Regiomusik das Musikportal: Gehört: Regiolution-Sampler vol.2


21.02.2007  Freiburg

Gehört: Regiolution-Sampler vol.2



REGIOLUTION 2007

Endlich ist es soweit, die Regiolution geht in die zweite Runde. 21 Bands zeigen, was unsere Regio so zu bieten hat und das kann sich mehr als sehen lassen. Sowohl stilistisch als auch qualitativ ist auf diesem Sampler ne ganze Menge geboten, wobei der Schwerpunkt klar auf gitarrenlastiger Rockmusik in all ihrer Vielfalt liegt. Viele der Bands sind REGIOMUSIK-Kennern natürlich alles andere als unbekannt.

 

Die Compilation beginnt mit den JACUZZI PIRATES, die die Ehre haben den Regio-Reigen mit einem straighten Punk-Klopfer zu eröffnen, der schonmal Lust auf mehr macht. WACKY FLASH legen ganz gut los und bringen eine ziemlich tight gespielte Reggae-Nummer mit Ska-Refrain, das sorgt für Abwechslung und kommt auch sehr authentisch rüber, was den anderen Ska-lastigen Bands leider nicht unbedingt gelingt. Ganz groß ist der "Großstadtkrieger" von den FINAL KINGS! Korngitarren mit gefühlvollem deutschem Gesang. Was sich hier ziemlich furchtbar liest ist ein Hammer-Song in einem ausgefeilten Arrangement mit einem fetten Sound. Respekt! BLUE ROCKIN haben schon vor Größen wie DR. FEELGOOD gespielt und bringen 50s-Surf'n Roll mit einem rauhen Garage-Einschlag, sehr puristisch und klassisch. Ein weiteres Highlight ist "Und schon wieder", ein Gitarrenpopkleinod von den "Sofarockern" INDIR. Eine nette Orgel lullt sich in den Gehörgang und macht es sich dort breit, danach kommt die Gesangslinie und schwupps: sie haben einen! Ein perfekter und auch radiokompatibler Popsong ist den Jungs aus Worms und Wiesbaden da gelungen, der sich hinter den Sportis oder den Tocos nicht zu verstecken braucht. Nicht zu glatt und somit auch nicht anbiedernd. Bin begeistert!

 

