Podcast Interview mit Michael Trent von THE FILMS
11/11 2007
Nachgefragt: Michael Trent von THE FILMS
![]() THE FILMS |
RM: Letztes Jahr im November und Dezember habt Ihr The Kooks auf deren Europatournee supportet, im Rahmen welcher sie auch einige Konzerte in Deutschland spielten. Später ist mir dann aufgefallen, dass The Kooks bei EMI unter Vertrag stehen, Euer Label aber Warner ist. Wie kam diese Band- bzw. Tourkombination zustande?
Michael: Es hatte nicht wirklich etwas mit Warner Bros., sondern vielmehr mit unserem Promotion Team, FKP Scorpio, zu tun, welches uns hierfür gebucht hatte. Sie wollten, dass wir in Deutschland spielen und schlugen uns vor, im Vorprogramm der Kooks aufzutreten.
RM: Momentan seid Ihr auf Eurer ersten Headliner-Tour durch Europa. Hat es irgendwelche Gründe, dass der Großteil der Shows in Deutschland stattfinden wird?
Michael: Das liegt hauptsächlich daran, dass wir hier in Deutschland die Möglichkeit haben, vor größerem Publikum zu spielen. Wohingegen sich uns diese Gelegenheit in Großbritannien noch gar nicht und in den USA kaum geboten hat. Hier sind wir viel damit beschäftigt, größere Bands zu supporten und Festivalgigs zu absolvieren.
RM: Ich sah Euren Auftritt auf dem diesjährigen Southside-Festival und war völlig überrascht, dass so viele Menschen zu so früher Stunde schon zugegen waren!
Michael: Ja, das war echt super. Ich denke, wir haben bisher ganz gute Arbeit in Deutschland geleistet. Die Auftritte mögen wir hier sowieso. Also...
RM: Ihr habt "Blitzkrieg Bop" von den Ramones gecovert, welches als Bonustrack auf einer Eurer Singles zu finden ist.
Auf welcher Single wurde es veröffentlicht?
Michael: Auf "Belt Loops".
RM: Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob die Singles in Deutschland erhältlich sind.
Michael: Hm, soweit ich weiß, kamen die Singles überall heraus. Deshalb nehme ich an, dass die Single "Belt Loops" auch in Deutschland veröffentlicht wurde.
RM: Wahrscheinlich im Januar diesen Jahres... Haben die Pferdekopfmasken, welche Ihr in vielen Promobildern und auch im Video zu "Belt Loops" tragt, eine höhere Bedeutung? Oder sind sie eine Art Maskotchen oder das geheime Bandlogo?
Michael: Nun, das ist eine Art Geheimnis. Ich kann Dir daher leider keine näheren Informationen über die Pferdekopfmasken geben.
RM: Ach, komm schon!
Michael: Sie haben etwas sehr misteriöses an sich. Wir halten sie in einer alten Truhe auf einem Dachboden verschlossen, den niemand außer uns kennt.
RM: In Euren Texten thematisiert Ihr häufig Geschehnisse oder Geschichten, die Eurem ganz persönlichen Alltag entnommen sein könnten, etwa in "Jealousy", "Strange Hands" oder auch "Hollliewould Getaway". Habt Ihr die verarbeiteten Ereignisse selbst erlebt oder einfach nur erfunden?
Michael: Etwas aus Beidem. Ich mag es, in Songs Geschichten zu erzählen, einen Charakter zu erschaffen und die Dinge aufeinander aufzubauen. Manchmal passiert mir auch nur etwa die Hälfte des Geschilderten und ich runde sie dann einfach entsprechend ab. Es ist von Mal zu Mal unterschiedlich und hängt davon ab, wie interessant das Erlebnis war.
RM: Ich finde die Lyrics völlig verrückt!
Michael: Oh, das ist gut! Ich betrachte das als ein Kompliment.
RM: Auf jeden Fall ist das ein Kompliment! Bei "Strange Hands" dachte ich nur "Wow, was für ein Abend!". Euer Sound scheint stark vom British Beat der 60er und 70er Jahre und generell vom Britpop-Genre inspiriert zu sein. Welche Reaktionen auf Euer Album "Don't dance Rattlesnake" erreichen Euch aus Großbritannien?
Michael: Großbritannien ist irgendwie merkwürdig. In Deutschland sagen alle: "Ihr klingt wie eine UK-Band." In Großbritannien sagt das hingegen niemand. Dort heißt es: "Euer Sound ist sehr amerikanisch. Ihr klingt wie The Strokes."
Diese subjektive Empfindung steht in direkter Abhängigkeit von dem Herkunftsland und natürlich der Wahrnehmung der Leute.
Es ist offensichtlich, dass wir mit der "Invasion" britischer Musik , wie The Kinks, The Zombies,.... aufwuchsen. Weniger springen einem die sich in unserer Musik verbergenden Countryeinflüsse entgegen. Generell mögen wir den Aspekt, Geschichten zu erzählen sehr viel lieber als eine coole Melodie zu komponieren, welche ein paar Worte enthält, die die Leute dann mitsingen können.
RM: Bist Du der Meinung, dass die Menschen in Großbritannien überhaupt offen für Eure Musik sind? Letzte Woche sprach ich mit Gustaf von Mando Diao, welcher sagte, dass eine musikalische Barriere, im Sinne von wenig Akzeptanz, zwischen Großbritannien und Ihnen bestünde, was er persönlich darauf zurückführte, dass der Sound ihrer Songs sehr englisch sei, sie aber aus Schweden kämen.
