24.06.2009  BERLIN

Nachgefragt: Johanna Zeul im Interview



Johanna Zeul

RM: Hallo Johanna.

 

Johanna:Hallo

 

RM: Nicht nur nach dem Gewinn des Jugend kulturell Festivals und des Rio Reiser Songpreises wirst Du immer wieder mit grossen Namen er deutschen Musikszene wie Nina Hagen oder Bernadett La Hengst verglichen. In welcher musikalischen Tradition siehst Du Dich selber und Deine Musik?

 

Johanna: Ich hatte sehr sehr lange überhaupt keine deutschen Vorbilder. Habe ich eigentlich immer noch nicht richtig. So manches finde ich ganz gut aber meine Vorbilder lagen definitiv, in der Jugend, im Grunge oder im Hip Hop. Da von Beastie Boys bis Nirvana. Eigentlich sehr stark Nirvana.

 

RM: Deine Songs klingen alle sehr frisch und will mal sagen alles aus einer Hand. War das auch der Grund warum Du daraufhin Dein eigenes Label (Gold und Tier) gegründet hast, weil Du das alles selber auch unter Kontrolle halten wolltest? Oder bist Du gar kein so Kontrollfreak?

 

Johanna: Das mit dem Label ist so passiert Ich wollte das ganze schon aus der Hand gegeben. Ich hatte auch einen Plattendeal aber im Zuge der ganzen Wirtschaftskrise und so ist das alles kaputt gegangen und dann ich bin wieder auf mich zurück geworfen worden.

Aber ich kann mir jetzt auch mein eigenes Team aufstellt und kann mir die Leute genau aussuchen mit denen ich arbeite. Ich muss mich nicht mehr mit irgendwelchen Faulpelzen rum ärgern.

 

RM: Man kann sich auch die Leute aussuchen die von der Sache überzeugt sind oder?

 

Johanna: Die überzeugt, fleißig sind und die auch menschlich passen. Das ist ja auch nicht immer so. Das ist wie mit einer guten Band.

 

RM: Du singst ja auf deutsch und was ist bei Dir der Ausgangspunkt Deiner Songs sind das mehr die Texte oder steht erst die Melodie? Oder wie geht das von statten?

 

Johanna: Total unterschiedlich. Also jetzt gerade bin ich an einer Auftragsarbeit dran und da gibt es halt ein klares Thema also da soll ich für jemanden anderen einen Song schreiben, bin gerade mittendrin. Das Thema ist Katastrophen. Das ist gar nicht so einfach wenn man ein so klares Thema vorgegeben hat. Da war es jetzt so da habe ich schon ein paar alte Melodien im Vorfeld gehabt. Von alten Liedern die ich früher in Englisch geschrieben hab, in schlechtem Englisch, die aber geile Melodien haben, und da habe ich jetzt Text drauf geschrieben. Für mich ist der Idealfall immer wenn beides auf einmal kommt. Wenn beides auf einmal so miteinander entsteht weil dann ist es meistens sehr sehr aus einem Guss und nicht intellektuell.

 

RM: Du hattest ja auch schon Auftragsarbeit fürs Theater für das Stück Max und Moritz. Das war auch eine Auftragsarbeit?

 

Johanna: Ja genau. das die Max und Moritz geschichte aber wichtig war das dass für Erwachsene war.

 

RM: Dein Vater war ja auch selber Musiker war das mehr ein Segen für Dich oder mehr ein Fluch?

 

Johanna: Ja mein Vater ist selber immer noch Musiker.Es war beides also ... eigentlich ein Segen schon auch. Manchmal ein bisschen nervig wenn die ganze Familie immer irgendwie was dazu sagt. Wenn ich meinetwegen sie in meiner Anfangszeit nicht bei meinen Auftritten haben wollte aber wenn man sich selber entwickeln will dann geht das halt nicht immer.Aber bei mir ist auch so das beide Eltern Musiker sind.

 

RM: Die Mutter ist Flötistin oder?

 

Johanna: Ja Flöte und Klavier.

 

RM: Du hast dann auch zum ersten Jahrgang der Popakademie in Mannheim gehört.

 

Johanna:Dem ersten Jahrgang ja.

 

RM: Wie sind für Dich solche Staatlichen Akademien? Ist das was empfehlenswertes? Hat es Dir was gebracht? Es gibt ja nun mit Get Well Soon und Auletta doch so ein paar Bands die ich sag mal auch aus dem Popakademie Dunstkreis hervorgegangen sind.Wie beurteilst Du solche Institutionen?

 

Johanna: Ich habe zuerst gedacht ja das kann ja nichts sein so was staatliches

Etwas enttäuscht war ich da ich eigentlich angenommen hatte das sehr viel mehr mit dem Körper gearbeitet wird. Ich kam ja von der Schauspielschule dort war ich ein Jahr und hab mich dann wegen der Musik um orientiert. Auf der Schauspielschule wurde viel mit dem Körper gearbeitet

Das habe ich für mich auch immer weiter gemacht. Der Körper das geht bis zur Stimme das ist ja auch ein Körperteil. Das war für mich recht frustrierend weil das war höchst selten war an der Popakademie. Das waren so die kleinen Sachen. Was mir nicht gefallen hat war das die Popakademie, zum einen ist das geil, in der andern gesehen das sie schon sehr stark mit der Musikindustrie zusammenhängen die sind ja nicht neutral. Das merkt man dann später allmählich das man da drin hängt.

 

RM: Das heißt das der Verkauf als Künstler gewissermaßen dann schon an der Akademie anfängt?

 

Johhanna: Ja der kann. Es ist halt so das sie einen Deal mit einem Verlag haben. Mit dem Emi Verlag und letztendlich hat man indem man dort eingetreten ist in so eine Akademie unterschrieben das Lieder da reinkommen da die so ein erstes Anhörungsrecht haben. Die können die Lieder natürlich nicht haben wenn man dagegen ist aber wenn ein anderer Verlag auch Interesse hätte würden die das erst recht haben. Das hört sich schon so zwanghaft an und das hat mich genervt. Ich wollte halt eben die Kontrolle behalten. Auf der anderen Seite muss ich sagen wenn ich mich vergleiche mit ein paar Kollegen, die haben es halt auf ihre weise gelernt wie das Business funktioniert und ich habe es eben auf der Popakademie gelernt. Man kann nicht sagen wie es gelaufen wäre wenn ich nicht auf der Popakademie gewesen wäre aber es ist für mich schon etwas traumatisch gewesen. aber jeder hat da seinen eigenen Weg.

 

RM: Du lebst in Berlin kommst aber ursprünglich aus einem kleinen Ort in Schwaben. Waren die Voraussetzungen besser in Berlin? War das eine Provinz-flucht?

 

Johanna: Ja das war einfach eine Provinz-flucht.

 

RM: Du bist zur Zeit auf Tour wie ist das Tour-leben?

 

Johanna: Wenn man gesundt ist ist es super. Es ist abwechslungsreich und es ist ein toller Geografieunterricht. Ich lerne ganz Deutschland kennen.

 

RM: Vielen Dank für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.



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