Die Schweine-(Punk)-Rock-Fraktion wird ebenfalls gut bedient mit der Band BUTTHOLE DISTORTION. Der Name könnte eine Kombination aus den Namen der Kultbands BUTTHOLE SURFERS und SOCIAL DISTORTION sein. Insbesondere letztere könnten durchaus ein Einfluss sein, allerdings sind die Schopfheimer eine ganze Ecke spaßiger als die doch eher der ernsteren Seite des Lebens zugewandten Jungs um Mike Ness. BUTTHOLE DISTORTION steuern mit "Death and Beauty" eine bierselige Sleaze-Rock-Hymne zum Mitgrölen und Faust-in-Richtung-Schopfheim-strecken bei. MADSTATEWORLD gibt es schon seit 2001 und kann mit einer sehr klaren eigenständigen Bandidentität aufwarten, die an Noise-Emo-Helden wie SPARTA erinnert. "Faster and Further" ist der emotionalste und musikalisch für mich tiefgehendste Song auf dieser Kollektion. Mit dem besten Song aus der Sparte Punk beehren uns SIDESHOW, die Melodic-Punk im Stile von NoFX oder den Donots spielen. "Final Fuck" kommt in der Live-Version und man kann nur sagen: Wow! SIDESHOW sind wohl die dienstälteste hier vertretene Band, sie existieren nämlich bereits seit 1998. KEINE AHNUNG, eine Mädels-Band aus Lörrach, haben sich ein RAMONES-Riff geschnappt und nen deutschen Songtext drübergelegt, der genauso dämlich ist wie der Bandname. Man erwartet nach den ersten Textpassagen das Schlimmste, aber das Gegenteil ist der Fall. Der Vierer entwickelt mit seiner Unbekümmertheit und dem auf jeden Fall hörbaren Spaß an der Sache einen nahezu unwiderstehlichen naiven Charme (herrlich schiefe Backgoundvocals), dem zumindest ich mich kaum entziehen kann. Muss man glaub ich unbedingt mal live antesten! Kommen wir zu FUNGIZZ, die einen spannungsgeladenen, sehr cleveren Rocker abliefern, der trotz des Titels (der quasi danach schreit) nicht ausbrechen will, ganz schön gemein. Bei HEAVY FAMILY, einer zweifellos guten Band, die auch einen hervorragenden Song geschrieben hat, wirkt der Gesang leider etwas bemüht, es wird versucht zu viele Worte in das enge Songkorsett zu quetschen, Flow kann man das leider überhaupt nicht nennen, man kann aber erahnen wie der Song klingen könnte und das lässt hoffen. Hochprofessioneller Dub ist auf der Scheibe ebenfalls vertreten, SAMADHI haben einen Track in das Herz des Samplers, die Mitte, gelegt und man kann zwischen all dem lauten Gitarrengedröhne mal etwas entspannen und Luft holen für die zweite Hälfte. Mit "I don't care" (sehr beliebter Song-Titel) gibt es einen weiterern Ska-Titel, diesmal von RATHER DIFFERENT, den Drittplatzierten beim MSC. Der 7-köpfige Trupp bringt ihn live und er ist eine ziemliche Fun-Granate. Unangenehm fällt der (bei sehr vielen Bands vertretene aber hier besonders auffällige) starke deutsche Akzent des Sängers auf, der bei dieser Art von Musik doch etwas merkwürdig anmutet. ROUGH LINGO treten dem alten Crossover-Gaul mit "Ya-Yeerid" sowas von in den Arsch, dass es kaum zu glauben ist. Der Rapper legt einen Flow hin, dass es selbst Zack de la Rocha die Rastas vom Schädel pusten dürfte. Die Gitarrenarbeit ist sehr eigenständig und der Twang-Sound passt hier hervorragend. Der "Pussyrock" von SABOTAGE ist auch sehr nett anzuhören, nur werden sich am aufgesetzten Gesang wohl die Geister scheiden: entweder man liebt ihn oder man findet ihn unerträglich. Ich gehöre zur letzteren Fraktion, davon aber abgesehen agieren die Lörracher auf hohem Niveau. Die nächste Band ist mit Sicherheit Fan von GIANT SAND, ihre herrliche Hommage an "Barcelona" kann man in ihrer charmanten Zerrissenheit mit all ihren Ecken und Kanten nur als wunderschön bezeichnen. Lässig wie Lou Reed und Howe Gelb zusammen erschufen YOU? SPY! hier eine Perle des deutschen Indie-Rocks. EMERGE spielen amerikanischen Middle of the Road-Hard Rock und bringen wie immer Qualität, ich habe nichts anderes von euch erwartet, Jungs! "It is enough". Quatsch, noch nicht! Freunde der progressiven Klänge, insbesondere PORCUPINE TREE-Fans, sollten sich unbedingt "Changes" von DWELL anhören. DOWNSTROKE machen es einem etwas schwierig , da sie einen Song mit einem sehr ausgereiften Part und einem nicht so gelungenen Part präsentieren. Ich nehme an, dass dieser Gegensatz gewollt ist und die textliche Ebene untzerstützen soll, musikalisch passt das aber meines Erachtens gar nicht, die Strophen wirken auf mich sehr unausgegoren und unpassend zum sehr guten Rest. Schade drum. Der Metal ist mit BLACK FUEL vertreten, von denen großzügigerweise der Titeltrack ihres neuen Albums verwendet werden durfte, ein sehr abwechslungsreiches Stück mit vielen Facetten, das sicher seine Freunde finden wird. Den Abschluss des Samplers macht eine Band aus Freiburg, die wohl aus dem Hardcore kommt und diesen mit Bravour vertritt: L.A.U.T. "Soul Damage" (inkl. Metal-Gniedel-Solo) schüttelt einen ordentlich durch und der Sänger shoutet und singt, dass man nur anerkennend die Faust in die Luft strecken kann. Ich glaube nicht, dass eine solche Qualität UND eine solche Vielfalt auf diesem Sampler zu erwarten war. 21 Tracks mit nur wenigen richtigen Ausfällen, da ist echt was geboten fürs Geld. Die Regio rockt! Und zwar hier! Auf diesem Sampler! Und ja, das ist Eigenwerbung...

 

 

Alexander Janke