Michael: Wie schon gesagt, ich finde Großbritannien irgendwie sonderbar, vor allem London, weil es so im Trend liegt. Die ganzen neuen UK-Bands klingen gleich und sind nur damit beschäftigt, sich gegenseitig zu kopieren. Ich denke, dass das weder sonderlich schlau ist, noch die Entwicklung bzw. Entfaltung einer Band fördert. Es kommt dort einfach nichts "Neues" zustande.
RM: Letztes Jahr wart Ihr im Rahmen der Visions X-mas Tour mit The Couper Temple Clause unterwegs, welche alle Shows headlinten. Was denkst Du über Ihre Auflösung?
Michael: Ich kannte sie im Vorfeld dieser Tour überhaupt nicht und wusste bis eben auch nicht, dass sie sich aufgelöst haben. So eine Auflösung ist allgemein ein ziemlicher Mist, auch wenn es mich jetzt nicht so tief getroffen hat. Es waren echt nette Typen und es ist natürlich vor allem dann schade, wenn man weiß, wie hart sie am neuen Album gearbeitet haben und welche Euphorie das mit sich brachte. Manchmal kann es einen einfach zermürben, die Last innerhalb dieses ganzen Kreislaufes nicht mehr tragen zu können.
RM: Mando Diao sind als Freunde auf Eurer Myspace-Seite erwähnt. Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen? Über Sugarplum Fairy?
Michael: Wir tourten mit Mando Diao im März durch die USA. Es war eine recht lange Tour, mit noch einer dritten Band, im Rahmen derer wir alle ziemlich gute Freunde wurden.
RM: Mando Diao haben also auch einen recht hohen Status in Amerika.
Michael: Ihr Status ist dort nicht annähernd so hoch, wie der, den sie hier genießen. Es war eher eine kleine Clubtour mit etwa 500 Zuschauern pro Show. Ihnen wird in Amerika nicht mit sonderlich viel Liebe begegnet. Das ganze System ist dort ein völliges Durcheinander. Alles, was Du im Radio hörst, ist totaler Müll. Es werden einfach immer die zwölf gleichen, schlechten Songs gespielt, anstatt ein paar gute Bands zu finden.
RM: Während der Vorbereitung für dieses Interview wurde ich sehr häufig mit dem Vergleich des Sounds von The Films und Mando Diao konfrontiert. Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass die Musik beider Bands so viel Ähnlichkeit aufweist. Was hälst Du von diesem Vergleich?
Michael: Ich finde auch nicht, dass sich unser Sound ähnlich anhört. Ihre Musik mag ich wirklich sehr. Dennoch muss ich sagen, dass wir doch irgendwie von ganz unterschiedlichen Welten kommen. Man kann jede Band mit einer anderen vergleichen, wenn man nicht viel über sie weiß. Aber man macht es sich damit ziemlich einfach.
RM: Ich habe ein Interview gelesen, in welchem Du sagtest: "Die ersten drei Platten von Elvis Costello wurden innerhalb der ersten zwei Jahre seiner Karriere veröffentlicht. Genauso wollen wir es auch machen!" Wann können die Fans mit der Veröffentlichung Eures zweiten Albums rechnen?
Michael: Wir boten die Veröffentlichung des zweiten Albums unserem Label in den Staaten an, welches auch unser Debutalbum herausbrachte. Wir haben die Aufnahmen eines neuen Albums für Januar geplant. Momentan haben wir aber keine Plattenfirma. Vielleicht werden wir für das nächste Album auch unser eigenes Label gründen, um die Platte auf diesem Weg auf den Markt zu bringen. Damit könnten wir so viele Longplayer, wie wir möchten, und vor allem in solch kurzem Zeitraum, wie wir es für richtig halten, veröffentlichen.
RM: Hat Rough Trade Euch in Eurer kreativen Entwicklung bzw. in der Veröffentlichung von Alben eingeschränkt?
Michael: Ja, das war ziemlich ärgerlich. Wir hatten bereits so viele Songs geschrieben, bevor wir von dieser Plattenfirma unter Vertrag genommen wurden. Die Zeitspanne zwischen dem Zustandekommen des Vertrages und den tatsächlichen Studioaufnahmen betrug dann aber ein Jahr, vielleicht auch nicht ganz so lang. Innerhalb dieses Jahres schrieben wir fast alle Songs auf "Don't dance Rattlesnake". Jetzt haben wir aber noch die ganzen alten Songs, welche uns damals den Plattenvertrag ermöglichten, für welche wir aber auch noch gerne eine Gelegenheit hätten, sie aufzunehmen und zu veröffentlichen. Seit den Aufnahmen zu "Don't dance Rattlesnake" haben wir wiederum viele Songs geschrieben, die als nächstes herauskommen werden. In gewisser Hinsicht hat die mangelnde Veröffentlichungsmöglichkeit auch unsere Kreativität zeitweise erstickt.
RM: Also bereut Ihr es, dass Ihr euch auf den Deal mit einem Major Label eingelassen habt?
Michael: Wir sind seit vier, fünf Monaten nicht mehr bei Rough Trade. Damals bereuten wir es tatsächlich und sind dementsprechend froh, nicht mehr dort unter Vertrag zu stehen, sodass wir jetzt einfach das machen können, wonach uns der Sinn steht.
Ines Punessen




