15.08.2010 Leipzig
Gehört: Christian Troitzsch - Fort von hier
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"Fort von hier" ist die erste EP von Songwriter Christian Troitzsch, der sich auf offene Texte versteht, die Themen wie Fernweh, Herzschmerz, aber auch gesellschaftliche Missstände behandeln. So wird im Lied "Spiesser" mit dem Generationskonflikt und dem Belächeln der Jugend abgerechnet, währenddessen bei "Tante E" das Leben der Frau vom Laden um die Ecke erzählt wird, die sich gegen heutige Discount-Riesen nicht mehr durchsetzen kann. Troitzschs Erzählweise zeugt dabei von einer guten Beobachtungsgabe, er erzählt sehr prägnant, ohne dick aufzutragen oder zu übertreiben. Dabei gelingt es ihm zumeist, dem Zuhörer eine abschließende Wertung zu überlassen und ihn nicht mit Imperativen á la Xavier Naidoo zuzutexten.
Die Stimmungen in seinen Liedern sind ganz unterschiedliche: Vom schmunzelnden "Bissl dick", das sich mit den Gewichtsproblemen des Otto-Normalverbrauchers und dem damit verbundenen, nicht bestätigten Attraktivitätsverlust auseinandersetzt, bis hin zum beeindruckenden Seelen-Striptease in "Kompliziert", bei dem sich Frauenherzen vermutlich fragen, wer ihm so etwas nur angetan haben kann, ohne es zu merken. In "Fort von hier" kommt etwas Wehmut, vor allem aber eine innere Sehnsucht auf, die einen selbst vorwärts treibt, auch wenn noch nicht genau klar ist, wohin.
Auch wenn man der EP die viele Arbeit anmerkt, ist klar zu sagen, dass Christian Troitzsch mehr Livemusiker als Studiosänger ist. Die aufgenommenen Songs wirken teilweise flach und transportieren leider nicht immer die Frische und Energie, die diesen "Asphaltakustiker" überall umgeben, wo man ihn trifft, sei es in der Fußgängerzone oder auf einer Festivalbühne.
Die EP macht trotzdem Lust auf mehr- auf einen jungen Musiker, mit den einen oder anderen Gedanken, die wir alle entweder schon mal gedacht haben oder über die wir alle einmal nachdenken sollten.
Songliste:
01 Spiesser
02 Bissl dick
03 Kompliziert
04 Gebrauchsgegenstand
05 Fort von hier
06 An ihm
07 Tante E
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