der wäre mehr als unpassend! Aber, etwas fehlt. Man kann nicht genau sagen was, aber irgendwie scheint da Zu einem gewissen Grad schließt die Lücke sich, wenn „The Grand Atrium Of Light“ auf den Plan tritt. Ab etwa 02:25 setzt hier, für kurze Zeit, ein herrlicher, ungewöhnlicher, und einfach grandios gewählter Gesang ein! Davon will man mehr, und eben solche Details sind es dann auch, die all das Lob für ESC rechtfertigen, und „Eight Thousand Square Feet“ zu einer kleine Perle machen.
Unter dem Strich:
Der dritte Wurf von Eden Synthetic Corps ist ein Schmankerln für die Freunde harter, schneller, tanzbarer, und stimmungsgeladener Musik. Die Tipps sind „Concrete“, „Eight Thousand Square Feet“, „Correcting Gods Design“, und „The Grand Atrium Of Light“. Ob man sich jetzt über Überlängen, eine Form von Monotonie, oder ähnliches auslassen will...Es ist Geschmackssache, ganz klar. In „schlecht, weil -“ kann man diese Schönheitsfehler einfach nicht einteilen, denn sie scheinen, trotz allem, genau ins Bild zu passen.
Somit kann man das Fragezeichen ja auch in Lightshow integrieren, und einfach aus vollem, dunklen Herzen genießen was die vier Herren aus Portugal vorlegen.
Prädikat; Well done!
nein*


