05.11.2008  Elktooth/ U.S.A.

Gehört: WOVEN HAND "Ten stones"

Prediger der Apokalypse



Woven Hand

Woher nimmt WOVEN HAND Vorstand David Eugene Edwards immer wieder die Inspiration für seine rabenschwarze und abrundtief verzweifelte Musik? Kaum ein anderer Songwriter erschafft mit seinen Liedern eine derart beklemmende, postapokalyptische Atmosphäre wie der ehemalige 16 HORSEPOWER Boss. Mit ihrem mittlerweile vierten Album „Ten stones“ arbeiten WOVEN HAND weiter an der Beschwörung des Weltuntergangs.

 

Wo auf den Vorgängern noch die verhuschten Klänge eines Akkordeons oder einer akustischen Gitarre genügten, um die Sonne für immer zu verdunkeln, setzen Edwards und seine drei Mitstreiter bei „Ten Stones“ von Beginn an mehr auf rockigere Elemente. Schon der Opener „The beautiful axe“ addiert druckvolles Schlagzeugspiel und voluminöse Zerrgitarren zum düsteren Alt.Country der Vorgängeralben und erschafft damit eine überwältigende Erhabenheit. Der Hörer ist bereits in den ersten Minuten gefesselt udn gerät „Not a stone“ fast schon an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit, so monumental bricht die in Musik gegossene Wut und Hoffnungslosigkeit aus der Band heraus. Auch wenn sich Nummern wie „Cohawkin road“ gelegentlich in Zurückhaltung üben und sich mit spärlicher Instrumentierung in endloser Melancholie verlieren, so hat man auch hier WOVEN HAND selten mit solch wutentbrannter Eindringlichkeit spielen hören.

 

Zur zweiten Hälfte des Albums nimmt nicht nur die Spieldauer der Songs ab, sondern auch die bleischwere Wucht des Einstiegs. Die rabenschwarzen Wolken über „Ten stones“ klaren auf und offenbart mit „White knuckles grip“ eine lebhafte, fast groovige Bluesnummer. In „Quiet nights of quiet stars“ croont Edwards wie ein schwermütiger Sinatra über Gitarrenpickings und Flötenklänge, um im anschließenden Beschwörungstanz „Kicking bird“ aus der Offenbarung zu predigen. Zum krönenden Abschluss dieses Meisterwerks nimmt uns „Kingdom of ice“ noch mal weit hinaus in einsame Gefilde voller Tristesse, bevor der Drone „His loyal love“ das Album schließt.

 

Druckvoller denn je erschaffen WOVEN HANDS Songs voller Dramatik, Spannung und Dynamik, die den Hörer aufwühlen, erschüttern, abschrecken, aber auf irgendeine Weise immer wieder anziehen. Wie ein Prediger zeichnet Edwards in seinen Texten bibelhafte Szenarien, die so bildgewaltig wie ehrfurchtgebietend sind. Und den elf Predigten von "Ten stones" hört man nur zu gerne zu.

 

 

 

 

Christian Hautz