Regiomusik das Musikportal: Gehört: SEPTIMBEARS: „Provinzkraft“


04.03.2008  Freiburg

Gehört: SEPTIMBEARS: „Provinzkraft“


Nach der „Provinzräuber-EP“ jetzt das Debüt „Provinzkraft“ aus der Bärenhöhle. Ein Album, dass nicht nur die badische Provinzstadt rockt und viel mehr bietet als ironischen Lokalpatriotismus. Deutscher Hardrock für die Freiheit und den Spaß am Leben.

 

SEPTIMBEARS sind eine bunte Truppe; der Bassist der bekannten Pagan-Metaler Finsterfrost plus 4 Hardrockfreaks und einen Punk. Ein explosives Gemisch, dass vor allem Live abgeht wie Schnitzel und für Konzerte mit hohem Unterhaltungswert sorgt. Dass hier auch musikalisches Potential und vor allem eine bemerkenswerte Offenheit zu finden ist, wurde schon auf dem ersten Demo-Output „Provinzräuber-EP“ bewiesen und wird nun endgültig bestätigt.

 

Soundmäßig ist bei „Provinzkraft“ eine deutliche Steigerung hörbar, die Songs kommen angenehm klar und direkt daher. Nur der Gesang geht teilweise etwas im Gesamtsound unter und hätte etwas mehr Brillanz vertragen können. Etwas schade, da der Zugang zu den hörenswerten deutschen Texten etwas erschwert wird. Musikalisch dominiert bei SEPTIMBEARS rhythmischer Hardrock, man wildert aber nach guter alter Freibeuter-Manier gerne in anderen Revieren, hier ein Metal-Riff, da ein paar Trompeten-Klänge und zwischen durch straightes Punk-Geschredder. Sogar das Piano wird angenehm, da eher dezent und im Hintergrund, eingesetzt.

 

Die drei Songs von der ersten EP gibt’s in geschliffener Form zu hören, was vor allem beim Provinzhit „Räuber“ und dem "Auswanderungslied", Vertonung eines Text von Heinrich Hoffmann von Fallersleben erfreulich ist. „Freiheit lebet nur im Liede / Recht, es ist ein Märchen nur / Wohlfahrt ist ein langer Friede / Voll von Willkür und Zensur“ heißt es in diesem Text, der vor 150 Jahren verfasst wurde. Immer noch aktuell, vor allem für jene die das Streben nach Freiheit nicht aufgeben wollen. Das wunderschön getragene „TRM“ wurde ebenfalls recycelt – die Hits von „Provinzkraft“ sind für mich die Songs der „Provinzräuber-Ep“. Dazu gibt es mit „Schwarze Lichterkette“, „Piraten“ oder „Vollkommenes Glück“ weitere hörenswerte Songs und mit der Interpretation von Biermanns "Ballade von William L. Moore" ein weiteren Ausflug in die deutsche Lyrik.

 

Alles in Allem ein interessantes und unterhaltsames Album einer Band, die ihren eigenen Weg geht und musikalisch und textlich abseits ausgetretener Pfade wandelt.

 

 

Sebastian Drescher