Regiomusik das Musikportal: Westbam steigen bei Mayday aus


06.02.2014  Dortmund

Westbam steigen bei Mayday aus



Westbam

WESTBAM, Gründer der Mayday – der "Mutter aller Raves" - gibt seinen Ausstieg aus Deutschlands ältester Rave-Veranstaltung bekannt. Dies gilt für seine Beteiligung als DJ und auch für das Projekt Members of Mayday. Lest hier das offizielle Statement von Westbam zu seinen Ausstieg.

 

WESTBAM, Gründer der Mayday – der "Mutter aller Raves" - gibt seinen Ausstieg aus Deutschlands ältester Rave-Veranstaltung bekannt. Dies gilt für seine Beteiligung als DJ und auch für das Projekt Members of Mayday. Lest hier das offizielle Statement von Westbam zu seinen Ausstieg.

 

 

Members of Mayday und WESTBAM steigen bei MAYDAY aus!

 

OFFIZIELLES STATEMENT VON WESTBAM

 

Hallo,

hiermit gebe ich meinen Rücktritt von allen Mayday Veranstaltungen bekannt. Dies gilt für meine Beteiligung als DJ und auch für das Projekt Members of Mayday. Grund ist meine über die letzten Jahre immer tiefer werdende menschliche und künstlerische Entfremdung mit den jetzigen Betreibern von Mayday, der Firma I-Motion und der Veranstaltung Mayday selbst. Oder besser: Mit dem, was I-Motion aus Mayday gemacht hat.

 

Seit meine Partner (Low Spirit und Frontpage) und ich 1991 Mayday gegründet haben, habe ich als einziger Künstler an allen ca. 60 Mayday-Events teilgenommen, die es bis heute in Deutschland, Polen, Russland, Weißrussland, Ungarn, Spanien, Mexiko, Belgien gab. Zusammen mit meinem Projekt Members of Mayday stand ich, auch in den Jahren, als das Event nicht mehr von meiner eigenen Firma veranstaltet wurde, sondern von I-Motion übernommen worden war, für eine fortlaufende Linie, die das Event von den frühen Jahren der Techno/House/Rave Kultur bis in die Jetztzeit verband. In den letzten Jahren hatte ich zunehmend das Gefühl, dass diese Tradition von der I-Motion weder besonders geachtet wird, noch das man sich bemüht etwas von dieser Tradition fortzuführen.

 

Ich hatte das Gefühl, dass meine Präsenz und das Weiterführen des Members of Mayday Projektes der Firma I-Motion vor allem dazu dient, den Anschein zu wahren, dass die original Mayday-Idee noch weiterlebt, weil man geschäftliche Nachteile befürchtete, wenn deutlicher zu Tage träte, was in Wahrheit los ist. Mir kam die Rolle zu, ein Alibi zu liefern. Ich habe keine Lust mehr, diese Alibirolle zu spielen.

 

Dass I-Motion nun die Mehrheit ihrer Geschäftsanteile an Mayday an einen amerikanischen Konzern verkauft hat, wie in der Presse zu lesen war, macht mir die Sache nicht sympathischer. Denn: dass der amerikanische Konzern für irgendwelche Werte eintritt oder gar eine größere Sensibilität für Mayday bzw. die europäische Technokultur mitbringt als I-Motion, ist nicht zu erwarten. Jetzt, zum Abschluss, möchte ich meine Kritik an I-Motion und ihrer Mayday Politik noch einmal konkretisieren. Nicht um Nachzutreten, sondern weil es das Letzte ist, was ich für einen Event tun kann, der viel für Technokultur getan - und in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt hat.

 

Musikpolitik:

Ich hatte aber bei Weitergabe von Mayday an I-Motion gehofft, dass neben dem Trademark und der Mayday Rakete auch etwas von der Mayday Idee, nämlich: das Neueste von „House und Techno“ an einem Abend aufeinander prallen zu lassen, übrig bleibt. Stattdessen wurden die Hallen nach dem Nature One-Prinzip „flurbereinigt“. Was mehr oder weniger hieß:

 

Halle 1: Trance. (Großraumdisco-kompatibler „melodiöser“ Sound)

Halle 2: Schranz (harter, perkussiver Techno)

 

Da die meisten Neuerungen im Land der elektronischen Tanzmusik der letzten 10 Jahre aber weder in das eine noch das andere Format passten, fanden diese Neuerungen, für die die Veranstaltung mal gegründet worden war und die den Kern der Mayday Idee ausgemacht haben, einfach nicht mehr statt. Stattdessen schien das ewige Motto zu sein: „Augen zu und weiter so.“. Zur Ergänzung des formatierten Musikkonzepts der Hallen 1 und 2, wurden noch zwei weitere Formate hinzuaddiert: eine Hardcorehölle und eine Classicshalle. Was sicherlich eine „Weiterentwicklung“ im Sinne einer perfekten Technoabfütterungsmaschine darstellt, aber bestimmt keine Weitentwicklung im Sinne von: neuen Platz für musikalische Innovation zu schaffen. Und die Mayday Tradition heißt: „Forward Ever, Backward Never“.

 

Artwork Ich möchte kurz daran erinnern, dass es zu unserer Zeit sogar geglückt ist weltbekannte Künstler wie Andreas Gursky für ein Layout mit ins Boot zu holen. Wenn ich das mit den heutigen Layouts vergleiche, ist das nicht eine Frage von unterschiedlichem Geschmack, sondern von objektiv gesunkenem Niveau.

 

Quelle: Universal Music

 








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