10.10.2008  The Hauge/ Holland

Gehört: JOHN DEAR MOWING CLUB "s/t"



JOHN DEAR MOWING CLUB

Das Erschaffen weiter Klanglandschaften, die spärlich mit verhallten Gitarren, dezenten Rhythmussprenkeln und einer gebrochenen Stimme gefüllt werden, sind das Metier von JOHN DEAR MOWING CLUB (J.D.M.C.).

 

Mit ihrem zweiten, selbst betitelten Album führen die drei Holländer um Sänger, Songschreiber und Maler Melle de Boer den Hörer weit hinaus in eine staubige und unwirkliche Prärie. Mit im Gepäck haben sie eine Wagenladung Songs voller Anklänge an Neil Young, Bob Dylan und Townes van Zandt, und etliche Satteltaschen voll warmer Wehmut. Und in die Einsamkeit der Prärie passt der seelenvolle Countryrock von J.D.M.C. auch am besten. Wenn de Boer in „Broken TV“ von der sehnsuchtsvollen Suche nach dem einen Menschen mäandert, kann man die Verlassenheit in seiner Stimme mit den Händen greifen. „Bare hands“ klingt, als würde Velvet Underground mit Bob Dylan am Lagerfeuer sitzen und gemeinsam alte Countryballaden spielen. Die Reise in die Melancholie wird nur gelegentlich und oasengleich von sachte galoppierenden Rocknummern wie „Cowboygirl“ oder „The first time I heard Townes singing“ ein wenig beschleunigt. Manchmal reißt eine Nummer wie ein wild gewordenes Pferd aus und verliert sich in allzu erdrückender Tristesse. Ist der Hörer nach einem langen Ritt durch die fünfzehn Songs des Albums am Ziel angekommen, so möchte er gleich wieder kehrt machen, nur um sich noch einmal in der Prärie und in diesem wundersamen Werk des J.D.M.C. zu verlieren.

 

 

 

 

Christian Hautz