02.08.2010  Koblenz

Gesehen: Horizonte Festival 2010 in Koblenz



Hanggai

Wer auf große Festivals, Rock am Ring oder Southside geht, den locken die Stars, der große Menschenauflauf und drei Tage vollgepackt mit Konzerten vom Frühstück bis weit nach dem Abendessen. Was aber treibt einen auf ein kleines Festival in der Provinz? Dazu noch eines das musikalisch nicht dem Manstream zuzuordnen ist?

 

Natürlich sind es hier auch die Headliner die ziehen. Aber eben nicht nur. Das Horizonte Festival in Koblenz war am letzen Wochenende im Juli ein schönes Beispiel für den Reiz eines kleinen Festivals. Zum mittlerweile achten Mal feierte man auf der Festung Ehrenbreitstein hoch über Rhein und Mosel mit Musik aus aller Welt. Mit dabei unter andrem die in der Folk- und Weltmusikszene absolut nicht unbekannten 17 Hippies. Daneben noch Watcha Clan aus Frankreich und eine Reihe mir persönlich völlig unbekannter Bands. Aber egal, der Termin war günstig, Koblenz nicht allzuweit und eine Gelegenheit die 17 Hippies live zu sehen lasse ich mir sowieso nur ungern entgehen. Was das Festival an den zwei Tagen dann aber bot überstieg meine Erwartungen völlig.

 

Zunächst einmal ging es mit der gerade neu eröffneten Seilbahn direkt vom Deutschen Eck in Koblenz auf die oberhalb gelegene Festung Ehrenbreitstein. Eine sehr gelungene Location für das Festival, denn die Festung bietet nicht nur eine stilvolle, historische Kulisse sondern auch ausreichend Platz für zwei große Bühnen auf denen abwechselnd die Künster auftraten. Dazwischen ein netter Bereich mit allerlei Essen und Trinken, fertig ist die gelungene Atmosphäre.

 

Musikalisch eröffnet wurde das Festival am Freitag von Hanggai aus China. Das sagt dem deutschen Otto Normalbürger natürlich erstmal nichts und klingt auch in der allerersten Sekunde fremd. Aber dann begreift man, dass eben nicht nur irische Volkslieder perfekt zu rockigen Sounds passen, sondern eben auch Chinesisch-Mongolisches. Was dabei herrauskommt ist jedenfalls ein wilder Ritt durch die mongolische Steppe zu dem das Publikum sich schonmal eifrig warmtanzte. Für mich war damit der erste Auftritt auf dem Horizonte Festival gleich eine Entdeckung. Hanggai spielen übrigens in den nächsten Wochen noch einmal in Deutschland und zwar auf dem Wacken Openair.

 

 

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Weiter ging es in Koblenz mit Fanfare Ciocarlia aus Rumanien, einer Baklan Bläsertruppe, die für reichlich Stimmung sorgte und die Zugabe spontan mitten ins Publikum verlegte. Direkt im Anschluss auf der anderen Bühne spielte das Alessandro Penezzi Trio aus Brasilien was die Saiten nur so hergaben. Alessandro Penezzi ist sicherlich einer der besten Gitarristen die ich je gesehen habe.

Mittlerweile war es Dunkel und auf der etwas größeren Bühne im Graben riefen die 17 Hippies. Was soll man noch sagen, die Berliner verstehen es ihr Publikum zu begeistern. Den Ausklang des abends besorgte Maryam Akhondy & Banu aus dem Iran.

 

Der zweite Tag des Festivals begann mit Forro in the Dark aus New York. Gelungene Idee diese rhythmusstarke Band auf den ersten Slot am noch jungen Abend zu setzen, denn mit ihrem Trommelfeuerwerk, gepaart mit Flötenspiel oder Saxophon brachten sie gleich zu Beginn die richtige Stimmung ins Festival.

Davon profitierte sicherlich auch Watcha Clan, die ich persönlich gerne zu einem späteren Zeitpunkt gesehen hätte, da die Konzerte bei Dunkelheit doch deutlich stimmungsvoller sind. Im Publikum war davon allerdings nichts zu merken und auch der Ausflug in zahlreiche elektronische Klänge kam beim Publikum sehr gut an. Da wurden sogar algerische Flaggen geschwungen, denn Watcha Clan machen keinen Hehl aus ihrer nordafrikanischen Herkunft.

 

Nicht ruhiger, aber klassischer wurde es dsann bei den Afro Cuban All Stars, die Musik im Stil des Buena Vista Social Club spielten und dabei fast eine Big Band mitbrachten.

 

Der Rest des Abends war dann fest in iberischer Hand. Zunächst heizten El puchero del hortelano, "Der Gemüsetopf des Gärtners" dem Publikum ein. Sehr schöner spanischer Rock dem hierzulande definitiv zu wenig Beachtung geschenkt wird. Und im Anschluss daran spielten Oquestrada aus Portugal, die einen Fado spielen, der nach eigenen Angaben alles andere als melancholisch ist. Das kann ich auch nur bestätigen. Dazu inszenieren sie ihre Lieder mit fast schon theaterhaftem Charme.

Gegen Ende des Abends setzte leider noch ein wenig Regen ein, aber davon abgesehen haben die Macher des Horizonte Festivals alles richtig gemacht. Die Location ist genial, das Konzept mit zwei Bühnen auf denen jeweils abwechselnd, aber unmittelbar nacheinander gespielt wird ist großartig und die Auswahl der Bands sehr gut. Es ist schön, dass man sich hier auf vergleichsweise wenige Bands konzentriert und dafür die undankbaren Slots am Nachmittag mit nur halbem Publikum weglässt. Insgesamt ist das Horizonte einfach eine entspannte Veranstaltung auf der es Spaß macht neue Bands aus aller Welt zu entdecken









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