16.07.2010  Freiburg

Gesehen: Gilberto Gil beim ZMF 2010



Gilberto Gil

Der ehemalige brasilianische Kulturminister in der Regierung von Lula da Silva hat wahrlich ein bewegtes Leben vor zu weisen. Bereits 1972 musste Gilberto Gil vor der Militärdiktatur in seinem Land emigrieren und lebte für 2 Jahre in London. Nach seiner Rückkehr engagierte sich Gil fortlaufend für politische Themen in seinem Land. Seit nun 46 Jahren gehört er zu der sich ständig wandelnden brasilianischen Musikszene und wurde in seiner langen Künstlerkarriere bereits mit 11 goldene Schallplatten und fünf Platin-Schallplatten bedacht. Zahlreiche Zusammenarbeiten mit internationalen Künstlern wie Stevie Wonder oder Jimmy Cliff machten ihn weltbekannt.

 

Kaum ein anderen hat sich mit so vielen verschiedenen Strömungen der brasilianischen Musik beschäftigt wie Gil. Von Baião über Samba und Bossa-Nova oder Afoxé hat sich Gil aller Musikalischer Strömungen seines Landes angenommen und sie mit aktuellen Rock, Pop, Funk und Reggae Rhythmen gemischt. Was jedoch, wie er auch an diesem Abend dem Freiburger Publikum gestand ist es der Forró der sein Herz berührt hat.

 

Forró stand lange Zeit in Brasilien im Schatten solcher Strömungen wie Samba und Bossa-Nova, hat aber im laufe der Zeit in immer mehr an Beliebtheit gewonnen. Der Ausdruck Forró steht dabei gleich für mehrere Dinge. Einerseits umschreibt es den Rhythmus, zugleich ist Forró aber auch ein Überbegriff für eine ganze Musikrichtung. Auch die Tanzfeste im Nordosten Brasiliens bezeichnet man als Forró.

 

In legerem Outfit mit T-Shirt, karierter Hose und mit einer roten Fender „bewaffnet“ betritt Gilberto Gil an diesem heissen Sommerabend die Bühne des Zirkuszeltes. Gleich zu Anfang erklärt er das Forró für ihn eine Herzensangelegenheit ist weil dies die Klänge waren mit denen er Aufwuchs. Es ist die Musik der Jahrmärkte und Dorffeste, die Musik der kleinen Leute. (Das Wort Forrò entstand angeblich aus dem Englischen begriff „For all“ für alle.)

 



Gilberto Gil

Gleich vom ersten Stück an klingt alles erstaunlich rockig und kompakt im Sound. Die gesamte Band von Schlagzeug , Bass, Zabumba-Basstrommel, Geige, Akkordeon und Gitarre spielt das gesamte Set ungeheuer Präzise und Rhythmisch auf dem Punkt.Der Sound ist trotz aller Folklore modern und aktuel verpackt. Die zahlreichen brasilianischen Zuhörer an diesem Abend hält es vom ersten Takt an nicht mehr auf den Plätzen. Die deutschen benötigen da etwas länger aber die Natürlichkeit die Gilberto Gil so unnachahmlich auf der Bühne versprüht steckt an und so langsam fängt auch der letzte deutsche bewegungsunfähig Tanzmuffel im Zelt an mit zu wippen.

 

Immer wieder erläutert Gil teils auf englisch, teils auf portugiesisch woher die Musik und vor allem der Rhythmus stammt, was diese, seine Musik für eine Geschichte hat. All dies geschieht in einer Natürlichkeit, Unaffektiertheit und ohne belehrend zu sein, so dass man sich nur schwerlich eine bessere Werbung für die Brasilianische Musikszene vorstellen kann. Gil lebt, verkörpert diese Musik mit allen ihren Strömungen und Spielarten und erscheint wie eine lebende Inkarnation der „durchmischten“ brasilianischen Musik. Auf der Bühne tanzt er mit seinen annähernd 70 Jahren als sei er gerade eben aus einem Jungbrunnen gestiegen und man erkennt das dieser Jungbrunnen für ihn die Musik sein muss. Erstaunlich auch seine Stimme die frisch und unverbraucht klingt. Trotz seines Alters beherrscht Gil wie kaum ein anderer die Kunst der Verführung auf der Bühne. Charmant flirtet er mit dem Publikum und bezieht jeden mit ein. Völlig souverän hat Gil das Publikum in der Hand und steigert die Stimmung gekonnt bis zum Schluss, bis das Publikum in einer Polonaise an ihm vorbei zieht.

 

So wurde an diesem Abend dem Freiburger Publikum neben der Musik auch eine Lehrstunde in brasilianischer Musikgeschichte und Folklore zuteil deren Reichhaltigkeit und Vitalität einen Mitteleuropäer vor Neid in den Sitz drückt aber Gilberto Gil teilt diese Musik mit jedem und hatte zumindest an diesem Abend beim Freiburger Publikum einen riesen Erfolg.

 

 









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